Mit der kleinen Crew der Etappe 7 besuchen wir Visby und erkunden die Stadt zwei Tage lang. Den Hin- und Rückweg können wir mit gutem Wind gut segeln. Von Visby aus haben wir auch einen wunderbaren Blick auf die Sonnenfinsternis. Jörg hat daran gedacht ein Schweißglas mitgebracht, so dass wir unsere Augen gut geschützt sind.
Dann liegt der Klamarsund vor uns. Wir nutzen Wetterfenster, um nicht zu viel kreuzen zu müssen. So bleibt Zeit für Ankerbuchten, Paskalavik und meinem Lieblingsort Pataholmen. Von Pataholmen rauschen wir an einem Tag bis Sandhamn. Wir liegen hinter einer Garcia Exploration, ANUK sieht richtig klein aus gegenüber ihrer neueren Schwester. Zum Abschluss ankern wir noch einmal vor Karlskrona.
Viel zu schnell sind die 10 Tage um, mit für ANUKs Verhältnisse sehr gutem Verhältnis von gesegelten zu Motoren Seemeilen.
Unser Crewwechsel findet diesmal mit dem Auto statt. Helga und ich übernachten noch einmal auf der Lina und starten früh. Nachdem wir Thomas und den alten Bulli in Kalmar eingesammelt und den einen (nämlich den Bulli) am Flugplatz Arlanda geparkt haben, schaffen wir es kurz nach Mitternacht bis Gävle und müde in die Kojen.
Zwei Tage in Gävle reichen dann auch, um die schönen Ecken der Stadt zu entdecken. Die wenigen kleinen Straßen mit alten Holzhäusern, die nicht den vielen Bränden zum Opfer gefallen sind, wirken zwischen den modernen Bauten tatsächlich wie ein „städtisches Bullerbü“.
Nach zwei Tagen Richtung Süden erreichen wir die Stockholmer Schären, den Skärgård. Wir lassen uns Zeit und genießen die ganz unterschiedlichen Buchten und Orte.
Captain Uli steht ein wenig unter Druck, nachdem sie die Ålands wegen der Wettervorhersage kurzerhand vom Törnprogramm gestrichen hat. Die Ziele der nächsten Tage müssen nun also mindestens genauso schön sein. Kleiner Vorteil: Die Mehrheit an Bord kennt die Ålands nicht genauer.
Da die schwedischen Schulferien erst am 10. August enden, ist es noch recht voll. Trotzdem finden wir immer ein Plätzchen, wenn auch fast nie ganz für uns allein. Dafür treffen wir Lore und Peter mit ihrer Orion, Jan-Peter und Karoline mit Moni 6 und lernen die Crew der Despina kennen. Gegenan zwischen den Inseln und in engen Fahrwassern zu segeln, klappt leider selten. Umso angenehmer ist es, dass wir nur kurze Strecken zurücklegen müssen.
Wir sind zu siebt an Bord – genug Crew also, um ANUK, wenn möglich, mit Heckanker und Bug an den Felsen festzumachen. Die Manöver klappen gut, auch wenn freies Ankern deutlich einfacher ist und die besten Felsenplätze meist schon belegt sind.
Am Ende ergibt sich eine offenbar gelungene Mischung aus Buchten und Bullerbü-Ortschaften wie Arholma, Ingmarsö, Gällnö, Kymendö, Huvudskär/Alandskär und Harstena.
Von Arholma, unserem ersten Stopp im Stockholmer Schärengarten (Skärgård), ist die Crew so begeistert, dass sie am liebsten länger geblieben wäre. Ingmarsö und Harstena punkten beide mit leckeren Kanelbullar aus den örtlichen Bäckereien – davon kann nicht nur Captain Uli kaum genug bekommen.
Kymendö ist unsere zweite Schäre mit Festmachen am Fels – hier auch mit steilem Ausstieg auf die Insel. Außer dem kleinen Ort mit Laden und Café (Schild: „Affären“ – dem muss man folgen!) gibt es auf der Insel die Schreibstube von August Strindberg, der hier eine Hütte hatte. Nachdem er sein Buch geschrieben und veröffentlicht hatte, war er nicht mehr erwünscht – er hat wohl ein paar Dinge zu realitätsnah beschrieben …
Einen schönen Kontrast dazu bildet die „Bullerbü“-Außenschäre Huvudskär, die wir trotz Wind gemeinsam mit Moni 6 besuchen.
Das Ankermanöver dort zieht sich gefühlt über Stunden hin – in Echtzeit immerhin eine ganze Stunde – und setzt der Crew ordentlich zu.
ANUK liegt vor Anker, Moni 6 fährt Kreise, und Helga und Matthias machen sich mit Leinen im Dinghy auf den Weg ans Ufer. Dort sollen sie die Vorleinen für ANUK und Moni 6 vorbereiten. Das Anlanden fällt den beiden schwer: Die Felsen sind blank, und der leichte Schwell hat sie nass und rutschig gemacht. Von Bord aus können wir die ausführlichen Diskussionen der beiden über das weitere Vorgehen vor jedem Schritt sehr gut – und zunehmend ungeduldig – verfolgen.
Leider halten unsere Heckanker am Ende nicht, sodass ANUK schließlich frei am Hauptanker liegt; Moni 6 kommt längsseits. Immerhin lässt der Wind nach, und die Insel kann mit dem Dinghy erkundet werden. Die Hauptinsel Huvudskär ist inzwischen nicht mehr ganzjährig bewohnt. Es gibt eine Jugendherberge, ein kleines Museum, kein fließendes Wasser und Trockentoiletten. Früher lebten hier über 100 Menschen; es gab eine Schule und ein Postamt. Ihr Auskommen fanden die Bewohner mit Fischfang, in der Lotsenstation oder als Zöllner.
Das kleine Museum gibt einen Einblick in die Geschichte der Insel:
1450 werden die Fischereibestimmungen auf Huvudskär niedergeschrieben, die später für alle königlichen Fischerdörfer des Skärgårds gelten. Nachdem russische Truppen 1719 alle Häuser und die Kapelle niedergebrannt haben, wird das meiste wieder aufgebaut. 1832 entsteht ein Lotsenausguck-Haus. Weiß gestrichen ist es von See aus gut sichtbar und dient als Seezeichen. 1880 wird Huvudskär schließlich ein eigener Lotsenstandort. Zwei Jahre später wird der erste Leuchtturm fertiggestellt; zwei Leuchtturmwärter nehmen ihren Dienst auf und wohnen mit ihren Familien im Leuchtturmwärterhaus. 1884 sind laut Melderegister 39 Personen verzeichnet, es gibt 20 Schulkinder. Zunächst startet eine provisorische Schule, die zehn Jahre später auch ein eigenes Schulhaus bekommt.
1885 arbeiten 116 Lotsen am Standort. Das 1887 fertiggestellte Zollhaus dient heute als Jugendherberge. 1899 eröffnet die Poststation, die 1916 wieder schließt. 1912 sind nur noch 59 Lotsen hier beschäftigt; ab 1925 wird die Zollstation nicht mehr besetzt, und 1930 schließt die Schule. Die erste Landgangscrew berichtet, dass sich am Vortag die Eigentümer der alten Häuser getroffen haben – gut 30 Familien.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Familien auf so kleinen, abgeschiedenen Flecken gelebt und ihr Auskommen gefunden haben. Welch ein Aufwand muss es gewesen sein, Baumaterial, Heizmaterial und Lebensmittel auf die Insel zu bringen. Die oben genannten Zahlen machen das eindrücklich deutlich.
Schweren Herzens verabschieden wir uns mit einem langen Schlag Richtung Västervik vom Stockholmer Skärgård.
Nächstes Ziel wird Harstena: wieder das reinste Bullerbü, mit Museum mit alten Kleidungsstücken, Schlitten, einer alten Küche und Lebensmitteln, einem alten Boot in der Trankocherei und großen Bottichen. In einem alten Schwarzweiß-Film wird das altertümliche Leben der Robbenjagd auch gezeigt, in einem alten Schulraum für ca. 30 Kinder, in dem Graham sich mit der Lehrerin anfreundet – leider nur einer Puppe. Währenddessen sorgt Ecki dafür, dass wir keine Kanelrulla mehr bekommen– die Bäckerei ist komplett ausverkauft, als wir nach dem Museum dorthin ankommen. Sie wurden aber an Bord gesichert …
Wir ankern noch einmal vor Västervik und laufen am Morgen dort ein, bevor mittags die Wechselcrew anreist.
Was gibt es sonst noch aus unserem Bordleben zu berichten? Dieses Jahr wurde wenig gesucht, die Medikamenteneinnahme funktionierte überwiegend ohne Erinnerungen, und dank Graham mussten alle am Englischkurs teilnehmen. Unser Lehrer Graham hat das geduldig ertragen – und überlebt. Sogar Sprüche und reichlich Scherze haben funktioniert.
Alle waren Frühaufsteher – einige aber nur notgedrungen: Um 06:00 Uhr sprangen sie kurz nach mir aus den Kojen – etwas ungewohnt für Uli. Sogar Thomas stand vor 7 Uhr freiwillig auf und ging schwimmen, um dem Aufwach-Effekt des wunderbaren Kaffees nachzuhelfen. Graham staunte jeden Morgen aufs Neue, dass er eine Stunde lang eine Kanne Kaffee nach der anderen produzieren durfte. Aber auch unser English-Man trank mehr Kaffee als Tee.
Die Verletzungen blieben überschaubar: blaue Flecke, geprellte Rippen und nur ein entzündeter Insektenstich zum Abschluss der Etappe. Naja, und das übliche für Menschen, die eine normale Stehhöhe haben: immer wieder unerwartetes Rumsen an die Decke, den Türrahmen, den Niedergang – aber das kennen wir ja schon. Mücken gab es erstaunlich wenige, wenn überhaupt nur abends zum Sonnenuntergang.
Es war die ganze Zeit warm und überwiegend sonnig: tagsüber über 20 °C, Wassertemperatur 18 bis 19 °C – herrlich.
Jetzt sitze ich hier, die Crew der Etappe 7 kriecht langsam aus den Kojen – wir wollen um 08:00 Uhr los –, und ich tippe verspätet diesen Blogbeitrag.
Leider habe ich den Fehler gemacht, die letzte Crew ohne fertigen Blogbeitrag abreisen zu lassen. Der Bitte, noch etwas nachzuliefern, ist außer Graham und Thomas leider niemand nachgekommen.
Anuk is planning to sail to Patagonia next year, and maybe continue to Antarctica. Uli and Astrid have had a lot of cold weather experience in their years of sailing in high latitudes, so I am confident that this plan is achievable. Thirty years ago, I sailed to Commonwealth Bay from Hobart and I thought that you might be interested in a story about the kind of things that happen when you’re not so experienced. There were three of us involved: David Hempleman-Adams, who had just walked to the South Pole, solo and unsupported, my partner Rebecca Stephens, who had become the first British woman to climb Mount Everest, and me. All three of us had climbed Everest in 1993 and were looking for a different kind of expedition. “Why don’t we go and look for the South Magnetic Pole?” said Dave. “It’s in the Southern Ocean.” This seemed a crazy idea. The Southern Ocean is a savage sea. How would we avoid the icebergs? And what was the South Magnetic Pole, anyway? I found out it is the one place where all the compasses in the world don’t point to. It is an imaginary place, and it roams around the ocean off the coast of Antarctica like the lonely albatrosses that live there. We met the professional crew in Hobart in Tasmania. And we met Spirit of Sydney. She is a famous 60-foot aluminium-hulled ex-racing yacht designed by Ben Lexcen, the same designer behind Australia’s historic America’s Cup-winning Australia II. Originally launched by Australian Prime Minister Bob Hawke, she became famous when Ian Kiernan sailed her solo around the world, securing 4th place in the gruelling 1986 BOC Challenge Race. She had also competed in the Sydney to Hobart race. We set off three times before the yacht was ready. We forgot the milk. We forgot the fax paper for the weather forecasts. We forgot the gas. None of this should happen on Anuk, as we have lists! On the voyage I could see daylight coming through pinholes in the hull where the aluminium hull was being eaten by electrolytic corrosion. Sea water was coming in. The mainsail ripped when ice froze inside the reefed half. The ice became so thick on the decks we had to chip it off with ice axes. And the fresh water in the tanks froze when we sailed through seawater below minus one Celsius. During one storm a big wave came on board in the night and washed away the liferaft, which had been tied on deck. Again, this should not happen to Anuk, as her liferaft is contained inside a compartment on the stern. We had been given a bunk in the forepeak, and we were slamming the waves so hard that I was being bounced in my bunk until I hit the ceiling. For the first time in my life I sustained an injury in bed. Cooking was good exercise, dancing the hornpipe in front of the gas stove and juggling the pots and pans. The three watches had a long-running competion to see who could cook the most elaborate dishes, and so we ate roast New Zealand lamb, roast potatoes and hot desserts with custard. We overdid this and ran out of gas at the end, resorting to a camping stove in the cockpit for the last few days. But we arrived at Commonwealth Bay in Antarctica after two weeks of sailing. We tied a long rope to the icy shore and ran the dinghy along it for safety: Australia was 1500 miles to the north if the dinghy got blown off course. We saw penguins and Elephant seals, walked inside Mawson’s Hut and trekked with our heads bowed against the high winds. The record wind speed here is 320 km/h (approx. 200 mph), a great place for a gentle sailing holiday. When we pulled up the anchor it had a great ball of ice frozen to the chain. I put the ice axe wrist leash on my wrist (a big mistake) and leaned over to knock the ice off. Three things happened at once. 1. The ice axe became embedded in the ice. 2. The ice fell off the chain. 3. I was pulled over the rail. Luckily Rebecca and Dave grabbed my feet as I shot over the side. Lesson learned: don’t put on the wrist leash! And we found the Magnetic South Pole on 20 February 1996. It was a patch of ocean like all the rest. But above our heads the Southern Lights waved and shimmered like a huge green curtain hanging down from space. And the most memorable part? I will never forget the day we three Everest climbers were crouched in the cockpit. We had a 65-knot gale (120 km/h), which is called violent storm force 11. Our mainsail had just ripped for the second time. I was steering, and it was very exciting at 14 knots. We were planing down the backs of waves that we estimated at 15 metres high. Everything seemed to be happening in slow motion. We agreed later that we had never felt more alive. I hope to go on Anuk to Antarctica again, but I’m quite sure that it will be better planned!
Am Samstag, den 20.9.25 findet der letzte Crewwechsel statt. Uta, Holger, Helga und Gerda kommen ohne Stau mit dem Auto in Dunkerque an und übergeben das Fahrzeug der alten Crew, die sich freut, damit zurückfahren zu dürfen. Praktisch auch, dass Jörg uns noch beim Einkaufen hilft und den Audi sicher durch die Stadt steuert.
Am Sonntag und Montag wettern wir erst mal ab. Museumsbesuche in Dunkerque sind angesagt. Im Kunstmuseum haben sich für einen guten Zweck Künstler und sozial Benachteiligte zusammengefunden und extravagante Kleidung aus Stoffen, Drähten und Plastik erschaffen. Uli und Gerda unterstützen das Sozialprojekt kräftig.
Das Mémorial du Souvenir informiert uns über die Einkesselung Dunkerque im 2. Weltkrieg. Hier schafften es im Jahr 1940 die Alliierten 460.000 Soldaten per Schiffe nach England zu evakuieren. (Operation Dynamo).
Am Montag fahren wir mit der Bahn nach Bergues, bekannt durch den Film „Willkommen bei den Schti’s“. Unter anderem besichtigen wir den Belfried und bewundern das Carillon (Turmglockenspiel). Abends schauen wir alle den Film, den Gerda vorsorglich bei Prime gekauft hat( danke Jakob!) und freuen uns über viele einzelne Sehenswürdigkeiten aus dem Ort.
Am Dienstag geht es endlich los mit Wellengang und Gegenwind, Kreuzen ist angesagt und manch einem(r) wird Seekrankheit ein Begriff. Dennoch legen wir eine Tag- und Nachtfahrt zurück bis Scheveningen. Dort fahren Helga und Gerda nach Den Haag um den Königspalast Noordeinde, die schönen Einkaufsstraßen und das meistfotografierte Gebäude, den Friedenspalast zu besichtigen. Der Friedenspalast ist der Sitz des Internationalen Gerichtshofes.
Dann, es ist schon Freitag, segeln wir weiter bis Borkum. Erneut eine Tag- und Nachtfahrt. Helga verlässt uns leider am Sonntagmittag, fährt mit der Fähre nach Emden und per Zug weiter nach Lübeck. Schade, Helga, dass du nicht bleiben konntest, aber schön, dass du die eine Woche bei uns warst.
Borkum begrüßte uns mit schönem Wetter und begeistert uns mit seinem schönen Strand, abseits gelegenen Ruhebänken und dem Feuerschiff ´Borkum Riff`, dessen Besuch sich für Technikinteressierte lohnt.
Nun aber geht es wieder weiter. Über Nacht von Sonntag auf Montag segeln wir nach Helgoland. Beeindruckend sind die Lichter der vielen Schiffe, die auf Reede liegen und auf Einlass nach Bremerhaven, Wilhelmshaven und Hamburg warten. Während dieser Nachtfahrt „verkurzweiligt“ sich die wachhabende Crew mit der Erkennung der sich in Fahrt befindlichen Fahrzeuge durch ihre Lichterführung. Die Crew bemerkt einen Schimmer hinter dem Horizont und rätselt lange darüber, ob es nicht schon der Leuchtturm Helgoland sei. Die Captain klärt mit einem kurzen trockenen Hinweis “Kennung 5 Sekunden Flash“ die Situation. Wir segeln ein Stück weit mit halbem Wind. Helgoland morgens und abends ohne die mit Fähren und Schnellfähren ankommenden Tagestouristen ist wunderbar.
Uta und Gerda versorgen sich mit Geschenken und unterstützen den Einzelhandel der Insel. An dieser Stelle muss unbedingt erwähnt werden, dass Uta am Mittwoch, den 24. September zum ersten Mal Oma wurde. Dieses großartige Ereignis wurde natürlich in Scheveningen auf der Anuk mit dem allerbesten Sekt gefeiert. Auf Richard! Die Giraffe von Steiff, die Uta auf Helgoland erstanden hat, wird bestimmt sein Lieblingskuscheltier.
Auf Helgoland treffen wir Marlene und Bert von der Heimkehr. Wir gehen zweimal mit ihnen essen (bester Fisch und beste Pizza). Außerdem dürfen wir noch die Heimkehr besichtigen. Ein tolles beeindruckendes Schiff (6 Jahre jedes Wochenende restauriert, unglaubliche Leistung!)
Weiter geht’s nach Brunsbüttel. Wieder ist kreuzen angesagt und in der Elbmündung müssen wir noch den Motor anwerfen. Vor der Schleuse warten wir 2,5 Stunden. Nur Uli friert nicht und schafft es auch noch nach 14 Stunden Fahrt, eine Möhrenkokosingwersuppe zu kochen, zu der wir noch Elke, Gerda Freundin aus Brunsbüttel einladen, die unweit der kleinen Schleuse wohnt und uns auf der ANUK besucht.
Kurz nach Mitternacht fallen wir müde in die Kojen. Um sieben Uhr sind wir schon wieder auf dem NO-Kanal bei Traumwetter, aber ohne Wind unterwegs und außer Sportbooten ist nicht viel los. Wir fühlen uns wie Senioren auf einem Ausflugsdampfer. Nur Uli lässt sich nicht von der Geschäftsidee eines Heizdeckenverkaufs bei Kaffee und Kuchen an Bord überzeugen. Beim Anlegen an der Pier macht Gerda einen lebhaften Kniefall und begrüßt freudig unsere Ankunft in Kiel. Das Schleusen geht hier schneller vonstatten und wir können uns in der Wartezeit in der Sonne bruzeln.
In der Kieler Förde werden wir plötzlich von Michael auf seiner Schamu freudig begrüßt und mit Ehrengeleit in die Marina Wendtorf begleitet.
Tom und Sabine, Janine und Jörg, die in der Marina ihre Boote liegen haben, kommen am späten Abend auf der ANUK dazu. Was für ein toller Empfang. Wir und vor allem Uli genießen den lustigen Abend. Die Captain ist völlig relaxt und Michael konstatiert: „Du bist ja völlig tiefenentspannt. Das kennt deine Crew gar nicht“.
Am letzten Tag (Freitag) haben wir alle zusammen ein köstliches Frühstück an Bord. Tom bringt leckere Brötchen mit. Wie gut, dass die Captain auf die Zeit achtet und wir pünktlich um 11 Uhr ablegen. Bei bestem Segelwetter mit Südostwind und strahlendem Sonnenschein wechseln wir uns bei 8-9 Knoten mit steuern ab. (heute mal kein Autopilot!). Uta und Gerda singen für den Steuermann Holger abwechselnd Lieblingssongs aus vergangener Zeit. Man bedenke unser Alter. Die Captain flüchtet in den Salon.
Ankunft in Orth um 18:15 Uhr. Das Anlegemanöver ist perfekt…
Wie schön, dass wir rechtzeitig vor dem großen Sturm in Orth sind dank der perfekten Törnplanung der Captain. XXXXXXXXXXX
Fazit:
Eine wunderbare Zeit. Erholsam. Lehrreich. Segelkentnisse werden erworben bzw. aufgefrischt. Tolle harmonische Crew. Lustige Stimmung an Bord. Niemand fiel ins Wasser und alle Handys blieben trocken. Allerbeste Captain. Leckeres Essen. Seniorenbetreuung (Handysuchen, Kühlelementeverteilung). Akribische und liebevolle Seekrankenpflege durch die Captain. Bewundernswert ist die unglaubliche Geduld mit der doch etwas dilettantischen, aber sehr engagierten und lernfähigen Crew.
Tagesauftakt am Samstag, den 13. September mit muntermachendem Schwimmen, Algenernte und anschließendem Start in Richtung Solent. Kein Ort, sondern eine Meerenge, gelegen zwischen der Südküste Englands und der Isle of Wight, gekennzeichnet durch extreme Strömungsverhältnisse und wahrscheinlich dadurch bedingt ein beliebtes Segelrevier. Entsprechend geraten wir auch in eine Regatta und die ehrgeizigen Manöver dicht um uns herum sind spannend anzusehen.
Schöner Service: Am Steg der Marina in Cowesnehmen Marlene und Bert, alte Freunde von Uli und ebenfalls engagierte Mitglieder des Trans Ocean die Leinen an.
Die Wetterverhältnisse machen die baldige Weiterfahrt unmöglich, so dass wir die beiden folgenden Tage auf der reizvollen Insel verbringen, heutzutage beliebtes Ferienziel der Briten.
Zu Urzeiten mit dem Festland verbunden (was sich mit ein wenig Fantasie bei Betrachtung des Satellitenbildes nachvollziehen lässt), mit nachgewiesenen Besiedelungsspuren seit der Jungsteinzeit blickt auch dieser Flecken Erde auf eine bewegte, von Angriff und Verteidigung geprägte Vergangenheit zurück. Kelten, Römer, Jüten, Westsachsen, Wikinger und Franzosen haben ihre Spuren hinterlassen. Andere Lebensbedingungen als die, mit denen wir es heute zu tun haben, wir dürfen also schauen und schlendern, genießen und ausruhen.
Wenn passionierte Segler auf passionierte Segler treffen gibt es regen Austausch; mit Marlene und Bert treffen wir auf ein Paar, das in mühevoller 6-jähriger Arbeit ein ausgebranntes Schiff restauriert und für ihr Traumziel „Auf den Weltmeeren unterwegs“ ausgerüstet hat (Merke: Wer nicht anfängt, wird nicht fertig). Sonntag also Schiffsbesichtigung der HEIMKEHR mit anschließendem fast 4-stündigem! (Tee-)Klatsch, abends gemeinsames Essen im Duke of York.
Stimmung an Bord?
Die Crew hat sich nach der ersten Woche zusammengefunden. Das Zusammensein mit den beim ersten Aufeinandertreffen einander nicht oder teilweise nicht bekannten Personen ist vertrauter geworden. Hinzu kommt, dass sich die ersten, seegangsbedingten Unannehmlichkeiten und das damit verbundene körperliche Unwohlsein der ersten Woche gelegt haben. Das Thema „Wie sieht der richtige Umgang mit Seekrankheit aus? ist ad acta gelegt und wir beschließen, dass es dabei bleiben soll.
Der Umgang mit dem Schiff, An- und Ablegemanöver, das Kümmern um Ordnung, das Einkaufen, die Essenzubereitung mit anschließendem Abwasch erfolgt solidarisch. Tabuthema bleibt das Anzünden des Ofens, das lässt sich unsere Captain nicht aus der Hand nehmen; und sie bleibt eisern. (Anmerkung Uli: einzige Ansage war, es gibt eine Einweisung und Freigabe ;-)) Vorteilhaft insofern, als dass die Crew sich auf den allmorgendlich von ihr zubereiteten Kaffee freuen kann.
Lediglich mit der Toilettenkartendisziplin scheint es doch immer wieder mal zu hapern, wie von Uli kürzlich angemerkt (am Ende liegen sie dann doch wieder in voller Anzahl auf dem Kartentisch).
Am Dienstag, den 16. September ist es soweit: Pünktlich um 11:30 Uhr brechen wir bei einsetzender Ebbe zur Überfahrt nach Frankreich auf. Vorher selbstverständlich Wacheinteilung im 4-Stundenrhytmus und Zuweisung der Notrollen. Die Genua wird gesetzt, bei West-Südwestwind Stärke 5 bis 6 brauchen wir ca. 22 Stunden um den Ärmelkanal zu überqueren und am Mittwoch, den 17. September gegen 10:00 Uhr morgens müde, aber erleichtert in der Marina von Boulogne sur Mer einzulaufen.
Müdigkeit trifft auf alle zu, erleichtert sind diejenigen Crewteilnehmer, die der Überfahrt mit nächtlichen Segeln mangels Erfahrung oder aus anderen Gründen mit gemischten Gefühlen entgegengesehen haben. Aber wieder einmal gilt: Was angegangen wird, kann bewältigt werden und so lautet das abschließende Fazit dann auch: Gute Erfahrung, (das Wissen zu Positionslampen könnte aufgefrischt werden!). Tatsache bleibt, dass der kurze Wechsel zwischen Wache und Ruhephase anstrengend ist. Neues Thema also: Schlafmanagement (nicht nur beim Segeln!). Hervorzuheben ist, dass unsere Skipperin im Dauereinsatz war. Kurz mal zwischendurch hingelegt, aber jederzeit ansprechbar und immer wieder einfach da, um zu unterstützen oder das Notwendige zu tun. Danke Uli.
Wir verbringen zwei schöne Tage in Boulogne sur Mer. Hinter der industriell anmutenden Hafenanlage mit den sie umstehenden plattenbauartigen Wohngebäuden entdecken wir die schöne Altstadt, besuchen das beeindruckende Nautilaa, erstehen frischen Fisch, Gemüse, Käse und Baguette und – wie sollte es auch anders sein auf dieser Törnetappe – schlemmen uns wieder einmal genussvoll durch.
Von Plymouth aus geht es am Sonntag, den 8. September weiter. Bernd und Bernhard haben das Boot verlassen, hinzugekommen sind am Vorabend Janine und Jörg sowie Mirko und Susanne.
Nach Einweisung und Sicherheitsbelehrung legen wir am Mittag ab, erreichen das Städtchen Salcombe, das geschützt in einer Art Flussmündung liegt. Hier kann an Moorings oder schwimmenden Plattformen geankert werden – wir bekommen einen ruhigen Ankerplatz an einer Plattform zugewiesen.
Schwimmen? Alle sind sich einig, allerdings sind hier die Widrigkeiten der bei Ebbe und Flut einsetzenden Strömung zu berücksichtigen. Sicherheitshalber wird eine Boje mit Halteleine ausgelegt und die Mutigen trauen sich ins gefühlt 17 ? Grad kalte Wasser.
Am Montag, den 8. September geht es dann nach einem gemütlichen Frühstück weiter und wir kommen noch früh am Tag in Dartmouth an.
Erhöhte Aufmerksamkeit unserer Captain dem Dieselfilter gegenüber hatten schon auf der Hinfahrt nach Dartmouth ahnen lassen, dass Größeres bevorsteht – und tatsächlich! Nachdem sich herausgestellt hat, dass Wassergehalt und eine durch Organik hervorgerufene Trübung das Vorhandensein von Dieselpest vermuten lässt, wird der Tank in Augenschein genommen. Schleimartige Ablagerungen werden erfühlt und die Entscheidung fällt:
Am Dienstag (9. September) darf die Crew sich auf Landgang begeben, derweil Uli sich daran macht, den Tank zu reinigen. Vorher hatte die ANUK zwecks Abpumpens des Inhalts die Flusseite gewechselt. Die in Dartmouth herumspazierenden Crewmitglieder wurden später mit dem Dinghy abgeholt.
Tankreinigung ist ein aufwendiges Unterfangen, aber das zufriedene Lächeln einer am Abend dann doch etwas verdreckt aussehenden Captain lässt alle Mühen vergessen. Selbstverständlich wird auch noch der Filter ausgewechselt und die Fahrt kann mit einem guten Gefühl fortgesetzt werden.
Wir Landgänger erlaufen das mediterran anmutende und auch geschichtsträchtige Städtchen. Beim Anblick der Fachwerkhäuser aus dem 16. Jhdt. verlangsamt sich der Schritt wie von selbst. Die Auswirkungen des warmen Golfstromwassers und der atlantischen Westwinde sind auch hier unübersehbar, denn Palmen, Gummibäume und Araukarien fühlen sich augenscheinlich wohl. Die Früchte der Passionsblumen leuchten die Betrachter freundlich an und überall in den engen und verwinkelten Gassen der Stadt sind liebevoll gepflegte Pflanzenarrangements zu sehen.
Kleiner Ausflug in die Vergangenheit (auf dem Boot wird ja noch gearbeitet): Die Mündung des Dart bot ideale Voraussetzungen um Angriffe der Franzosen und später der Spanier abzuwehren. Bereits bei der Einfahrt ist das auf einem Felsvorsprung erbaute imposante Dartmouth Castle auszumachen. Mittels eines auf der anderen Flusseite gelegenen Wehrturms konnte eine Eisenkette gespannt werden und die abgebremste Weiterfahrt ermöglichte den erfolgreichen Einsatz der im Dartmouth Castle positionierten Kanonen. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass im zweiten Weltkrieg von hier etliche Schiffe zur Landung in der Normandie ausgelaufen sind.
Die für den nächsten Tag (Mittwoch, 10. September) angesetzte frühe Weiterfahrt verzögerte sich bedingt dadurch, dass das erste Tankschiff geschlossen war und ein zweites gefunden werden musste. Erst gegen 11.30 Uhr konnten wir aufbrechen. Teils starke Strömung (quer und von achtern), Wind und Regen prägten die 11stündige Fahrt nach Weymouth. Schön, aber auch anstrengend und dementsprechend war die Erleichterung groß, als wir gegen 22.30 Uhr endlich in der Hafenanlage anlegen konnten.
Wieder sind wir in einem der beliebten Badeorte gelandet, der sich durch einen feinen Sandstrand auszeichnet und trotz des Regens zum Schwimmen einlädt. Sehenswerte, an der Promenade gelegenen georgianische Häuser und der malerische, von Krabbenkuttern belegte Hafen laden zum Verweilen ein. Wir erledigen notwendige Einkäufe, erstehen Cod (Dorsch) und Monk (Seeteufel), außerdem Tauwerk, da auf der bewegten Fahrt nach Weymouth auch noch eine Reffleine gerissen war. Letzteres führte dann am nächsten Morgen nach einem gemütlichen Frühstück zu ihrer Erneuerung, zum Glück bei Sonnenschein.
Wir haben Freitag, den 12. September, der freundliche Tag hat uns in entspannter ca. 4stündiger Fahrt an das Ende des 155 Kilometer langen Küstenstreifens geführt, der von der UESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Unser Ankerplatz befindet sich an der Halbinsel Isle of Purbeck, in Sichtweite der Old Harry Rocks, zwei imposanten, aus dem Meer herausragenden Kreidesäulen. Auch hier eine Gegend, die ebenso wie die bisher angelaufenen Hafenstädte, ganz sicher interessant für eine Erkundung auf Land ist.
Da wir früh angekommen sind, war Zeit zum Entspannen und am Abend dann Unterricht im Spleißen.
Unsere Überfahrt von Bere Island nach Penzance war segeln vom Feinsten. Jedenfalls hatten die Captain und ein Teil der Crew ihren Spaß.
Bis Mizen Head ging es noch gegenan, wir mussten etwas kreuzen. Der Wind kam anfangs eher aus SW und nicht wie erhofft aus W. Trotzdem erreichten wir kurz vor 11:00 Uhr Mizen Head und konnten dann auf Halbwindkurs gen Süden laufen. Der Ex Hurrican Erin sorgte noch für eine alte und lange hohe See. Unangenehm waren die ca. 4 m hohen Wellen nicht. Mit gereffter Genua und einem Reff im Großsegel liefen wir komfortabel schnell. Bernhard beschäftigt sich weiter mit Basstölpel Motiv-Jagd, ab und zu schaut ein Delphin vorbei.
Von Mizen Head bis nördlich der Isle of Scilly schafften wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,25 kn.
Gegen Mittag waren wir dann an den Isle of Scilly vorbei. Auf einen Stopp haben wir verzichtet. Für eine verregnete Nacht mit zunehmendem Wind lohnte sich das leider nicht so richtig.
Hinter Lands End wurde es ruhiger und wir bremsten etwas, um nicht zu lange bis zur Öffnung des Tidengates Penzance warten zu müssen.
Um 19:00 Uhr konnten wir dann rein. Die Crew war glücklich die Nacht nicht mit leichtem Schwell in der Bucht vor Anker verbringen zu müssen.
Penzance hat mir sehr gut gefallen. Der Hafenmeister ist sehr hilfsbereit und freundlich. Wir liegen hier gut geschützt als vierte im Päckchen umgeben von Fischern und kleinen Frachtern. Von Bord aus kann man die vielen Touristen für die Scilly Fähre mit ihren unglaublichen Mengen an Gepäck beobachten. Der kleine Ort ist jetzt zum Ferienende nicht mehr so überlaufen.
Wir genießen Penzance mit seinen alten Häusern, bestaunen die vielen Palmen in den Gärten und Parks. Zum Programm an Land gehört auch ein Bier Tasting, Live-Musik im Pub und ein Besuch des alten Freibades gleich neben dem Hafen. Die Becken sind mit Meerwasser gefüllt, der Geothermal-Pool ist kühler als der Name vermuten lässt. Dank Sauna trotzdem perfekt, um stürmisches Regenwetter zu überstehen.
Leider reisen Lars und Laila schon ab. Christian kommt dafür an Bord und wir sind Montag weiter nach Falmouth gesegelt.
Auch wenn wir es bis auf eine Distanz von ca. 35 nm geschafft haben, schaffen wir es nicht die HEIMKEHR einzuholen. Heute wird sich die Distanz wieder vergrößern, leider.
Heute gönnen wir uns einen Tag im River Fowey. Wir liegen auf Anraten des Hafenmeisters etwas flußaufwärts und haben vom vorhergesagten Starkwind der letzten Nacht nichts mitbekommen.
Bis zum Crewwechsel am Wochenende in Plymouth werden wir die Zeit hier noch an ein paar hoffentlich schönen Spots verbringen. Das Wetter wird die nächsten Tage noch zeitweise windig und verregnet bleiben. Britisch halt.
Was macht man, wenn man zwei Tage auf einer idyllischen Insel verbringen „muss“.
Wir erkunden zumindest einen Teil der Insel, nachdem unser Reality-Show „ü70 entsteigt Zodiac“ am Steg beendet war.
Nach unseren ersten Erkundungsgängen treffen wir die Herrschaften im Pub wieder.
Weit sind wir alle nicht gekommen. Die Gehgeschwindigkeit ist dank vieler, sehr leckerer Brombeeren am Wegesrand arg gedrosselt.
Immerhin schaffen wir es bis zum Mortello Tower und zur NE-Ecke der Insel. Die Landschaft ist abwechslungsreich. Es duftet nach Wald, in den geschützten Bereichen eine üppige Vegetation, einzelne Höfe und Brombeerbüsche am Wegesrand. Auf den Hügeln karge Vegetation und blühende Heide und Brombeerbüsche. Die Ernährung ist auch dort sichergestellt.
Zurück an Bord wird der Grad der Verfressenheit anhand der blauen Hände beurteilt. Brombeerplünderung lässt sich schwer leugnen. Uli hat leider keinen Gelierzucker im Vorrat, ansonsten hätte sie heute noch Marmelade gekocht.
Die zwei Tage hier sind ein sehr entspannter Abschied vom Norden und Irland. Die Zeit war wie immer viel zu kurz, wir haben viel erlebt und gesehen. Und hätten gerne an vielen Orten länger verweilt.
Nach einem Tag in Dingle (Stadtbummel, Proviant-Einkauf, Duschen) sind wir zwei Tage nach Süden gekreuzt. Samstagnachmittag ging es mit Süd setzenden Strom noch relativ gut voran, auch wenn die Wellen kurz waren. Mit der Dunkelheit haben wir Ballinskelligs Bay erreicht. Leider sind wir nicht ganz so weit gekommen wie erhofft. Alle sind müde nach 8 Stunden kreuzen, nach einem schnellen Abendessen fallen wir in die Kojen.
Am nächsten Morgen sind wir um 07:00 Uhr wieder los. Auf bis nachmittags auf den passenden Gezeitenstrom warten verzichten wir. Die Welle ist angenehmer, der Kreuzwinkel dafür frustrierende 150°. So dauert es einige Stunden bis wir The Bull umrundet haben.
Mizen Head zu umrunden und nach Crookhaven zu erreichen ist so nicht mehr zu schaffen und wir entscheiden uns für Option B. Nördlich der Insel Bere Island (oder auch Bear Island) bei Castletown gibt es eine kleine und sehr gut geschützte Bucht mit Marina.
Captain Uli hatte schon in Dingle überlegt, wohin ANUK es bis Sonntagabend schafft. Für Montag und Dienstag waren sich die Wettermodelle halbwegs einig und es ist Starkwind aus Süd angesagt. Valencia Radio sendet seit Sonntagmittag die dazugehörige Small Craft Warning. Zu dem für uns unpassenden Wind kommt noch ein weiterer Gruß von Ex-Hurrican Erin, das Sturmtief sorgt für eine Wellenhöhe von rund 5 m vor der Küste (Vorhersage).
Also bleiben wir hier und haben hoffentlich zwei entspannte Tage. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zieht noch eine kleines Tief mit Starkwind aus S und Regen durch. Danach wollen wir Mittwoch früh Richtung Scilly Island starten.
Bis dahin wissen wir hoffentlich auch, ob ein Stopp dort sinnvoll ist oder es gleich an die Südwest Ecke Englands geht. Die Vorhersagen wechseln alle paar Stunden, anscheinend weiß noch kein Wettermodell verlässlich, wie es dann weiter geht. Nach gut zwei Wochen extrem warmen und schwachwindigen Bedingungen ist das Wetter jetzt wieder typisch irisches hier. Immerhin noch angenehm warm, die Wassertemperatur liegt bei ca. 18 °C.
Bere Island und diese wirklich kleine Marina haben heute Besuch von einem Cruiseship. Es ankert vor der Bucht und die 88 Passagiere werden mit Zodiacs direkt neben der ANUK angelandet. Ich dachte schon ich habe mich bei der telefonischen Anmeldung bei der Marina verhört, als mir gesagt wurde, es werde noch ein Cruiseship erwartet.
Dank der zusätzlichen Besucher hat der Pub gleich nochmal geöffnet und es gibt Live-Musik von 2 pm bis 5 pm. Die Passagiere der Island Skye sind alle optisch ü70, ich beobachte sie interessiert. Vielleicht lerne ich noch etwas zum Service orientierten, seniorengerechten Crew-Management.
Die Island Skye hat die Strecke Galway-Bere Island übrigens an einem Tag gemacht. Wir haben dafür 6 Tage gebraucht.
In Galway wechselte die Crew, Laila, Bernhard, Bernd und Lars kamen an Bord. Nach einem Eingewöhnungstag in Hafen von Galway fuhren wir zu den Aran Islands. Dort wollte Laila unbedingt die gesamte örtliche Tierwelt sehen – Pferde, Schafe, Esel und Rinder. Das haben wir erfolgreich getan. Die mit weitem Abstand häufigste Gattung waren allerdings Touristen, die mit Fähren, ungefähr alle 20 Minuten vom Festland kommend, eintrafen. Auf den Klippen am Black Fort starrten wir zu dritt auf dem Bauch liegend in den Abgrund, allerdings nicht so lange, dass der Abgrund in uns hätte starren können. Allerdings nur solange, bis uns bewusst wurde, dass die Klippen vom Wasser unterspült wurden und wie schade wäre es gewesen, wenn die Geschichte hier schon ein Ende finden müsste.
Weiter ging es bei schwachem Ostwind dicht an den Cliffs of Moher und den Cliffs of Kilkee gen Süden. Dort mussten wir nicht nur auf Untiefen und schwachen Wind achten, sondern auch auf die Tierwelt. Während Delfine und die allgegenwärtigen Vögel wenig Anlass zur Sorge boten, mussten wir auf andere deutlich stärker aufpassen.
Das größte Risiko ging Bernd bei seinen Ausflügen an den Bug der ANUK ein, denn der Riesenhai lauert in den irischen Gewässern. Er wartet auf unachtsame Segler. Er schleicht sich an die Boote an und schießt plötzlich am Bug aus dem Wasser und frisst unachtsame Personen. Selten zu sehen und bei unseren Etappen bisher auch nicht aufgetreten ist der Galway-Pupsfisch. Der heftet sich bei schwachem Wind an das Heck unaufmerksamer Boote und … naja, man kann es sich denken. Erfahrene Segler fangen ihn und zünden die Pupse quasi als Turbo an, insbesondere bei Flaute ein echter Gamechanger.
Besonders bei unserer letzten Ankerbucht mussten wir auf den Berg-See-Löwen aufpassen. Der wohnt in den dort reichlich vorhandenen Höhlen an Land und lauert allem auf, was er fressen kann. Und das ist viel. Wenn er gerade keine Segelboote frisst, soll er sich von Galway-Pupsfischen ernähren, die auch zu seiner Fortbewegung beitragen sollen. Wie genau er aussieht, kann leider niemand sagen, denn eine Begegnung mit denen hat niemand überlebt. Er soll entfernt mit Nessie verwandt sein, aber das ist ebenfalls noch nicht abschließend erforscht. Der Berg-See-Löwe legt sich zur Jagd auf die Lauer und wenn ein Boot in seine Nähe kommt, wird es komplett verschlungen. Laut Laila kann er allerdings auch auf dem Wasser laufen und durch seine breiten Füße quasi foilen. Wir konnten ihn allerdings durch die bösen Blicke von Bernd und Lars so sehr einschüchtern, dass er sich schlafend gestellt hat, selbst ein verängstigtes Zittern konnte von unseren mutigen Höhlenforscher:innen dokumentiert werden. Heute Nacht sind wir in der Marina in Dingle und damit sicher.