Aktuelles

Wie kommt man als Freiburger (Breisgau) zum Segeln?

E4: Örnsköldsvik – Lulea
Skipper: Christian
Crew: Michael und Konrad

Die Crew der E4 bestand aus drei Freiburgern, aus dem tiefsten Süden Deutschlands. Leider konnten wir für diese Etappe keine weiteren Mitglieder gewinnen, ob wegen Krankheit, Urlaubssperre oder anderweitigen Verpflichtungen, blieben wir zu dritt.
Christian als Skipper, Konrad (Papa des Skippers) und Michael, ein Freund seit der Grundschule.
Die Titelfrage wurde uns so oft, im immer gleichen Wortlaut, gestellt, wir beantworten diese gerne am Ende.

Am Sonntag, den 28.06., fanden wir die Anuk sehr gut vertäut im Hafen von Örnsköldsvik. Die Crew, zum ersten Mal auf der Anuk, erfreute sich an dem üppigen Platzangebot und den
„Einzelkabinen“. Aufgrund von Gewittervorhersage und gleichzeitig fehlendem Wind, verbrachten wir den Montag noch mit Stadterkundung und einkaufen, sowie der Creweinweisung. Das vorhergesagte Gewitter entpuppte sich dann als „hohe Luftfeuchtigkeit“ und zweimal rumpeln am Abend.
Dienstag früh ging es dann endlich los Richtung Küste. In einer Bucht bei Längholmen warfen wir den Anker. Hier konnten wir uns bereits auf die langen, bunten Sonnenuntergänge einstimmen, welche uns die ganze Reise begleiten sollten. Da die Wetterdienste nur sehr wenig Wind für die nächsten Tage vorhersagten, entschieden wir die Überfahrt nach Vasa nicht anzutreten und stattdessen an der schwedischen Küste gen Norden zu fahren.

Im nördlichen Hafen von Norrbyskär machten wir fest und erkundeten die Insel. Hier stand bereits ab 1750 ein Sägewerk. 1890 wurde dieses von F. Kempe übernommen, er vergrößerte das Sägewerk und erweiterte es um Kraftwerke und Wohnanlagen, welche die komplette Insel vereinnahmten und deren Überreste noch heute zu sehen sind. Die Wohnanlagen sind heute Ferienhäuser und eines der alten Kohlekraftwerke wurde zu einem kleinen Museum umgebaut.

Auf dem Weg nach Ratan machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp in Holmsund um unsere Vorräte aufzustocken, da wir für längere Zeit keine küstennahen Einkaufsmöglichkeiten ausfindig machen konnten. So mussten wir nur 1,4 km zum nächsten Coop marschieren. Der Hafen an sich war funktional und gut ausgestattet, das angrenzende Industriegebiet und die Bundesstraße waren dem Charme des Hafens aber nicht zuträglich.

Die Fahrt von Holmsund nach Ratan gestaltete sich als herrlicher Segeltag, wenn auch gegen den Wind. Mit einer kleinen Crew wurde der Tag, auf der Kreuz, zu einem ordentlichen Workout. Abends erreichten wir den wunderschön (einer der Schönsten) gelegenen Naturhafen von Ratan. Der Ort selbst zählt keine 100 Einwohner. Ca. 10 Yachten finden Platz am Pier des Hafens, wenn der Tankstellenbereich mitgenutzt wird.
Mit dem Dingi setzten wir auf Rataskär, die vorgelagerte Insel, über. Ein Rundweg führte uns an den Überresten der alten Zollstation (Keller von 1770) , Steinkreisen und dem Leuchtturm vorbei. Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit der Crew der SY Baluu, welche auf dem Weg Richtung Süden waren. Im Gespräch über unser Ziel Törehamn und den Wetterbericht, empfahlen sie uns, direkt loszufahren und nicht den Wind am übernächsten Tag abzuwarten, da die Wettervorhersagen auch aus der Glaskugel stammen könnten. Die nächste Etappe sollte also ein großer Schlag inkl. Nachtfahrt nach Törehamn werden.
Wenig Wind zum Start, auffrischend in der Nacht auf 13kt, drehend auf Ost, ließ auf einen angenehmen Abschnitt schließen, bei dem auch eine Nachtfahrt zu dritt gut möglich sein sollte.

Der Montag begrüßte uns um 01:00 noch mit einem schönen Sonnenaufgang bei gemütlichen 8-10kt Wind. Während er gegen 03:00h für 30min einschlief, frischte er danach merklich auf. Als der Skipper gerade 15min Schlaf hatte, wurde er nach oben gerufen. Es lagen 17kt Wind, steigend, an. Wir nahmen die Genua teilweise weg, holten sie kurz darauf ganz ein, als die ersten Böen >20kt eintrafen. Bei 18kt+ Wind und Böen bis 23kt wurde gegen 06:00h entschieden Richtung Lulea abzudrehen. Fehlende Wetterinformationen und die kleine Crew machten dies leider nötig. In der Bucht von Sandön vor Lulea ließen wir den Anker fallen und holten die verpasste Nachtruhe nach.
Nach langem Abwägen entschieden wir uns, den Weg Richtung Törehamn und der gelben Posttonne am nächsten Tag, bei wenig Wind und mit der Aussicht auf viel motoren, anzutreten.
Nach einer entspannten und ruhigen (abgesehen von der Maschine) Überfahrt nach Töre, rundeten wir gegen 16:30 die gelbe Posttonne in Törehamn 65°54.080‘N;022°39.087‘E. Glücklich und etwas wehleidig legten wir am Pier an. Glücklich unser, nördlichstes, Ziel erreicht zu haben – wehleidig, da ab hier nun jeder Kurs wieder Richtung Heimat zeigte. Kurzer Pulsanstieg wurde bei dem Skipper registriert, als das Echolot beim Anlegemanöver deutlich unter 2m fiel… Dank teils aufgeholtem Schwert und Jo’s üppig eingstellter Reserve auf dem Lot, bestand aber keine Gefahr einer Grundberührung.

Im Bistro des Campingplatzes gönnten wir uns ein Abendessen und erhielten unser Zertifikat für die Rundung der Tonne. Den Abend verbrachten wir mit der Crew der SY Raija bei gekühlten Getränken. Die erste Bemerkung, an Bord der Anuk lässt uns heute noch schmunzeln: „Erstaunlich wenig Katzenstreu hier…“, sie hatten zwei Katzen auf Ihrem Boot dabei. Törehamn bezauberte uns noch einmal mit einem herrlichen Sonnenuntergang im spiegelnden Wasser.

Für die Rückreise nach Lulea freuten wir uns auf angesagte 13kt raumen Windes.
Wir verließen Törehamn mit gesetzter Genua und ließen uns flott Richtung Süden schieben. Die Vorhersage, zeigte uns dann wieder, wie genau sie hier oben ist – gar nicht. Wieder gab es 18kt, Böen bis 24kt. Gerade zwischen den Inseln gab es ordentliche Düseneffekte. Auch bekamen wir zum Abschluss unseren ersten Regentag und schlechte Sicht. Kurz vor der Einfahrt in das Fahrwasser Richtung Lulea beruhigte sich die Wetterlage wieder und wir konnten trocken im Hafen festmachen. Das letzte Mal die Fender ausbringen, festmachen, die Maschine stoppen.

Die letzten Tage in Lulea verbrachten wir mit einem Ausflug nach Gammelstad / Church Town und genossen das gerade stattfindende Stadtfest „Under Solen“ mit Livemusik und Tanz auf den Straßen der Innenstadt.

Um die Titelfrage nun zu beantworten: Auch wir im Süden haben (kleine) Wasserflächen (Rhein, Schluchsee oder auch den Bodensee) welche reichen sich mit Fernweh und dem Seglervirus zu infizieren.
Der Wunsch nach mehr Meer ist wohl umso größer, je weiter es von der eigenen Haustüre entfernt liegt.

Michael:
Ich habe nur wenig Segelerfahrung und habe natürlich sofort zugesagt als Chris mich gefragt hatte. Wenn man zu dritt unterwegs ist, ist das Platzangebot echt verschwenderisch. Der Aufwand bei Manövern ist dafür umso größer. Trotz unseren „Workouts“ bei Manövern oder im Hafen hatte ich eine unglaubliche gute Zeit. Die Atmosphäre, die Natur, die kitschigen Sonnenuntergänge, die Wolken undundund waren einfach unvergesslich und haben mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Christian:
Ich selbst war nun schon einige Male mit an Bord der Anuk, sowohl zum Segeln als auch zum Basteln. Es war für mich das erste Mal als Skipper im Salzwasser überhaupt, und ich danke Astrid und Uli für die Möglichkeit und das entgegengebrachte Vertrauen von Herzen.

Konrad:
Vater und Sohn zum 1. Mal auf großer Fahrt.

Segeln gehört in unserer Familie seit über 40 Jahren zum Leben. Viele Jahre war ich auf Jollen und Yachten unterwegs. In diesem Jahr habe ich meine kleine Hanse aus Alters- und Gesundheitsgründen verkauft. Ursprünglich sollte Christian das Boot übernehmen, doch seine Pläne gehen weit über die heimischen Gewässer hinaus – sein Traum ist das weltweite Segeln.

Für mich als Vater erscheint das wie ein großer Schritt. Nach unserem ersten gemeinsamen Törn kann ich jedoch mit voller Überzeugung sagen, dass ich ihn mir als Kapitän bestens vorstellen kann und traue es ihm zu. Sein seglerisches Können, sein Organisationstalent und seine Umsicht haben mich beeindruckt. Er hat meinen Segen – und ich beneide ihn ein wenig um die Möglichkeiten, die noch vor ihm liegen. Er sollte seinen Traum verwirklichen, solange er jung ist.

Viele Jahre mit der DHH-Kameradschaft Freiburg sowie zahlreiche Törns – von der Ostsee bis ins Mittelmeer – und die erworbenen Segelscheine, einschließlich des BK, haben mir die notwendige Erfahrung vermittelt. Deshalb fiel mir der Abschied vom aktiven Segeln besonders schwer.

Als Christian mich fragte, ob ich ihn auf einem Ostseetörn begleiten würde, war ich sofort begeistert. Mit 80 Jahren einmal mit meinem Sohn auf einer 47-Fuß-Yacht unterwegs zu sein, war etwas ganz Besonderes. Früher hatte ich selbst den Plan, die Ostsee links herum zu umrunden. Wegen Corona und gesundheitlicher Einschränkungen ließ sich dieser Plan nicht mehr umsetzen.

Nun gemeinsam mit Christian auf einer vertrauenserweckenden, sicheren und hervorragend ausgerüsteten Yacht unterwegs zu sein, begeisterte mich. Ich konnte gar nicht Nein sagen – zumal ich mich von seinen Fähigkeiten überzeugen wollte. Vertrauen und Stolz wuchsen.

Natürlich wünsche ich ihm nur das Allerbeste, und allzeit gute Fahrt bei der Verwirklichung seiner Ziele, verbunden mit einer guten Heimkehr.
Papa

Mjältön – Örnsköldsvik

Mjältön ist die Insel mit dem höchsten Berg in Schweden und da mussten wir natürlich rauf. Entlang des Wegs zur Sauna liefen wir erst mal in der falschen Richtung auf die andere Seite der Insel, sammelten alle einen Stein ein und stiegen gemeinsam mit ein paar Mücken auf die Spitze des Berges. Wir folgten damit der Tradition, auf diesen Berg zu steigen und dort einen Stein abzulegen. Raufgestiegen, getan. Ein weiterer schöner Segeltag brachte uns dann zum Höhepunkt der Reise, Schwedens schönster Insel Trysunda. Dabei folgten wir der Küstenlinie der Höga Kustan, der hohen Küste, die so heißt, weil sie – wie der Name schon verrät – direkt vom Meer hoch ansteigt. Und immer noch weiter steigt. Denn die Gegend lag in der letzten Eiszeit unter einer 3 km dicken Eisschicht und stieg an. Und steigt nach wie vor weiter, ca. 1 cm Jahr. Ein paar Häfen haben deshalb schon Probleme, in Häggvik sind seit ca. 1900 einige Meeresbuchten zu Binnenseen geworden. Die Landschaft ist geprägt durch Wälder, einzelne Ferienhäuser direkt am Meer und bewaldete Hügel mit einzelnen Wiesen. Dazu kommen viele kleine Inseln, manche bewohnt, die meisten nicht und viele Steine unter Wasser, die dank der Hebung des Landes nicht nur immer weiter auftauchen, sondern auch im Winter vom Eis versetzt werden, so dass solche Angaben auf Karten mit großer Vorsicht zu genießen sind.

Wenn Häggvik als Hafen eine 1 bekommen hat, dann hat Trysunda eine 1 mit einem halben Sternchen verdient, mit einem kleinen Abzug weil in einer der Duschen der Wasserdruck etwas niedrig ist und die Dusche sehr moderat Geld kostet. Trysunda war zur Zeit des Ersten Weltkriegs eine Abbaustätte von Vanadium, wovon man allerdings nicht mehr viel sieht, außer einer Dampfmaschine und einem Lokomobil, die mehr oder weniger an zufälligen Stellen im Wald stehen. Die Insel bietet dann noch mehrere wunderschöne Buchten, die sich theoretisch sehr gut zum Anschauen des sowieso sehr kurzen und nicht besonders dunklen Sonnenuntergangs eignen, nur leider finden das die Mücken auch. Deshalb fiel der Sundowner wieder aus, wir wären sonst zum Sundowner für die halbe Mückenpopulation der Insel geworden. Der Morgen brachte dann die Besteigung des höchsten Berges und wunderbaren Wind aus sogar halbwegs segelbarer Richtung, die allerdings nicht gereicht hat, um den Fjord vor Örnsköldsvik hineinzusegeln. Der Motor ging also noch auf See an und brachte uns zuverlässig nach Örnsköldsvik, wo unsere Reise am Samstag endet.

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang

Häggvik – Mjältön

Der Tag in Häggvik endete, blieb aber nicht der einzige. Zum einen hat der Hafen eine glatte Eins verdient – sauber, freundlich, sehr guter Standard, schöne Aussicht und dabei noch verhältnismäßig günstig. Zur 1 mit Sternchen fehlten der Sauna die Bedienungsanleitung und damit leider auch saunatypische Temperaturen. Zum anderen befindet sich dort das Freiluftmuseum Mannaminne, in dem der Künstler Anders Åberg verschiedenste Dinge aus aller Welt zusammengetragen hat. Von einer norwegischen Stabkirche über ein ungarisches Bauernhaus, mehreren Straßenbahnen, einem Trabi bis zu einem schwedischen Kampfflugzeug. Man könnte dort Stunden und vermutlich Tage verbringen, ohne alle zu durchdringen. Aber uns trieb es noch nach oben zu dem vorläufigen Höhepunkt der Reise, dem Stortorget mit einer phantastischen Aussicht über die Landschaft der Höga Kustan und die Anuk. Nach einem neuerlichen erfolglosen Versuch, die Sauna zu hohen Temperaturen zu überzeugen umrundeten Wolfgang und Susanne die Insel mit dem Schlauchboot. Am nächsten Morgen fügten wir den bisher eher spärlichen Segelstunden weitere mit dem Code Zero hinzu, der uns bei zwar schwachem und wenig stetigem Wind entlang der wunderschönen Küstenlinie auf die Insel Mjältön brachte. Dort erwartete uns eine mit Holz beheizte Sauna, die aber auch unter ihren Möglichkeiten blieb. Vielleicht, aber auch nur ganz vielleicht, hing das auch mit der Bedienung des Saunaofens zusammen, so dass die Liebe zur Sauna nicht gänzlich gegenseitig blieb. Auch diese Ankerbucht bot wunderbare Landschaft kombiniert mit perfektem Schutz vor dem sowieso nicht allzu starken Wind, so dass wir gerne länger bleiben würden. Nur würde das vermutlich die nächste Crew nicht allzu sehr schätzen…  

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang

Mellanfjärden – Häggvik

Midsommar näherte sich schnell und so rasten wir dem in Aussicht genommenen Ziel Sundsvall, der nächsten größeren Stadt, entgegen. Dass wir diese nie erreichen würden war uns da noch nicht klar. Ein schöner Motortag bei Nordwind lag vor uns, die Sonne schien und am späten Nachmittag erreichten wir Galtström. Eine alte Eisenverarbeitungsfabrik, deren Kai mit Mitteln der EU zum Wohnmobilstellplatz und Anlegeplatz umgebaut wurde. Wir trafen dort auf einen Kanadier, der unsere Pläne, Midsommar in Sundsvall zu verbringen, zum Einsturz brachte – so toll sollte das nicht sein. Er musste es wissen, er kam schließlich von da und seine Frau war gerade erst für Midsommar mit dem Rennrad von Sundsvall nach Galtström gefahren. Also blieben wir auch noch den nächsten Tag. In Galtström gibt es nicht nur den alten Anleger, sondern die Eisenhütte war zu einem Freiluftmuseum umgebaut worden, mit gar nicht so kleinem Restaurant. Dort wurde Musik gespielt, getanzt und so blieben wir an Midsommar dort und schauten uns das bunte Treiben der aufgeputzten Schwedinnen und Schweden an. Mittanzen wollte dann aber doch niemand von uns. Am Nachmittag brachen wir noch mit dem Schlauchboot zum benachbarten Hafen des Svenska Kryssarklubben auf einer kleinen Insel auf, wo sich schwedische Segler aus der Umgebung zu Midsommar treffen. Ein ortsansässiger Schwede gab uns dann noch Tips für die besten Häfen und Ankerbuchten bis nach Örnsköldsvik – diese deckten sich auffällig mit unseren Plänen nach Lektüre des Hafenführers. Nach Midsommar kam dann nicht nur Wind auf, sondern dieser kam auch noch aus der richtigen Richtung, so dass wir endlich mal einen Tag bei Vorwind und angenehmen Temperaturen an den falschen Ort segeln konnten. Härnösand stand – vollkommen zu recht, wie sich herausstellte – nicht auf der Liste der empfohlenen Orte, konnte aber mit frischem Essen und frischem Brot glänzen. Das konnten die übrigen Buchten der nächsten Zeit leider nicht und unsere Vorräte gaben das auch nicht mehr her. Nicht glänzen konnten wir mit dem Anlegemanöver mit Heckboje bei stark böigem Seitenwind – nach ungefähr 7 Versuchen mit einem dreimal an der Boje gebliebenen Bojenhaken vor vielen neugierigen Zuschauern haben wir es dann doch geschafft. Ansonsten haben wir dort Astrid getroffen (siehe Foto) und so schnell wie möglich am nächsten Morgen die Flucht ergriffen. Die führte uns über die sehr schöne Bucht von Lustholmen und die ebenso schöne und geschützte Bucht von Lövvik in das in alle Richtungen geschützte Häggvik. Die einzige ungeschützte Richtung erwischte uns dann mit einem heftigen Schauer von oben. Der Tag endete mit einem längeren Besuch in der Hafensauna, die wir ganz für uns allein hatten.   

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang

Steine im Kielkasten

Die Crew (Karin, Susanne, Norbert und Bernhard) und der Skipper (Wolfgang) trafen sich zwar auf dem gleichen Weg, aber am Sonntag und Montag zu unterschiedlichen Zeiten in Hudiksvall. Susanne und Karin wurden in Stockholm Zeuginnen des 50. Hochzeitstags des schwedischen Königspaars, inklusive vieler Soldaten in Paradeuniformen und eines Konzerts. In Hudiksvall empfing uns einerseits die Anuk, andererseits aber schlechtes Wetter, so dass wir am Dienstag noch mal die Metropole erkundet und die Vorräte aufgefüllt haben. Am Mittwoch schien endlich die Sonne, Wind blies zumindest anfänglich ein bisschen und so hieß es schließlich Leinen lösen, Motor starten und Segel setzen. Bis uns nach nicht mal einer Stunde eine Kiesbank nach der ersten Halse unerwartet bremste und den Schwenkkiel nach oben schob. Anuk ließ sich ohne weiteres und ohne Schäden befreien, der Kiel blieb aber oben und ließ sich weder mit freundlichen Worten noch mit Gewalt überreden, sich wieder nach unten zu bewegen. Das wirkte sich weder besonders positiv auf die Kursstabilität noch auf die Stimmung des Skippers aus, Anuk fuhr danach eher Schlangenlinien. Nachdem auch noch der Wind auf Nord drehte und langsam einschlief, sind wir ohne weitere Ereignisse bei perfektem Wetter unter Motor an der wunderschönen Küste nach Mellanfjärden gefahren. 

Nach dem Anlegen machten sich Wolfgang und Norbert an die Ursachensuche und die Behebung. Susanne und Bernhard versuchten, mit der an einem Bootshaken befestigten GoPro und dem Dinghi Aufnahmen vom Unterwasserschiff zu machen, aber vergebens. Es ließ sich auf den doch eher grünen Videos nichts erkennen. Dafür konnten Wolfgang und Norbert von oben in den Kielkasten schauen und fanden die Ursache dann doch. Und diese überraschte uns doch sehr. Bei der unfreiwilligen Begegnung mit der Kiesbank hatten sich zwei Steine, jeder auf einer Seite, zwischen den Kiel und den Kielkasten geklemmt und jede Bewegung des Kiels verhindert. Mit Bordmitteln wurden die Steine wieder ins Wasser befördert (auf 4m Tiefe) und schon ließ sich der Kiel wieder einwandfrei bewegen. 

Daraufhin hatten wir uns unseren Anleger auch wirklich verdient. 

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang

Männer in den besten (??) Jahren suchen Harmonie und Abenteuer auf seglerischem Weg von Stockholm nach Hudiksvall

Gruß von der E2 Tour: wir sind unterwegs!

Letzter Einkauf beim ICA in Stockholm, der ICA, der so eng ist (siehe Web Bewertungen), dass wir glauben mit unseren vollen Körben in den Gängen stecken zu bleiben. Käse, Käse und frische Sachen stehen auf der Liste, ein-zwei Brote vielleicht, Frischmilch, schon ist der Einkauf beendet. Das eine Brot überlebt nicht einmal den Weg in seinen angestammten Lagerort, was die Brotsituation erneut verschärft. Mirko kündigt somit jetzt bereits das allseits befürwortete Brotbacken an.

Die Kabinensituation ist zu klären, wer schnarcht wie, wer raucht und wenn ja wieviel, wer muss viel Pippi: wir lernen dazu, was die ANUK ausmacht. Es gibt 83 Staufächer auf der ANUK, sie teilen sich in Dinge, die wir suchen, und Dinge, die wir hoffentlich nicht benötigen. Werkzeug benötigen wir natürlich sofort, Ersatzteile bewundern wir ehrfurchtsvoll in Menge und Ausführung.

Wir wollen segeln, einheitlich stürmt die Crew zum ersten Segelmanöver an den Mast, Reffs ‚raus und hoch mit den Segeln. Das klappt nur sehr mäßig, der Skipper erkennt die Vorzüge, Schwächen und Erfahrung der Crew. Lessons learned, es darf losgehen.

Es gibt viel zu sehen auf der Fahrt nach Gällnö, wie gerne wären wir doch Schweden mit gefülltem Konto und einem Häuschen samt Boot in den Schären. Doch was ist eigentlich im Winter? Träumen kann jeder, der Wind schiebt uns derweil Richtung Waxholm.

Waxhom wird ’ne enge Sache, Fähren über Fähren und ein Veteransegler (dt. Traditionssegler) vom Treffen derselben im Wasahamn, der mit seinem Wrack Sponsoren gesucht hatte. Wir kommen uns sehr nah, der ANUK-Skipper wird nervös, die Tonnen kaum zu halten, Kapitän Veterani lächelt freundlich und beschleunigt mit Motor, der mächtig qualmt, uns beschleunigt der Wind. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen also. Bremsen ist für uns keine Alternative unter Segeln und böigem Wind. An der letzten Enge stoppt ein anderes schwedisches Motorboot, dort waltet schwedische Besonnenheit, unser roter Kamikaze-Veterani rundet vor uns, dann folgen wir, danach lässt der Wind den traurigen Träumer achteraus verschwinden.

Gällnö teilen wir mit einer weiteren schwedischen Yacht und einem Motorboot. Noch keine Saison, wir verdrücken Mengen von Gnocchis und Tortellinis mit einer formidablen Gorgonzola-Sauce vom Skipper. Doch unser Koch ist natürlich Mirko, der bereits am ersten Tag einen Kartoffel-Käse-Auflauf erschaffen hat, der dem Salon ein eigenes Flair verpasst hatte. Der Skipper war zunächst im Cockpit verwundert über den Geruch, der über der ANUK lag. Doch die Lösung lag später auf unserem Gaumen und vermittelte uns, was aus wenigen Zutaten mit versierter Hand geschaffen werden kann. 10 Points an dieser Stelle, doch Restaurant-fähig schien unser Gericht nicht zu sein.

Gällnö war für Günter eine schwere Enttäuschung, da er nicht angeln durfte. Die Fische sprangen und ohne Ausrüstung schien der Urlaub nun in trister Schwermut zu versinken. Niemand verspürte den Wunsch das Festland zu betreten, die Kneipe war laut Google nur am Samstag und Sonntag zwischen 12:00 und 16:00 Uhr geöffnet, kein Burner im Sinne von „hier tanzt ein Bär“, das musste irgendwas mit der Saison zu tun haben.

Die Crew will segeln und ankern, der Skipper sucht also entsprechende Orte aus seinem Erfahrungsschatz und den Guides, aus Navily und einem Vortrag vom TO-Leiter Stockholm aus. Der nächste Tag führt uns somit nach Björkskär. In Björkskär liegen wir mit Heckleinen und 45 Meter Kette im klaren grünen Wasser des äußeren Stockholmer Schärengürtels. In zwei kleinen Etappen von rund 22 sm sind wir dem Stockholmer Rummel nun entflohen. Dass die 45 Meter Kette keine gute Idee war, lernen wir, als diese am nächsten Morgen, da schlammverklebt, mühsam mit der Pütz gereinigt werden muss. (Nachtrag: es gibt eine Deckswaschpumpe, die mit kleinem Aufwand in Betrieb genommen werden kann)

Die Nächte an Bord enden regelmäßig gegen 04:30. Längst ist die Sonne am Himmel erschienen, alle Bretter sind gesägt und ein kleiner Teil der Crew hat somit kaum oder wenig geschlafen. Für Günter haben wir nun auch das Leesegel gefunden und seine „Absturzangst“ wird sich hoffentlich in weiteren therapeutischen Gesprächen bändigen lassen. Ja, die Kabinensituation erfordert Toleranz und am besten ein intensives eigenes Schnarchen. Wer selbst schnarcht, schläft schneller ein, sagt ja auch der Volksmund. Eine erste Konvertierung in die Glaubensgemeinschaft der Schnarcher erfolgte bereit. Das Verhältnis 3:2 ist nun auf 4:1 gesunken. Es ist klar, auch Bernd M. wird noch sein Brett (Bau-Projekt) finden.

Erste aggressive Mücken umschwirren uns im Salon, Skipper überrascht eine Bestie mit erbarmungslosem Handschlag, dieselbe färbt sich leider menschenblutrot. Günter kann mit seinem in unzähligen Outdoor-Expeditionen erprobten Spezialgerät sofort die Eiweißstrukturen, die für den Juckreiz verantwortlich sind, mittels Hitze zerstören. Die Mücken des Nordens sind also gewarnt, doch  Skipper fragt sich, was noch alles in seinem Körper zerstört wurde.

Wir brauchen weitere Frischmilch, ein guter Grund nach Redlöga zu fahren, dort lockt laut Navily das Symbol eines Einkaufswagens. Doch in Rodlöga beginnt die Saison am 16.6.26 und die Hinweisschilder am Anschlagbrett sind von 2025. Die Frischmilchlage entwickelt sich also prekärer. Skipper überrascht auf der ausgestorbenen Insel eine Hirschkuh auf der Suche nach einem willigen Paarungspartner (Blödsinn), oder war es ein Rentier, das auf einer Eisscholle hier gestrandet ist? Die übrige Crew jedenfalls bezweifelt dies einhellig, dabei hat doch der Skipper immer recht. Eine Regenfront wird am Donnerstag den Nachmittag in Mittelschweden versauen und wir benötigen weiterhin dringend Frischmilch. Somit darf nun ein Hafen angelaufen werden, obwohl die Crew ja eigentlich nur Segeln und Ankern möchte. Somit muss nun Norrtäjle herhalten für einen Aufenthalt am Steg. Duschen sind auch ein guter Grund für eine Hafenstop. Unsere Starterbatterie wird beim Segeln nicht geladen, Motorstunden haben wir bisher 3,3 geschafft und die Motivation der Crew liegt eindeutig darauf, diesen Wert nicht wesentlich zu steigern. Landstrom von den schwedischen Atomis ist somit auch sehr willkommen.

Der Fjord bis Norrtälje ist über 10 Seemeilen lang und begleitet uns mit kräftigen Böen bis 18 Knoten Wind sowie völliger Windstille, in denen uns die 16 Tonnen der ANUK ausreichend Restfahrt ermöglichen, um danach erneut in einer Bö auf der Backe zu liegen. Der Hafen ist noch nicht in Betrieb, der Code ist wirkungslos, das Restaurant nebenan gibt uns einen anderen Code, der aber am nächsten Tag auch schon nicht mehr funktioniert, das Restaurant ist geschlossen, keiner erreichbar (muss was mit der Saison zu tun haben). Wir ergänzen Vorräte, laden die Batterien und haken Norrtälje als nicht wert für zusätzliche 20 Seemeilen ab. Per Dockspot drücken wir 200 SEK ab inkl. Strom, wäre aber auch ohne gegangen.

Arholma lockt, wieder segeln bis an den Liegeplatz mit Heckanker. 4 Schweden sind dabei die Sauna aufzuheizen, 2 Schweizer Segler haben dieselbe zwischen 17.00 und 18:00 gebucht, wir sind bei beiden Sitzungen eingeladen. Punktlandung am schönsten Ort auf Arholma, wie Harald vom TO Stützpunt Stockholm empfahl. Derweil das Brot sich im Ofen entwickelt ist bereits der Teig für einen Marmorkuchen zubereitet. Halbzeit unserer Reise steht an, wir geben uns alle Mühe.

Arholma hält uns einen ganzen weiteren Tag fest umschlungen. Es regnet aus Eimern, wir belaufen trotzdem die Insel mit Regenschirm und Ölzeug. Am Nachmittag klart es auf, nur um dann nach einigen Stunden noch ein weiteres Mal mit Sturzbächen seine Naturgewalt zu zeigen. Die jungen Schweden sind auch wieder da, haben die Sauna gemietet und Skipper kann in derselbigen seine Stories loswerden. 4 Ärzte aus Uppsala, wenn die nicht mal Studenten waren. Das Ostseewasser hat hier 13 Grad und schmeckt ziemlich süß. Die Ärzte meinen, es würde von dem Verzehr der Fische abgeraten werden, durch den hohen Quecksilber-Gehalt, ein Schild mahnte bereits das Fischfangverbot von April bis 15. Juni an, alles schlechte Nachrichten für Günter. Skipper fragt sich, warum Quecksilber süß schmeckt.

Sonntag sausen wir mit blauem Himmel und bis zu 5 Windstärken aus Südwest nach Öregrund. Ein netter Ort mit alten Holzhäusern und Restaurant. Wir bestellen alle Fisch und bekommen, ja, was genau? eingepackt in einen fettigen Bierteig. Kommt leider nicht an den Backfisch auf der Kieler Woche ‚ran, moniert der Kieler Teil der Crew. Von der Hafenmeisterin lernen wir: in Schweden fragt man am Morgen: „Wie hast Du geschlafen“? Das erwähnte schlafverhindernde Verhältnis ist stabil bei 4:1, keine weiteren Bauprojekte nachts.

Öregrund können wir uneingeschränkt (dies muss im Verhältnis zu den Alternativen gesehen werden) empfehlen, eine schöne Wanderung in Pinienwäldern ist möglich und sehr alte Holzhäuser bieten sich als Fotomotiv an. Und es muss ja nicht immer gleich Fisch sein im Restaurant.

Skipper lässt sich den Sonnenuntergang um 22:06 nicht entgehen und ist beeindruckt wir lange die Sonne braucht zu verschwinden. Kein Vergleich zu einem Sonnenuntergang in der Karibik, wie schön kann Natur eben sein!

Nun wird es schwachwindig und nach Sikjälma wird der Motor zeitweise bemüht. Dann, in der Enge zwischen Västerkian und Känningen, ein kieloben treibendes rotes Kajak. Der Skipper ruft den maritimen Notstand aus, die Crew ist hellwach und unentschlossen in trauriger Stille angesichts der Tragödie und andererseits freudiger Erregung angesichts des Besitzes eines roten Kajaks für spätere Erkundungen. Erste Stimmen mahnen einen Mayday Ruf an, Skipper beschließt in die Nähe des Objektes zu manövrieren für bessere „Inaugenscheinnahme“. Werden wir eine Seeleiche bergen müssen? Skipper antwortet, nein, in dem Fall rufen wir dann um Hilfe. Fachliches Halbwissen zu aufgeblasenen Wasserleichen und deren gefürchteten Explosionen, ob Timmy oder nicht, werden kommuniziert. Da das Kajak ja verkauft werden und der Erlös in die Kasse der ANUK fließen kann, sind die Jäger und Sammler der ANUK nun kurz davor das Dinghi zu wassern. Der Skipper fordert weitere Bildnachweise, denen mit einem zweiten Fernglas Folge geleistet wird. Bei genauerer Beobachtung durch die Ferngläser gleicht das Rot des Kajaks zunehmend dem einer roten Fahrwassertonne, die für alle überraschend platt auf dem Wasser liegt. ANUK dreht erleichtert aber auch enttäuscht ab. Wäre ja auch ne dolle Story geworden, vom finanziellen Reichtum mal abgesehen.

Sikjälma ist ausgestorben, wie bereits erwähnt, diese Sache mit dem Saisonstart hier oben. Erster Versuch mit eine Heckboje zweifelhaften Aussehens wird in Folge einer fetten Böenwalze und heftigen Fallwinden gegen einen Ankerplatz mit ausreichend Schwoi-Radius eingetauscht. Nach dem Durchzug der Front ist das Wetter bis zum Morgen so ruhig, dass auch diese wursthafte Boje gehalten hätte. Das Dinghi wird nun für die Landeroberung gewassert. Die Sauna kostet 100 SEK, kann aber nur mit SWISH bezahlt werden. Später gibt es Weißkohl in Kokossauce mit Kartoffeln, Süßkartoffeln, Nachtisch mit Creme Fraiche und Nüssen und anschließend Hosenwind. Jo öffnet daraufhin die Flasche 700 ml RE:FORM-Kräuter-Likör mit 35 U/min, die dank der Gewürze, wie u.a. Pappelknospe und Lorbeerblatt, das innere Gleichgewicht wieder einigermaßen auspendelt und das Hosenwind-Hoch neutralisiert (Fachleute sprechen hier von vakuumisieren).

Nach ruhiger Nacht zieht es uns wieder hinaus, leider in pottendicken Nebel. Das Nebelsignal wird aktiviert, das Radar gestartet. Schon sind wir auf Kollisionskurs mit einem, der nicht tutet und ohne AIS fährt. Wir „erlernen“ mal eben das Radar. Er kommt von rechts, wir reduzieren den Speed, weiter geht es. Nun kommt segelbarer Wind, mit Segeln stimmt das Schallsignal nicht mehr. Jo drückt das Signal an der Box für Segelboote im Nebel, lang-kurz-kurz, und siehe da, die Box wiederholt das Signal automatisch. Hammer, Jo ist wieder begeistert, welch großartige Technik sich an Bord der ANUK befindet. Nun wird die Sicht besser, Jo will das Signal abstellen, das geht aber nicht. Da meint Mirko, man müsse Bernd P. über Bord werfen. Jo steht auf dem Schlauch, am Ende wurde Jo ziemlich verladen, indem Bernd draußen immer die Signaltaste entsprechend gedrückt hatte. Schön verladen, gutes Zeichen für die Crew.

Wir erreichen Skatön nach schöner Backstagsbrise. Eine SXK-Boje bietet sich an, später hören wir, die sind nur für bis zu 8 Tonnen ausgelegt. Es bleibt ruhig die Nacht, doch die Insel bietet rein gar nix.

So auch Innerstön mit der Bucht Fläsvik, die wir für das ursprüngliche Ziel Ajön eintauschen. Ajön hätte noch eine Sauna bieten können, doch der Ankerplatz war etwas unruhig und die Crew somit verunsichert. In Fläsvik ist, außer einem harten Unwetter, welches ein größeres Stück des Waldes flach gelegt hat, nix eingefallen. Uns fällt auch nix zu diesem Flecken ein. Ein Holländer liegt an einer der beiden blauen SXK-Boje, wir bevorzugen den Anker. (ANUKchen bringt es auf 16 Tonnen) Ein schwedisches Paar übernachtet in ihrem kleinen Motorboot an einem kleinen Steg ohne Wassertiefe. Wir vertiefen uns lieber wieder in UNO.

Die letzten 13 Seemeilen nach Hudiksvall sind schnell gesegelt, der Rückenwind hat uns die 2 Wochen nie wirklich im Stich gelassen. Der mega-sympathische Hafenmeister Lasse lässt uns parallel an einen Steg, das erleichtert die folgende Tage. Wir waschen und säubern. Am Freitag gibt es ein letztes Mal gemeinsames Essen im Restaurant. Am Samstag geht’s nach Stockholm und von dort im Nachtzug nach Hamburg.

Ende gut alles gut. Es ist der 12.6.2026, 17:07, die Sonne scheint wieder, wir wünschen allen Folgecrew Fair Winds und die Handbreit. (Text by JO)

Jo, Bernd P., Mirko, Bernd M., Günter

E2, Stockholm-Hudiksvall, 253 Seemeilen in 2 Wochen

„Hoffentlich hamwa alles…“

Orth — Stockholm
Skipperin: Astrid
Crew: Jo, Johannes, Christian, Bernd, Betty

Nach zahlreichen Arbeitseinsätzen, komplexen Crewplanungen, langen To-Do- und Einkaufslisten entschied sich Nanni noch kurz vor Törnstart für eine neue Dämpferplatte. Eine Recherche ergab, dass es auf konventionellem Weg bis zu zwei Wochen dauern kann, bis das Teil eintreffen würde. Mit Hilfe von einer Freundin von Mike, die spontan mit einer Dämpferplatte von London nach Amsterdam reiste und Mike, der das wertvolle Stück dort in Empfang nahm, wurde das Transportproblem gelöst. Wenige Stunden später begannen dann Uli, Christian und Jo den zerlegten Motor wieder zusammenzubauen, samt nagelneuer Dämpferplatte. Kopfüber im Motorraum, in einigermaßen akrobatischer Haltung wurde gebastelt, bis dann am Abend endlich wieder der satte Klang des alten Nanni erschallte. Währenddessen kümmerten sich die anderen Crewmitglieder um den restlichen Einkauf, bunkerten Diesel und Trinkwasser. Das entspannte Abendessen im Garten des Cafés die Villa nutzen wir für Wacheinteilung und Absprachen für den kommenden Tag.

Sonntag, gegen 8.45 Uhr legte die ANUK in Orth ab. Mike und Uli begleiteten uns noch ein Stück auf der Tai Chi. Nach kurzem Bangen, ob der Mast auch wirklich nicht an den neuen Gerüsten der Fehmarnsundbrücke hängen bleiben würde, segelten wir unter Genua und Groß bei 3-4 Bft. auf die offene Ostsee. Wind und Wetter waren uns hold. Zur Sicherheit wurde noch mit Rasmus ein Schluck Rum geteilt. Und bisher hat uns Rasmus nicht im Stich gelassen.

Die Vorhersage-Modelle waren sich zwar alle nicht einig, aber für die Überfahrt hatten wir gütigen West bis Nordwest, in schwankender Stärke. Beste Bedingungen, um gleich ein paar Manöver zu üben, wie z.B. Ein -und Ausreffen. Diejenigen, die schon öfter auf der ANUK waren, kramten in ihrer Erinnerung, andere teilten ihre reiche Erfahrung und gemeinsam kamen wir nach kurzem Üben mit Astrids Hinweisen zu einem ganz ansehnlichen Ergebnis.

In den folgenden Stunden hatten wir Zeit uns kennenzulernen. Denn obwohl unsere Wacheinteilung immer zwei an Deck und für den Rest Freiwache bzw. Standby vorsahen, saßen wir erstaunlich oft zusammen in der Plicht und plauderten. Schnell waren dann auch die jeweils vierstündigen Wachen um.

Die erwähnte Uneinigkeit der Wettermodelle führte dann auch zu regelmäßigen Trimm- und Segelmanövern. Wir fanden u.a. heraus, dass die Kombination 50% Genua und Fock mit zweifach gerefften Groß eine sehr stabile Kombi ist, um bei 15-20 kn am Wind zu segeln. Bei Böen von 30 kn funktioniert das Ganze mit 25% Genua genauso gut. Neben ein paar kurzen Flautenlöchern erfreuten wir uns an kräftigem West bis Nordwest, der uns mit bis zu 8 kn Fahrt über die Ostsee blies. Die kurzen steilen Wellen machten einigen von uns etwas zu schaffen, aber so richtig seekrank wurde zum Glück niemand. Nur der Schlaf war etwas getrübt durch das unregelmäßige Aufstampfen der ANUK. Anekdoten aus der Kotzfibel trieben uns später die Lachtränen in die Augen.

Mittwoch gegen 15 Uhr erreichten wir den Ankerplatz an der Insel Huvudholmen südöstlich von Stockholm. Auch wenn der Nordwind mitunter kalt hier in die Bucht bläst, haben wir entschieden, hier zu bleiben. Nach einem Bad am Heck nebst warmer Open Air Dusche machte sich die Crew an verschiedene kleine Aufgaben: diverse kleine Reparaturen, kochen, Stauliste vervollständigen. Es wartet ein sonniger Abend und vor allem eine hoffentlich durchschlafene Nacht auf uns.

Durch die Schären nähern wir uns Stockholm. Immer dichter mit immer urbaneren Häusern sind die Ufer besiedelt. Der Schiffsverkehr nimmt zu. Sollen wir nicht besser den Hafen anfunken? Was, wenn wir keinen Platz kriegen? Nachdem wir uns längsseits an die Pier des Wasa-Hafens legen, gibt uns die sehr entspannte Hafenmeisterin die Antwort: sucht Euch einen Platz aus!

Ganz in Ruhe besprechen wir das Ablegemanöver, diskutieren verschiedene Möglichkeiten, bei leicht auflandigem Wind von der Pier wegzukommen: geschickt eine drehende Bö nutzen? Vom Steg den Bug durch den Wind drücken? Oder doch lieber eindampfen in die Achterspring? Auch hier hat Rasmus ein gütiges Auge auf uns: im richtigen Moment dreht der Wind. Nun muss in eine Box mit starkem Seitenwind angelegt werden. Auch das haben wir vor dem Ablegen ausführlich erörtert, schließlich haben wir keinen Zeitdruck. Und entsprechend klappt es dann auch ganz geschmeidig. Christian am Steuer ist zufrieden.

Stockholm empfängt uns mit Sonne, milden Temperaturen und vielen aufgekratzten Menschen. Es ist Ende Mai, der Sommer in Sicht. Alle scheinen den langen dunklen Winter abzuschütteln mit Musik, glitzernden Kleidern, Drinks und Gelächter. Am Liegeplatz saugen wir die Atmosphäre auf, bevor wir uns wieder ans Arbeiten machen. Die gute ANUK hat noch ein paar Wünsche, bevor sie unter Skipper Jo weitersegeln will. Also wird an der Genua geflickt, die Hydraulik entlüftet, der Motor nochmals gecheckt und dabei ein Riesenstapel Bedienungsanleitungen durchforstet.

Bei Rotwein in der Abendsonne beobachten wir eine elegante Holzyacht nach der anderen: es ist Bootsveteranentreff. Also werden historische Schönheiten von nah und fern in den Wasa-Hafen geschippert, unter Segeln oder Motor. Manche glänzend von herrlich gepflegtem Holz, manche schon etwas mehr von Erfahrung gezeichnet – aber jede ein Schmuckstück.

Wir nutzen das Beisammensein in der Plicht auch zum Austausch. Ein schönes Ritual: reih um erzählen wir uns, wie der erste Eindruck voneinander war und wie der sich im Laufe der Woche verändert hat. Natürlich schweifen wir immer wieder in vergnügliche Anekdoten ab. Am Ende sind wir uns einig: wir haben uns gut miteinander eingeruckelt, Schwierigkeiten gemeistert, voneinander gelernt und vor allem: viel miteinander gelacht.

Text: Betty

Von Dunkerque nach Orth-die letzte Etappe

Am Samstag, den 20.9.25 findet der letzte Crewwechsel statt. Uta, Holger, Helga und Gerda kommen ohne Stau mit dem Auto in Dunkerque an und übergeben das Fahrzeug der alten Crew, die sich freut, damit zurückfahren zu dürfen. Praktisch auch, dass Jörg uns noch beim Einkaufen hilft und den Audi sicher durch die Stadt steuert.

Am Sonntag und Montag wettern wir erst mal ab. Museumsbesuche in Dunkerque sind angesagt. Im Kunstmuseum haben sich für einen guten Zweck Künstler und sozial Benachteiligte zusammengefunden und extravagante Kleidung aus Stoffen, Drähten und Plastik erschaffen. Uli und Gerda unterstützen das Sozialprojekt kräftig. 

Das Mémorial du Souvenir informiert uns über die Einkesselung Dunkerque im 2. Weltkrieg. Hier schafften es im Jahr 1940 die Alliierten 460.000 Soldaten per Schiffe nach England zu evakuieren. (Operation Dynamo).

Am Montag fahren wir mit der Bahn nach Bergues, bekannt durch den Film „Willkommen bei den Schti’s“. Unter anderem besichtigen wir den Belfried und bewundern das Carillon (Turmglockenspiel). Abends schauen wir alle den Film, den Gerda vorsorglich bei Prime gekauft hat( danke Jakob!) und freuen uns über viele einzelne Sehenswürdigkeiten aus dem Ort.

Am Dienstag geht es endlich los mit Wellengang und Gegenwind, Kreuzen ist angesagt und manch einem(r)  wird Seekrankheit ein Begriff. Dennoch legen wir eine Tag- und Nachtfahrt zurück bis Scheveningen. Dort fahren Helga und Gerda nach Den Haag um den Königspalast Noordeinde, die schönen Einkaufsstraßen und das meistfotografierte Gebäude, den Friedenspalast zu besichtigen. Der Friedenspalast ist der Sitz des Internationalen Gerichtshofes.

Dann, es ist schon Freitag, segeln wir weiter bis Borkum. Erneut eine Tag- und Nachtfahrt. Helga verlässt uns leider am Sonntagmittag, fährt mit der Fähre nach Emden und per Zug weiter nach Lübeck. Schade, Helga, dass du nicht bleiben konntest, aber schön, dass du die eine Woche bei uns warst.

Borkum begrüßte uns mit schönem Wetter und begeistert uns mit seinem schönen Strand, abseits gelegenen Ruhebänken und dem Feuerschiff ´Borkum Riff`, dessen Besuch sich für Technikinteressierte lohnt.

Nun aber geht es wieder weiter. Über Nacht von Sonntag auf Montag segeln wir nach Helgoland. Beeindruckend sind die Lichter der vielen Schiffe, die auf Reede liegen und auf Einlass nach Bremerhaven, Wilhelmshaven und Hamburg warten. Während dieser Nachtfahrt „verkurzweiligt“ sich die wachhabende Crew mit der Erkennung der sich in Fahrt befindlichen Fahrzeuge durch ihre Lichterführung. Die Crew bemerkt einen Schimmer hinter dem Horizont und rätselt lange darüber, ob es nicht schon der Leuchtturm Helgoland sei. Die Captain klärt mit einem kurzen trockenen Hinweis “Kennung 5 Sekunden Flash“ die Situation. Wir segeln ein Stück weit mit halbem Wind. Helgoland morgens und abends ohne die mit Fähren und Schnellfähren ankommenden Tagestouristen ist wunderbar.

Uta und Gerda versorgen sich mit Geschenken und unterstützen den Einzelhandel der Insel. An dieser Stelle muss unbedingt erwähnt werden, dass Uta am Mittwoch, den 24. September zum ersten Mal Oma wurde. Dieses großartige Ereignis wurde natürlich in Scheveningen auf der Anuk mit dem allerbesten Sekt gefeiert. Auf Richard! Die Giraffe von Steiff, die Uta auf Helgoland erstanden hat, wird bestimmt sein Lieblingskuscheltier.

Auf Helgoland treffen wir Marlene und Bert von der Heimkehr. Wir gehen zweimal mit ihnen essen (bester Fisch und beste Pizza). Außerdem dürfen wir noch die Heimkehr besichtigen. Ein tolles beeindruckendes Schiff (6 Jahre jedes Wochenende restauriert, unglaubliche Leistung!)

Weiter geht’s nach Brunsbüttel. Wieder ist kreuzen angesagt und in der Elbmündung müssen wir noch den Motor anwerfen. Vor der Schleuse warten wir 2,5 Stunden. Nur Uli friert nicht und schafft es auch noch nach 14 Stunden Fahrt, eine Möhrenkokosingwersuppe zu kochen, zu der wir noch Elke, Gerda Freundin aus Brunsbüttel einladen, die unweit der kleinen Schleuse wohnt und uns auf der ANUK besucht.

Kurz nach Mitternacht fallen wir müde in die Kojen. Um sieben Uhr sind wir schon wieder auf dem NO-Kanal bei Traumwetter, aber ohne Wind unterwegs und außer Sportbooten ist nicht viel los. Wir fühlen uns wie Senioren auf einem Ausflugsdampfer. Nur Uli lässt sich nicht von der Geschäftsidee eines Heizdeckenverkaufs bei Kaffee und Kuchen an Bord überzeugen. Beim Anlegen an der Pier macht Gerda einen lebhaften Kniefall und begrüßt freudig unsere Ankunft in Kiel. Das Schleusen geht hier schneller vonstatten und wir können uns in der Wartezeit in der Sonne bruzeln.

In der Kieler Förde werden wir plötzlich von Michael auf seiner Schamu freudig begrüßt und mit Ehrengeleit in die Marina Wendtorf begleitet. 

Tom und Sabine, Janine und Jörg, die in der Marina ihre Boote liegen haben, kommen am späten Abend auf der ANUK dazu. Was für ein toller Empfang. Wir und vor allem Uli genießen den lustigen Abend. Die Captain ist völlig relaxt und Michael konstatiert: „Du bist ja völlig tiefenentspannt. Das kennt deine Crew gar nicht“.

Am letzten Tag (Freitag) haben wir alle zusammen ein köstliches Frühstück an Bord. Tom bringt leckere Brötchen mit. Wie gut, dass die Captain auf die Zeit achtet und wir pünktlich um 11 Uhr ablegen. Bei bestem Segelwetter mit Südostwind und strahlendem Sonnenschein wechseln wir uns bei 8-9 Knoten mit steuern ab. (heute mal kein Autopilot!). Uta und Gerda singen für den Steuermann Holger abwechselnd Lieblingssongs aus vergangener Zeit. Man bedenke unser Alter. Die Captain flüchtet in den Salon.

Ankunft in Orth um 18:15 Uhr. Das Anlegemanöver ist perfekt…

Wie schön, dass wir rechtzeitig vor dem großen Sturm in Orth sind dank der perfekten Törnplanung der Captain. XXXXXXXXXXX

Fazit:

Eine wunderbare Zeit. Erholsam. Lehrreich. Segelkentnisse werden erworben bzw. aufgefrischt. Tolle harmonische Crew. Lustige Stimmung an Bord. Niemand fiel ins Wasser und alle Handys blieben trocken. Allerbeste Captain. Leckeres Essen. Seniorenbetreuung (Handysuchen, Kühlelementeverteilung). Akribische und liebevolle Seekrankenpflege durch die Captain. Bewundernswert ist die unglaubliche Geduld mit der doch etwas dilettantischen, aber sehr engagierten und lernfähigen Crew.

DANKE ULI !

Text: Gerda, Uta und Holger

Abschied von England und die Fahrt über den Ärmelkanal

Tagesauftakt am Samstag, den 13. September mit muntermachendem Schwimmen, Algenernte und anschließendem Start in Richtung Solent. Kein Ort, sondern eine Meerenge, gelegen zwischen der Südküste Englands und der Isle of Wight, gekennzeichnet durch extreme Strömungsverhältnisse und wahrscheinlich dadurch bedingt ein beliebtes Segelrevier. Entsprechend geraten wir auch in eine Regatta und die ehrgeizigen Manöver dicht um uns herum sind spannend anzusehen. 

Schöner Service: Am Steg der Marina in Cowes nehmen Marlene und Bert, alte Freunde von Uli und ebenfalls engagierte Mitglieder des Trans Ocean die Leinen an.

Die Wetterverhältnisse machen die baldige Weiterfahrt unmöglich, so dass wir die beiden folgenden Tage auf der reizvollen Insel verbringen, heutzutage beliebtes Ferienziel der Briten. 

Zu Urzeiten mit dem Festland verbunden (was sich mit ein wenig Fantasie bei Betrachtung des Satellitenbildes nachvollziehen lässt), mit nachgewiesenen Besiedelungsspuren seit der Jungsteinzeit blickt auch dieser Flecken Erde auf eine bewegte, von Angriff und Verteidigung geprägte Vergangenheit zurück. Kelten, Römer, Jüten, Westsachsen, Wikinger und Franzosen haben ihre Spuren hinterlassen. Andere Lebensbedingungen als die, mit denen wir es heute zu tun haben, wir dürfen also schauen und schlendern, genießen und ausruhen.

Wenn passionierte Segler auf passionierte Segler treffen gibt es regen Austausch; mit Marlene und Bert treffen wir auf ein Paar, das in mühevoller 6-jähriger Arbeit ein ausgebranntes Schiff restauriert und für ihr Traumziel „Auf den Weltmeeren unterwegs“ ausgerüstet hat (Merke: Wer nicht anfängt, wird nicht fertig). Sonntag also Schiffsbesichtigung der HEIMKEHR mit anschließendem fast 4-stündigem! (Tee-)Klatsch, abends gemeinsames Essen im Duke of York

Stimmung an Bord?

Die Crew hat sich nach der ersten Woche zusammengefunden. Das Zusammensein mit den beim ersten Aufeinandertreffen einander nicht oder teilweise nicht bekannten Personen ist vertrauter geworden. Hinzu kommt, dass sich die ersten, seegangsbedingten Unannehmlichkeiten und das damit verbundene körperliche Unwohlsein der ersten Woche gelegt haben. Das Thema „Wie sieht der richtige Umgang mit Seekrankheit aus? ist ad acta gelegt und wir beschließen, dass es dabei bleiben soll.

Der Umgang mit dem Schiff, An- und Ablegemanöver, das Kümmern um Ordnung, das Einkaufen, die Essenzubereitung mit anschließendem Abwasch erfolgt solidarisch. Tabuthema bleibt das Anzünden des Ofens, das lässt sich unsere Captain nicht aus der Hand nehmen; und sie bleibt eisern. (Anmerkung Uli: einzige Ansage war, es gibt eine Einweisung und Freigabe ;-)) Vorteilhaft insofern, als dass die Crew sich auf den allmorgendlich von ihr zubereiteten Kaffee freuen kann. 

Lediglich mit der Toilettenkartendisziplin scheint es doch immer wieder mal zu hapern, wie von Uli kürzlich angemerkt (am Ende liegen sie dann doch wieder in voller Anzahl auf dem Kartentisch). 

Am Dienstag, den 16. September ist es soweit: Pünktlich um 11:30 Uhr brechen wir bei einsetzender Ebbe zur Überfahrt nach Frankreich auf. Vorher selbstverständlich Wacheinteilung im 4-Stundenrhytmus und Zuweisung der Notrollen. Die Genua wird gesetzt, bei West-Südwestwind Stärke 5 bis 6 brauchen wir ca. 22 Stunden um den Ärmelkanal zu überqueren und am Mittwoch, den 17. September gegen 10:00 Uhr morgens müde, aber erleichtert in der Marina von Boulogne sur Mer einzulaufen. 

Müdigkeit trifft auf alle zu, erleichtert sind diejenigen Crewteilnehmer, die der Überfahrt mit nächtlichen Segeln mangels Erfahrung oder aus anderen Gründen mit gemischten Gefühlen entgegengesehen haben. Aber wieder einmal gilt: Was angegangen wird, kann bewältigt werden und so lautet das abschließende Fazit dann auch: Gute Erfahrung, (das Wissen zu Positionslampen könnte aufgefrischt werden!). Tatsache bleibt, dass der kurze Wechsel zwischen Wache und Ruhephase anstrengend ist. Neues Thema also: Schlafmanagement (nicht nur beim Segeln!). Hervorzuheben ist, dass unsere Skipperin im Dauereinsatz war. Kurz mal zwischendurch hingelegt, aber jederzeit ansprechbar und immer wieder einfach da, um zu unterstützen oder das Notwendige zu tun. Danke Uli.

Wir verbringen zwei schöne Tage in Boulogne sur Mer. Hinter der industriell anmutenden Hafenanlage mit den sie umstehenden plattenbauartigen Wohngebäuden entdecken wir die schöne Altstadt, besuchen das beeindruckende Nautilaa, erstehen frischen Fisch, Gemüse, Käse und Baguette und – wie sollte es auch anders sein auf dieser Törnetappe – schlemmen uns wieder einmal genussvoll durch. 

Text: Susanne

Englische Südküste

Von Plymouth aus geht es am Sonntag, den 8. September weiter. Bernd und Bernhard haben das Boot verlassen, hinzugekommen sind am Vorabend Janine und Jörg sowie Mirko und Susanne.

Nach Einweisung und Sicherheitsbelehrung legen wir am Mittag ab, erreichen das Städtchen Salcombe, das geschützt in einer Art Flussmündung liegt. Hier kann an Moorings oder schwimmenden Plattformen geankert werden – wir bekommen einen ruhigen Ankerplatz an einer Plattform zugewiesen. 

Schwimmen? Alle sind sich einig, allerdings sind hier die Widrigkeiten der bei Ebbe und Flut einsetzenden Strömung zu berücksichtigen. Sicherheitshalber wird eine Boje mit Halteleine ausgelegt und die Mutigen trauen sich ins gefühlt 17 ? Grad kalte Wasser.

Am Montag, den 8. September geht es dann nach einem gemütlichen Frühstück weiter und wir kommen noch früh am Tag in Dartmouth an.

Erhöhte Aufmerksamkeit unserer Captain dem Dieselfilter gegenüber hatten schon auf der Hinfahrt nach Dartmouth ahnen lassen, dass Größeres bevorsteht – und tatsächlich! Nachdem sich herausgestellt hat, dass Wassergehalt und eine durch Organik hervorgerufene Trübung das Vorhandensein von Dieselpest vermuten lässt, wird der Tank in Augenschein genommen. Schleimartige Ablagerungen werden erfühlt und die Entscheidung fällt:

Am Dienstag (9. September) darf die Crew sich auf Landgang begeben, derweil Uli sich daran macht, den Tank zu reinigen. Vorher hatte die ANUK zwecks Abpumpens des Inhalts die Flusseite gewechselt. Die in Dartmouth herumspazierenden Crewmitglieder wurden später mit dem Dinghy abgeholt. 

Tankreinigung ist ein aufwendiges Unterfangen, aber das zufriedene Lächeln einer am Abend dann doch etwas verdreckt aussehenden Captain lässt alle Mühen vergessen. Selbstverständlich wird auch noch der Filter ausgewechselt und die Fahrt kann mit einem guten Gefühl fortgesetzt werden.

Wir Landgänger erlaufen das mediterran anmutende und auch geschichtsträchtige Städtchen. Beim Anblick der Fachwerkhäuser aus dem 16. Jhdt. verlangsamt sich der Schritt wie von selbst. Die Auswirkungen des warmen Golfstromwassers und der atlantischen Westwinde sind auch hier unübersehbar, denn Palmen, Gummibäume und Araukarien fühlen sich augenscheinlich wohl. Die Früchte der Passionsblumen leuchten die Betrachter freundlich an und überall in den engen und verwinkelten Gassen der Stadt sind liebevoll gepflegte Pflanzenarrangements zu sehen.

Kleiner Ausflug in die Vergangenheit (auf dem Boot wird ja noch gearbeitet): Die Mündung des Dart bot ideale Voraussetzungen um Angriffe der Franzosen und später der Spanier abzuwehren. Bereits bei der Einfahrt ist das auf einem Felsvorsprung erbaute imposante Dartmouth Castle auszumachen. Mittels eines auf der anderen Flusseite gelegenen Wehrturms konnte eine Eisenkette gespannt werden und die abgebremste Weiterfahrt ermöglichte den erfolgreichen Einsatz der im Dartmouth Castle positionierten Kanonen. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass im zweiten Weltkrieg von hier etliche Schiffe zur Landung in der Normandie ausgelaufen sind.

Die für den nächsten Tag (Mittwoch, 10. September) angesetzte frühe Weiterfahrt verzögerte sich bedingt dadurch, dass das erste Tankschiff geschlossen war und ein zweites gefunden werden musste. Erst gegen 11.30 Uhr konnten wir aufbrechen. Teils starke Strömung (quer und von achtern), Wind und Regen prägten die 11stündige Fahrt nach Weymouth. Schön, aber auch anstrengend und dementsprechend war die Erleichterung groß, als wir gegen 22.30 Uhr endlich in der Hafenanlage anlegen konnten.

Wieder sind wir in einem der beliebten Badeorte gelandet, der sich durch einen feinen Sandstrand auszeichnet und trotz des Regens zum Schwimmen einlädt. Sehenswerte, an der Promenade gelegenen georgianische Häuser und der malerische, von Krabbenkuttern belegte Hafen laden zum Verweilen ein. Wir erledigen notwendige Einkäufe, erstehen Cod (Dorsch) und Monk (Seeteufel), außerdem Tauwerk, da auf der bewegten Fahrt nach Weymouth auch noch eine Reffleine gerissen war. Letzteres führte dann am nächsten Morgen nach einem gemütlichen Frühstück zu ihrer Erneuerung, zum Glück bei Sonnenschein. 

Wir haben Freitag, den 12. September, der freundliche Tag hat uns in entspannter ca. 4stündiger Fahrt an das Ende des 155 Kilometer langen Küstenstreifens geführt, der von der UESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Unser Ankerplatz befindet sich an der Halbinsel Isle of Purbeck, in Sichtweite der Old Harry Rocks, zwei imposanten, aus dem Meer herausragenden Kreidesäulen. Auch hier eine Gegend, die ebenso wie die bisher angelaufenen Hafenstädte, ganz sicher interessant für eine Erkundung auf Land ist. 

Da wir früh angekommen sind, war Zeit zum Entspannen und am Abend dann Unterricht im Spleißen.

Text: Susanne