Algarve – Ilha da Culatra – Entschleunigung pur

Die Capitain hat ihre Dramaturgie durchgeplant. Sie beginnt mit einer Nacht in der Marina Vilamoura, einer der größten und luxuriösesten Marinas in Portugal. Umgeben von Hotel- und Appartementanlagen liegt ANUK zwischen sehr großen und großen Motoryachten. Die Winterpreise sind angenehm reduziert (27 € für eine Nacht) und es ist ruhig und leer. Gruselig ist es trotzdem, wir können uns gut vorstellen, was hier im Sommer los ist.

Positiv hier sind einzig die warmen Duschen mit dickem Wasserstrahl.

Am nächsten Morgen flüchten wir und kommen kurz vor Hochwasser an der Barra Nova an, der Einfahrt in das Flussdelta vor Faro. Der Revierführer gibt bei Springtide bis zu 7 kn Ebbstrom an, wir rauschen mit rund 3 kn Mittstrom durch die Barra, am Leuchtturm der Insel Ilha da Culatra vorbei. NW des Fähranlegers der Ortschaft Aldeia fällt der Anker. Capitain Uli wollte unbedingt hierher, mit LUNA war sie vor 19 Jahren schon einmal hier und hat den Ort in guter Erinnerung. Inke und Wilfried geht es ähnlich, sie sind gespannt, ob sie ihre Unterkunft des Besuches vor 30 Jahren noch wiedererkennen.

Im Gegensatz zu Alvor ist hier reichlich Platz zum Ankern, der Außenborder wird nach 3 Monaten Pause wieder in Betrieb genommen.

Die Crew kommt vom ersten Landgang am Nachmittag begeistert zurück und wir entscheiden noch einen Tag hier zu bleiben.

Was können wir von Ilha da Culatra berichten:

  • Man ist weit ab von der Welt, obwohl im Hintergrund Richtung Norden die Skyline von Faro und Olhão gut zu erkennen ist. Leider liegen wir in der Einflugschneise des Flugplatzes.
  • Der kleine Hafen sieht nach Fischerhafen aus.
  • Viele kleine, freilaufende Hunde sind zu sehen.
  • Ältere Männer sitzen am Hafen auf ihren Plastikstühlen, beobachten das Geschehen oder flicken gemächlich ein Netz.
  • Vollständige Mülltrennung, es gibt keinen Restmüll. In der Ortschaft einige Kunstobjekte aus Müll. Ab 2030 soll es keine Einwegverpackungen mehr auf der Insel geben. 
  • Eine der größten Seepferdchen Kolonien der Welt gab es hier. Nasch der Entdeckung in den Seegraswiesen ist der Bestand um 90% eingebrochen und stark gefährdet.
  • Es gibt keine Autos, nur einzelne kleine Traktoren. Zum Transport werden gerne Lidl Einkaufswagen genutzt, jedenfalls steht vor fast jedem Haus einer. 
  • Im Ort gibt es eine Schule, ein Gemeindezentrum, mehrere kleine Läden und etliche Bars. Der Spielplatz ist neu und liegt auf dem Platz das Dorfzentrums. 
  • Einzelne Wege sind mit großen Betonplatten gepflastert. Früher musste man hier immer durch den feinen Sand stapfen (muss mühsam gewesen sein).
  • Zum Strand im Süden zur Atlantikseite gibt es einen Holzpfad, sehr komfortabel. Die kleine Strandbar hat geöffnet und es gibt eine Toilette. Es ist die einzige Bar am ca. 7 km langen Strand.
  • Wandert man in den nächsten Ort (ca. 20 Häuser) begegnet man nur seinen Crew-kollegen, muss durch Sand oder Schlick stapfen und kann zusammengefallene Militärzäunen und verfallenen Häusern (anscheinend auch ehemals militärisch). Gut vorstellbar, wie das Militär hier im großen Sandkasten gespielt hat.
  • In dem dritten Ort direkt an der Einfahrt Barra Nova mit Leuchtturm begegnet man nur vereinzelt Touristen und Handwerkern. Ansonsten ist der Ort mit etwas luxuriöseren Ferienhäusern fast menschenleer.
  • Bei Niedrigwasser sieht man die vielen Muschelzuchten auf den trockenfallenden Sandbänken. Die Fischer sind rund um Niedrigwasser mit ihrem Booten vor Ort und pflegen ihre Muschel Zuchten.
  • Jetzt in der Wintersaison kommt die Fähre nach Olho vier Mal täglich. Sie legt auch auf der Nachbar Landzunge an. Für den flexiblen Transport sind mehrere Ribbs und schnelle Wassertaxen unterwegs.
  • Die Crew verabredet sich zum Rücktransport mit Dinghi per Signal Gruppe: „Ich sitze in der Bar mit blauen Stühlen.“ „Ich sitze in einer Bar mit roten Stühlen.“ „Wir können uns auch am Boot verabreden.“ „Gute Idee.“ (Anmerkung: Mehr Bars hatten nicht geöffnet.)
  • Es gibt auf dieser kleinen Insel Grillfleisch. Den ganzen Tag ist es fast windstill und sonnig. Wir grillen abends an Bord bei fast Vollmond und spiegelglattem Wasser.

Am frühen Morgen zieht eine Front mit Regenböen durch. Wir starten kurz vor Niedrigwasser morgens, leider ist der Wind wieder weg, sobald wir die offene See erreicht haben. ANUK dümpelt mit knapp 3 kn vor dem Wind vor sich hin. Wir werden gleich wieder den Motor starten, um pünktlich mit dem Hochwasser am Grenzfluss „Rio Guadiana“ zu sein.

Und jetzt liegen wir in in der Marina Ayamonte.

Text: alle