Gruß von der E2 Tour: wir sind unterwegs!

Letzter Einkauf beim ICA in Stockholm, der ICA, der so eng ist (siehe Web Bewertungen), dass wir glauben mit unseren vollen Körben in den Gängen stecken zu bleiben. Käse, Käse und frische Sachen stehen auf der Liste, ein-zwei Brote vielleicht, Frischmilch, schon ist der Einkauf beendet. Das eine Brot überlebt nicht einmal den Weg in seinen angestammten Lagerort, was die Brotsituation erneut verschärft. Mirko kündigt somit jetzt bereits das allseits befürwortete Brotbacken an.

Die Kabinensituation ist zu klären, wer schnarcht wie, wer raucht und wenn ja wieviel, wer muss viel Pippi: wir lernen dazu was die ANUK ausmacht. Es gibt 83 Staufächer auf der ANUK, sie teilen sich in Dinge die wir suchen und Dinge die wir hoffentlich nicht benötigen. Werkzeug benötigen wir natürlich sofort, Ersatzteile bewundern wie ehrfurchtsvoll in Menge und Ausführung.

Wir wollen Segeln, einheitlich stürmt die Crew zum ersten Segelmanöver an den Mast, Reffs raus und hoch mit den Segeln. Das klappt nur der mäßig, der Skipper erkennt die Vorzüge, Schwächen und Erfahrung der Crew. Lessons learnt, es darf losgehen.

Es gibt viel zu sehen auf der Fahrt nach Gällnö, wie gerne wären wir doch Schweden mit gefülltem Konto und einem Häuschen samt Boot in den Schären. Doch was ist eigentlich im Winter. Träumen kann jeder, der Wind schiebt uns derweil Richtung Waxholm.

Waxhom wird ne enge Sache, Fähren über Fähren und ein Veteransegler (dt. Traditionssegler) vom Treffen derselben im Wasahamn, der mit seinem Wrack Sponsoren gesucht hatte. Wir kommen uns sehr nah, der ANUK Skipper wird nervös, die Tonnen kaum zu halten, Kapitän Veterani lächelt freundlich und beschleunigt mit Motor der mächtig qualmt, uns beschleunigt der Wind. Ein Kopf an Kopf Rennen also. Bremsen ist für uns keine Alternative unter Segeln und böigem Wind. An der letzten Enge stoppt ein anderes schwedisches Motorboot, dort waltet schwedische Besonnenheit, unser roter Kamikaze-Veterani rundet vor uns, dann folgen wir, danach lässt der Wind uns den traurigen Träumer achteraus verschwinden.

Gällno teilen wir mit einer weiteren schwedischen Yacht und einem Motorboot. Noch keine Saison, wir verdrücken Mengen von Gnoccis und Tortellinies mit einer formidablen Gorgonzola Sauce vom Skipper. Doch unser Koch ist natürlich Mirko, der bereits am ersten Tag einen Kartoffeln-Käse-Auflauf erschaffen hat, der dem Salon ein eigenes Flair verpasst hatte. Der Skipper war zunächst im Cockpit verwundert über den Geruch, der über der ANUK lag. Doch die Lösung lag später auf unserem Gaumen und vermittelte uns, was aus wenigen Zutaten mit versierter Hand geschaffen werden kann. 10 Points an dieser Stelle, doch Restaurant fähig erschien unser Gericht nicht zu sein.

Gällno war für Günter eine schwere Enttäuschung da er nicht angeln durfte. Die Fische sprangen und ohne Ausrüstung schien der Urlaub nun in trister Schwermut zu versinken. Niemand verspürte den Wunsch das Festland zu betreten, die Kneipe war nur am Samstag und Sonntag laut Google zwischen 12:00und 16:00 geöffnet, kein Burner im Sinne von hier tanzt ein Bär, es musste irgendwas mit Saison zu tun haben.

Die Crew will Segeln und ankern, Skipper sucht also entsprechende Orte aus seinem Erfahrungsschatz und den Guides, Navily und einem Vortrag vom TO-Leiter Stockholm aus. Der nächste Tag führt uns somit nach Björkskär. In Björkskär liegen wir mit Heckleinen und 45 Meter Kette im klaren grünen Wasser des Stockholmer äußeren Schärengürtels. In zwei kleinen Etappen von rund 22 sm sind wir dem Stockholmer Rummel nun entflohen. Das die 45 Meter Kette keine gute Idee war lernen wir, als diese am nächsten Morgen, da schlammverklebt, mühsam mit der Pütz gereinigt werden muss. (Nachtrag; es gibt eine Deckswaschpumpe, die mit kleinem Aufwand in Betrieb genommen werden kann)

Die Nächte an Bord enden regelmäßig gegen 4:30. Längst ist die Sonne am Himmel erschienen, alle Bretter sind gesägt und ein kleiner Teil der Crew hat somit kaum oder wenig geschlafen. Für Günter haben wir nun auch das Leesegel gefunden und seine „Absturzangst“ wird sich hoffentlich in weiteren therapeutischen Gesprächen bändigen lassen. Ja die Kabinensituation erfordert Toleranz und am besten ein intensives eigenes Schnarchen. Wer selbst schnarcht schläft schneller ein, sagt ja auch der Volksmund. Eine erste Konvertierung in die Glaubensgemeinschaft der Schnarcher erfolgte bereit. Das Verhältnis 3:2 ist nun auf 4:1 gesunken. Es ist klar, auch Bernd M. wird noch sein Brett (Bau-Projekt) finden.

Erste aggressive Mücken umschwirren uns im Salon, Skipper überrascht eine Bestie mit erbarmungslosen Handschlag, dieselbe färbt sich leider menschenblutrot. Günter kann mit seinem in unzähligen Outdoor-Expeditionen erprobten Spezialgerät sofort die Eiweißstrukturen, die für den Juckreiz verantwortlich sind, mittels Hitze zerstören. Die Mücken des Nordens sind also gewarnt doch  Skipper fragt sich was noch alles in seinem Körper zerstört wurde.

Wir brauchen weitere Frischmilch, ein guter Grund nach Redlöga zu fahren, dort lockt laut Navily das Symbol eines Einkaufswagens. Doch in Rodlöga beginnt die Saison am 16.6.26 und die Hinweisschilder sind am Anschlagbrett von 2025. Die Frischmilchlage entwickelt sich also prekärer. Skipper überrascht auf der ausgestorbenen Insel eine Hirschkuh auf der Suche nach einem willigen Paarungspartner (Blödsinn), oder war es ein Rentier, das auf einer Eisscholle hier gestrandet ist, die übrige Crew jedenfalls bezweifelt dies einhellig, dabei hat doch der Skipper immer recht. Eine Regenfront wird am Donnerstag den Nachmittag in Mittelschweden versauen und wir benötigen weiterhin dringend Frischmilch. Somit darf nun ein Hafen angelaufen werden, obwohl die Crew ja eigentlich nur Segeln und Ankern möchte. Somit muss nun Norrtäjle herhalten für einen Aufenthalt am Steg. Duschen sind auch ein guter Grund für eine Hafenstop. Unsere Starterbatterie wird beim Segeln nicht geladen, Motorstunden haben wir bisher 3,3 geschafft und die Motivation der Crew liegt eindeutig dabei, diesen Wert nicht wesentlich zu steigern. Landstrom von den schwedischen Atomis sind somit auch sehr willkommen.

Der Fjord bis Norrtälje ist über 10 Seemeilen lang und begleitet uns mit kräftigen Böen bis 18 Knoten Wind sowie völliger Windstille in denen die 16 Tonnen der ANUK uns ausreichend Restfahrt ermöglichen, um danach erneut in neuer Bö auf der Backe zu liegen. Der Hafen ist noch nicht im Betrieb, der Code ist wirkungslos, das Restaurant nebenbei gibt uns einen anderen Code, der aber am nächsten Tag schon nicht mehr funktioniert, das Restaurant ist geschlossen, keiner erreichbar (muss was mit Saison zu tun haben). Wir ergänzen Vorräte, laden die Batterien und haken Norrtälje als nicht wert für zusätzliche 20 Seemeilen ab. Per Dockspot drücken wir 200 SEK ab inkl. Strom, wäre aber auch ohne gegangen.

Arholma lockt, wieder Segeln bis an den Liegeplatz mit Heckanker. 4 Schweden sind dabei die Sauna aufzuheizen, 2 Schweizer Segler haben dieselbe zwischen 17.00 und 18:00 gebucht, wir sind bei beiden Sitzungen eingeladen. Punktlandung am schönsten Ort auf Arholma wie Harald vom TO Stützpunt Stockholm empfahl. Derweil das Brot sich im Ofen entwickelt ist bereits der Teig für einen Marmorkuchen zubereitet. Halbzeit unserer Reise steht an, wir geben uns alle Mühe.

Arholma hält uns einen ganzen weiteren Tag fest umschlungen. Es regnet aus Eimern, wir belaufen trotzdem die Insel mit Regenschirm und Ölzeug. Am Nachmittag klart es auf, nur um dann nach einigen Stunden noch ein weiteres Mal mit Sturzbächen seine Naturgewalt zu zeigen. Die jungen Schweden sind auch wieder da, haben die Sauna gemietet und Skipper kann in derselbigen seine Stories loswerden. 4 Ärzte aus Uppsala, wenn die nicht mal Studenten waren. Das Ostseewasser hat hier 13 Grad und schmeckt ziemlich süß. Die Ärzte meinen es würde von dem Verzehr der Fische abgeraten werden, durch den hohen Quecksilber Gehalt, ein Schild mahnte bereits das Fischfangverbot von April bis 15. Juni an, alles schlechte Nachrichten für Günter. Skipper fragt sich warum Quecksilber süß schmeckt.

Sonntag sausen wir mit blauem Himmel und bis zu 5 Windstärken aus Südwest nach Öregrund. Ein netter Ort mit alten Holzhäusern und Restaurant. Wir bestellen alle Fisch und bekommen, ja was genau, eingepackt in einen fettigen Bierteig. Kommt leider nicht an den Backfisch auf der Kieler Woche ran moniert der Kieler Teil der Crew. Von der Hafenmeisterin lernen wir: in Schweden fragt man am Morgen: „wie hast Du geschlafen“? Das erwähnte schlafverhindernde Verhältnis ist stabil bei 4:1, keine weiteren Bauprojekte nachts.

Öregrund können wir uneingeschränkt (dies muss im Verhältnis zu den Alternativen gesehen werden) empfehlen, eine schöne Wanderung in Pinienwälder ist möglich und sehr alte Holzhäuser bieten sich als Fotomotiv an. Und es muss ja nicht immer gleich Fisch sein im Restaurant.

Skipper lässt sich den Sonnenuntergang um 22:06 nicht entgehen und ist beeindruckt wir lange die Sonne braucht zu verschwinden. Kein Vergleich zu einem Sonnenuntergang in der Karibik, wie schön kann Natur eben sein.

Nun wird es schwachwindig und nach Sikjälma wird der Motor zeitweise bemüht. Dann in der Enge zwischen Västerkian und Känningen, ein kieloben treibendes rotes Kajak. Der Skipper ruft den maritimen Notstand aus, die Crew ist hellwach und unentschlossen in trauriger Stille angesichts der Tragödie und andererseits freudiger Erregung angesichts des Besitzes eines roten Kajaks für spätere Erkundungen. Erste Stimmen mahnen einen Mayday Ruf an, Skipper beschließt in die Nähe des Objektes zu manövrieren für bessere „Inaugenscheinnahme“. Werden wir eine Seeleiche bergen müssen? Skipper antwortet nein, in dem Fall rufen wir dann um Hilfe. Fachliches Halbwissen zu aufgeblasenen Wasserleichen und deren gefürchteten Explosionen, ob Timmy oder nicht, werden kommuniziert. Da das Kajak ja verkauft werden und der Erlös in die Kasse der ANUK fließen kann, sind die Jäger und Sammler der ANUK nun kurz davor das Dinghi zu wassern. Der Skipper fordert weitere Bildnachweise, denen mit einem zweiten Fernglas folge geleistet wird. Bei genauerer Beobachtung durch die Ferngläser gleicht das Rot des Kajaks zunehmend dem einer roten Fahrwassertonne, die für alle überraschend platt auf dem Wasser liegt. ANUK dreht erleichtert aber auch enttäuscht ab. Wäre ja auch ne dolle Story geworden, vom finanziellen Reichtum mal abgesehen.

Sikjälma ist ausgestorben, wie bereits erwähnt diese Sache mit dem Saisonstart hier oben. Erster Versuch mit eine Heckboje zweifelhaften Aussehens wird in Folge einer fetten Böenwalze und heftigen Fallwinden gegen einen Ankerplatz mit ausreichend Schwoi Radius eingetauscht. Nach dem Durchzug der Front ist das Wetter bis zum Morgen so ruhig, da hätte auch diese wursthafte Boje gehalten. Das Dinghi wird nun für die Landeroberung gewassert. Die Sauna kostet 100 SEK kann aber nur mit SWISH bezahlt werden. Später gibt es Weißkohl in Kokossauce mit Kartoffeln, Süßkartoffeln, Nachtisch mit Creme Fresh und Nüssen und anschließend Hosenwind. Jo öffnet daraufhin die Flasche 700 ml RE:FORM Kräuter Likör 35 U/min, die dank den Gewürzen, wie auch u.a. Pappelknospe und Lorbeerblatt, das innere Gleichgewicht wieder einigermaßen auspendelt und das Hosenwind-Hoch neutralisiert (Fachleute sprechen hier von vakuumisieren).

Nach ruhiger Nacht zieht es uns wieder hinaus, leider in pottendicken Nebel. Das Nebelsignal wird aktiviert, das Radar gestartet. Schon sind wir auf Kollisionskurs mit einem der nicht tutet und ohne AIS fährt. Wir „erlernen“ mal eben das Radar. Er kommt von rechts, wir reduzieren den Speed, weiter gehts es. Nun kommt segelbarer Wind, mit Segeln stimmt das Schallsignal nicht mehr. Jo drückt das Signal an der Box für Segelboote im Nebel, lang-kurz-kurz, und siehe da, die Box wiederholt das Signal automatisch. Hammer, Jo ist wieder begeistert, was für großartige Technik an Bord der ANUK sich befindet. Nun wird die Sicht besser, Jo will das Signal abstellen, das geht aber nicht, da meint Mirko man müsse Bernd P. über Bord werfen. Jo steht auf dem Schlauch, am Ende hat man Jo ziemlich verladen, indem Bernd draußen immer die Signaltaste entsprechend gedrückt hatte. Schön verladen, gutes Zeichen für die Crew.

Wir erreichen Skatön nach schöner Backstagsbrise. Eine SXK-Boje bietet sich an, später hören wir die sind nur für bis zu 8 Tonnen ausgelegt. Es bleibt ruhig die Nacht, doch die Insel bietet rein gar nix.

So auch Innerstön mit der Bucht Fläsvik, die wir für das ursprüngliche Ziel Ajön eintauschen. Ajön hätte noch eine Sauna bieten können, doch der Ankerplatz etwas unruhig und die Crew somit verunsichert. In Fläsvik ist, außer einem harten Unwetter, welches ein größeres Stück des Waldes flach gelegt hat, nix eingefallen. Uns fällt auch nix zu diesem Flecken ein. Ein Holländer liegt an einer der beiden blauen SXK-Boje, wir bevorzugen den Anker. (ANUKchen bringt es auf 16 Tonnen) Ein schwedisches Paar übernachtet in ihrem kleinen Motorboot an einem kleinen Steg ohne Wassertiefe. Wir vertiefen uns lieber wieder in UNO.

Die letzten 13 Seemeilen nach Hudiksvall sind schnell gesegelt, der Rückenwind hat uns die 2 Wochen nie wirklich im Stich gelassen. Der mega sympathische Hafenmeister Lasse lässt uns parallel an einen Steg, das erleichtert die folgende Tage. Wir waschen und säubern. Am Freitag gibt es ein letztes Mal gemeinsames Essen im Restaurant. Am Samstag gehts nach Stockholm und im Nachzug nach Hamburg.

Ende gut alles gut. Es ist der 12.6.2026, 17:07, die Sonne scheint wieder, wir wünschen allen Folgecrew Fair Winds und die Handbreit.

Jo, Bernd P., Mirko, Bernd M., Günter

E2, Stockholm-Hudiksvall, 253 Seemeilen in 2 Wochen