Zum ersten Mal: Segeln!

Und das auch gleich auf der ANUK, 16 Tonnen Stahl, 14 Meter lang und ich keine Ahnung von nix, nicht mal, ob ich überhaupt seefest bin. Doch strahlende Sonne und eine entspannte Zugfahrt gibt Grund zur Vorfreude. Und als mir dann im Hafenbecken ein DELFIN! – ach nein, es ist ein Schweinswal und niedlich klein – zuzwinkert, ist alles geritzt. Denn auch die Crew aus Heidi, Martina, Dieter plus Astrid läuft wie ein geschmierter Motor. Zunächst aber gibt’s Abendessen mit Synke und Jörg und ich merke schon jetzt: Seeluft und Schiffschaukeln macht müde. So winke ich noch kurz der vorbeifahrenden STENA LINE, mit der ich sonst nach Schweden fahre und gehe ins Bett. Nur das Draußenschlafen im Cockpit scheitert: Die Männer des Nachbarboots reden-trinken-lachen-trinken mit den Füßen im Wasser planschend, fünf Meter neben mir. Ich kletter‘ zu Astrid in die Koje.

Sprachkurs

Nach dem Frühstück am Freitag bin ich schwer beeindruckt, wie die Kapitänin das lange Schiff elegant aus dem Hafen bugsiert, man sollte einen Preis ausloben fürs Ausparken unter erschwerten Bedingungen (enger Hafen und Crewmitglied, das irgendwie immer im Weg steht, denn das bin ich).

Wir setzen die Segel und ich lerne viele neue Wörter, von denen ich mir nur die Hälfe merken kann. Opferanoden, das wird eines sein, mit dem ich auf Partys seemannsgarnmäßig angeben kann („ …beim Baden in der 14 Grad kalten Ostsee in der Opferanode verheddert, tja, das gehört dazu“). Beim Segelreffen lern ich was über Zeisinge, Genua, und auf Slip und sehe, dass der einzige von mir beherrschte Knoten, der Palstek, hier eingesetzt wird, hurra!

Auf Kurs

Es geht nach Boltenhagen, leider mit wenig Sonne, sondern dunklen Wolken, aber viel guter Laune. Fünf Knoten unterm Bug und so viele Anzeigen überall, wie tief, wie weit, ein Licht hier, eins das und Bremen Rescue immer auf Sendung. Wer steuert, wird verwöhnt – mit Kaffee, Tee, sogar Lakritzschokolade. Ich sitz ganz vorn auf dem Schiff. Das ist toll, aber ich muss tatsächlich schon wieder in die Koje für ein Nickerchen und dann gibt’s Essen und ich wunder mich ein bisschen, wie viel Hunger man doch haben kann vom Nichtstun.

Auf Deck, in den Niedergang, wieder auf Deck, mal was lesen, mal was stricken, der Motor muss an, weil der Wind nicht mehr will, so vergeht der Tag. Dann kommt Boltenhagens Seebrücke in Sicht und wir drehen uns ein bisschen um uns selbst zum Ankern. Als das Ding dann sitzt, krieg ich Hummeln im Hintern und bin bereit für ein Eis und ein Klo an Land und wir lassen das Dinghy runter. Alle Frauen an Bord und ich darf rudern, was für ein Spaß. Zuschauer gibt’s auch, sie beobachten aufmerksam unser Anlandemanöver im Untergeschoß der Brücke. Boltenhagen ist etwas verschlafen und Eis finden wir nicht, dafür wird’s dunkel am Himmel und Astrid warnt vor Regen. Wieder an Bord haben wir ein tolles Wolkenspektakel und einen schönen Sonnenuntergang, gekrönt vom lecker Essen und einer Runde Räuberrommé, bevor alle Räuber*innen ins Bett wanken.

In den Heimathafen

Zwanzig Grad hat die Ostsee – also quasi Badewannentemperatur für Nixe Heidi! Ich muss vor lauter Begeisterung gleich zweimal, liegt aber auch daran, dass das Bad jeweils nur wenige Sekunden dauert. Nach dem Frühstück wird das Vorsegel gesetzt. Gleichmäßig und mit wechselnden Steuerern geht es Richtung Fehmarn. Nach fünf Stunden kommt die große Brücke in Sicht und Astrid erklärt die Masthöhe, rechnet vor, dass das passt und ich hab‘ keinen Moment Sorge, als sie dann direkt über uns ist und wir darunter durchgleiten wie ein Fisch im Wasser. Unser blinder Passagier, eine beringte und neugierige Taube, macht sich nun auch davon, bestimmt eine Stunde war sie an Bord. Sie schien ganz dankbar für den Lift, denn zu Beginn sah sie laut Astrid ganz schön fertig aus. Jetzt ist der Seegang höher, ich find’s richtig super, wenn es hochspritzt, muss mich vom Vordeck aber doch auf den begehrten Rauchersitz nach hinten verziehen, um nicht nass zu werden. Und wie schräg das Schiff Ding liegt, merke ich beim Mittagessen warmmachen. Habe ich je in einer solchen Position in der Küche gestanden, immer mit einer Hand an irgendwas und 40 Grad Neigung zum Topf? Ob man das nach längerer Zeit auf See auch zuhause so macht?

Um vier laufen wir in Orth ein und brauchen dann doch eine Stunde zum Anleinen. Gar nicht einfach, der Wind drückt den Bug weg, wir ziehen wie blöd an den Seilen, vielleicht auch an den falschen, es bewegt sich nur zentimeterhaft. Das geht sicher alles auch eleganter und schneller, aber das müssten wir noch ziemlich üben. Dann die Belohnung: Currywust, Pommes, Fischbrötchen am Imbiss, eine Führung durch Orth mit Astrid und die Erkenntnis, dass Jimi Hendrix auf Fehmarn sein letztes Konzert gab. Highlight zum Schluss: Die Besichtigung des Toilettenhäuschens. Hier darf man das Klopapier in die Schüssel tun, kaum zu glauben. Und es wankt rein gar nichts. Wahnsinn! Abends gibt’s dann noch Plauderbesuch vom Nachbarboot und die Pläne für morgen: putzen, waschen, duschen. Was für wunderschöne Tage mit der weltbesten Besatzung. Danke Astrid, Dieter, Heidi und Martina!

PS: Ich war überhaupt nicht seekrank, wie toll ist das denn.

Text: Carmen Vallero

Schöner Urlaub

Die letzte Etappe startet gut, schon die Anreise klappt super. Martina und Heidi warten in Rostock am Bahnhof, ich bin mit Ulis Auto angereist. Wir essen beim Italiener am Hafen, kaufen ein und sind pünktlich an der Fähre. Die Überfahrt ist kurzweilig: Rostocker Hafen bei Nacht, ein Bier an Deck, dann eine Mütze Schlaf im Pullman Seat. Pünktlich um 6 Uhr legen wir in Trelleborg an und sind kurz nach 9 Uhr in Karlskrona. Die ANUK-Crew hat Frühstück vorbereitet.

Wir verbringen den ersten Tag im Hafen mit ankommen, auspacken, Nachbarn helfen. Die SCHLÜSSEL VON BREMEN liegt gegenüber am Steg und hat kein Diesel mehr. Wir leihen Dinghy und Kanister aus. Abends besuchen wir uns gegenseitig, besichtigen die Schiffe und plaudern.

Donnerstag geht’s dann los. Erst gemütlich, dann mit frischem Wind gerefft bis nach Ekenäs (Ronneby). Wir quetschen uns in eine kleine Box für max. 3,80 m breite Boote, die Fingerstege reichen gerade bis mittschiffs. Mit leichtem Wind von vorne entscheiden wir, dass das okay ist. Beim online bezahlen muss ich schummeln und die Schiffsbreite anpassen. Anne und Konstantin kommen zu Besuch. Netter Abend, Anne erzählt vom Leben in Schweden und ich bedauere, dass die Zeit fehlt, sie in ihrem Haus inlands zu besuchen. Freitag motoren und segeln wir durch die Inselwelt nach Tjärö. Eine wunderschöne Ferieninsel mit Fähre zum Festland.

Wir würden gerne noch wochenlang hier rumcruisen und Inseln ansehen. Aber Wind und Wetter sind günstig für die Weiterfahrt. Früh um 6 Uhr starten wir Richtung Bornholm/Christiansö. Einige Meilen unter Motor, dann volle Segel, später mit 2. Reff und ordentlich Seegang. Die Hafeneinfahrt ist eng und recht flach, ANUK schlägt fast quer und ich freue mich über ausreichend PS zum Beschleunigen. Im Hafen ist es ruhig, aber auch eng. Nach etwas Hin und Her legen wir auf Frederiksö an, mit Heckboje und Bug im Wind. Stefan und Heiner von der NASHIRA (liegt auch in Orth) nehmen die Leinen an. Super Service! Wir wollen den längsseits liegenden Schiffen (max. 12 m) nicht unsere 16 t bei voller Windlast zumuten. Es frischt noch etwas auf und wir sind froh, hier zu sein. Nachmittags bringt die Fähre die Tagesgäste zurück und es kehrt Ruhe ein. Wir wandern auf beiden Inseln und machen Fotos. Alle finden es sehr, sehr schön hier. Abends gehen wir mit der NASHIRA-Crew sehr lecker essen. Danach passiert nicht mehr viel, alle sind hundemüde.

Nach einem sonnigen Tag auf den wunderschönen Inseln geht es Sonntagabend weiter. Wir nutzen den passenden Wind für die Überfahrt nach Sassnitz. Martina meckert zwar, da sie eigentlich keine Nachtfahrt machen will. Sie wird für die 00:00-04:00 Uhr-Wache mit Dieter eingeteilt und übersteht alles prima. Der erste Teil der Nacht ist durch den Mond wunderbar hell, später ziehen Wolken davor. Aber es wird ja ab 04:30 schon wieder langsam hell. Sassnitz schenkt uns einen schönen sonnigen Tag. Es ist ungewohnt wuselig und voller Leute. Wir haben Glück, dass wir erst heute hier ankommen. Bis Sonntag war hier die Sail GP (Segel Grand Prix), Formel 1-Segeln mit Geschwindigkeitsrekord von rund 107 km/h. Am Ufer stehen riesige Tribünen und der Stegnachbar berichtet von 150 € Liegegebühr.

Nächstes Ziel ist Hiddensee. Bei Kaiserwetter motoren wir an der Küste entlang am Kaiserstuhl vorbei, können später segeln und ankern hinterm Dornbusch vor Kloster. Das Dinghy bringt uns zu viert sicher an Land. Wir verbringen den Nachmittag an Land an unterschiedlichen Orten und können abends noch lange an Deck sitzen. Der angekündigte Starkwind ist inzwischen abgeschwächt für später angesagt. Hoffe, dass die Vorhersage (DWD, ECMWF) passt und GFS falsch liegt.

Mittwoch früh gibt es Verzögerungen, da der Motor streikt. Luft im System muss erst beseitigt werden, Ursache unklar. Ich bin etwas besorgt … Aber nach einem schönen Segeltag erreichen wir am Nachmittag Prerow und legen ohne Probleme im neuen Nothafen an. Ich hatte uns Liegeplatz Nr. 1 reserviert, gerade so lang genug und mit 4,50 m Breite genau passend. Der Wind hat auf 5 Bft. aufgefrischt und wird am Abend noch etwas zulegen. Im Hafen liegen wir gut geschützt, die Einfahrt ist eng und bei Sturm stelle ich es mir etwas verwirrend und herausfordernd vor. Nach etwas Hafenkino und einigen Schwätzchen gehen wir in den Ort. Es ist proppenvoll und wir müssen eine Weile suchen, um was zum Abendessen zu finden. Gerade noch rechtzeitig, bevor der Hunger zum Problem wird.

Die Prognosen schwanken weiterhin, doch wenn wir unterwegs sind, passt es. Schönes schnelles Segeln nach Warnemünde (dort ganz viele Leute getroffen und neues Crewmitglied Carmen zugestiegen).

zuletzt: Boltenhagenbucht

Ein Tag in Reimen

Ablegen
5 Uhr 40, Wecker klingelt
der böse Ton zum Aufstehn
lieg in der Koje ganz geringelt
Ich wollt, ich wär ein Ren:
Dann könnt ich lassen und tun
wonach mir die Sinne stehen
Vielleicht eine Weile muhn
oder ein bisschen gehen,
die Nase in den Wind halten,
zwischendurch was leckeres knabbern …
so würd ich  mir den Tag gestalten

Stattdessen …
Augen auf, raus aus der Koje
schnell in die Klamotten rein
eine Person steht wie ne Boje
steht mitten im Weg, kein …
Durchkommen, Blockade unter Deck.
Die Zeit, die Zeit rennt und rennt
Mach Platz, geh endlich weg
Irgendwie bin ich verklemmt
wir ham doch wichtige Termine
mit einem Schiffsbedarfs-Ausstatter
oder ist es eine Ausstatterine?
Oh, das Gendern … ratter ratter
klappt zu dieser frühen Stunde
auch nur so semi, Kopf noch aus
Schwimmweste an, Blick in die Runde
schnell auf das Deck hinaus
Skipperin, was soll ich tun?
Steh nutzlos in der Gegend rum
und würd doch lieber weiter ruhn.
Motor an, Leinen los, mach mich krum.
… und wir fahren los …

6 Uhr Abgelegt
Skipperin sagt, geh mal runter,
mach uns Kaffee, mach uns munter
Also, mach ich‘s, weil ich‘s kann
den tricky Petroleum-Herd an.
schau der Flamme verschlafen zu
und sage leise ich zu mir „Muh!“

Unterwegs
Kein Wind in Sicht, wird auch nicht kommen.
Der Motor juckelt vor sich hin.
Bin doch zum Segeln her gekommen,
nicht, um auf ner Motoryacht zu sin!
Kurs Süd-West, Autopilotin steuert
halte Ausschau, gucke rum,
Ob irgendwo irgendetwas läuert.
Aber nix los auf dieser See,
gucke dumm …
… herum …

Weiter unterwegs
Der Motor röhrt so vor sich hin
Kühlwasser sprotzelt hinten raus
Jetzt gibt’s sogar ein bisschen Wind.
Zwei Segler vorn voraus.
Die Briese ist nur seicht und schwach
… aber … Ach …
Es ist die falsche Richtung,
die Segler*innen in Sichtung
kommen uns entgegen
sie haben – welch ein Segen –
den Wind gemütlich von achtern.

Was würd ich dafür tun,
führe uns der Kurs auch nordwärts
Ich würd nicht mehr muhn,
ohne diesen ganzen lauten Terz
mit dem Motor-Geröhre …
Und ick janz Berlina Göre
sage wieder leise zu mir „Muh!“

Immernoch unterwegs
Skipperin sagt, „wir ham Wind!
Da könnten wir ja doch geschwind,
das Groß befreien von der Persenning
und ein, zwei Kreuzschläge probieren.“

Gesagt, getun, getan, getäten,
ich strecke meine müden Gräten
und bereite hoffnungsfroh,
all das Nötige bevor.
Als alles b‘reit war für den Wind,
war der wie’n trotziges Kind
wieder eingeschlafen
… und weg …
… wat für‘n Dreck.
Und so röhrt der Motor weiter
und ich überhaupt und gar nicht heiter,
weiß nicht, was ich tu,
sage leise zu mir „Muh!“

Hafenkino
Da ham wa festgemacht an einer Pier.
Und dann – oh Schreck – was sehen wir?
Ein Kran!
Und da kommt schon ein Boot
Die letzte Lein‘ grad fest mit Knot.
Wir müssen weg von hier, geschwind
Und was macht jetzt der blöde Wind?
Drückt die ANUK an die Pier.
Wie kommen wir jetzt weg von hier?
Skipperin überlegt,
weiß genau, wie das jetzt geht:
Um‘s Eck ist noch ein freier Steg
Eine macht sich auf den Weg,
mit einer laaaaaaangen Leine,
um das Schiff herum zu ziehen.

Dann wird gezottelt und gezogen.
Und ich sag es ungelogen,
auch Rufe sind hier mit im Spiel,
Gezogen wird nun wirklich viel
Leinen lose, Leinen fest,
Wind weiter aus Südwest
Eine zweite Leine noch dazu.
Und damit ist dann Flux im Nu
mit Maschine und noch andern
die ANUK am Wandern
… zum Bestimmungssteg
… bewegt

ANUK hat jetzt erstmal Pause
… und Ruh!
Wir sagen „Wat für ne Sause!“
… und „Puh!“

Im Reim-Rausch hatte Carola eigentlich vor, auch den Rest des Tages noch zu verdichten, aber es ging die Inspiration aus.

Als Nachtrag noch soviel: Wir konnten doch an dem Tag eine Stunde segeln (Muhn war also nicht mehr nötig!) Und am Ende des Tages fiel Ursula frisch aus der Sauna beim Übersteigen ins Wasser. Zum Glück hat sie sich dabei nicht verletzt. Der Bootsnachbar hat Ursula zum Aufwärmen zu einem Whisky eingeladen und wir anderen tranken auf den Schreck einen guten Rum von Lore und Peter, der eigens für die Reifung in Fässern über den Ozean geschippert wurde.

Anmerkung zu der Dichterei: Carola bittet im Zuge dichterischer Freiheit, zu akzeptieren, dass Rentiere zumindest Muh-ähnliche Geräusche machen könnten.

Höga Kusten

Trysunda ist eine beschauliche, wundervolle Ferieninsel. Wir lassen uns Zeit, durch den Wald zu laufen und alle Strände zu besuchen.

Tina und ich tauschen auf der ANUK an den WC-Pumpen noch die mit Urinstein zugesetzten Gummidichtungen und Ventile aus. Die Baustelle braucht mehr Zeit als gedacht. Während das WC achtern schnell wieder einsetzbar ist, wird uns das WC im vorderen Bad noch die nächsten Tage beschäftigen. Zwei Schrauben drehen durch, so dass sich die Pumpe nicht mehr befestigen und abdichten lässt. Die Baustelle muss unvollendet warten, gegen 18 Uhr legen wir ab und zwei Inseln weiter auf Mjältön in der Baggviken wieder an.

Am nächsten Tag wandern wir zum Gipfel – toller Weg, tolle Aussichten (seht euch die Bilder an!).

Nicht alle, denn Gunter läuft vor und landet woanders. Er besucht unfreiwillig noch andere Buchten, so dass wir etwas warten müssen. Ich nutze die Zeit zum Motorcheck und darf mir die Wartezeit mit Reparaturarbeiten vertreiben. Die Halterung des Dieselfilters ist gebrochen, so dass dieser unbemerkt abgefallen ist und zwischen Kabeln und Gaszug hing. Ließ sich mit Bordmitteln reparieren.  

Um Ersatzteile für das Klo zu bekommen (und auch unsere Vorräte aufzufüllen) legen wir einen Zwischenstopp in Sundsvall ein. Der Einbau beschäftigt uns den ganzen nächsten Tag. Das Fußstück ist mit 4 Schrauben befestigt, von denen eine bereits abgerissen war und bei der Demontage noch eine zweite abreißt. Gegen Abend können Uta und ich Erfolg vermelden. Zwischenzeitlich war ich kurz davor, ein vermeintlich vernünftiges WC-Modell für 1800 € zu bestellen, statt mich zukünftig nochmal über ein Jabsco-WC ärgern zu müssen.

Die Höga Kusten sind wunderschön, das Wetter meint es gut mit uns. Leider fehlt uns die Zeit alle Inseln und Buchten zu besuchen. Wir verbringen noch 2 Abende mit Lore und Peter von der SY ORION. Es ist schön, sich unkompliziert zu treffen und zu plaudern. So nach und nach können fast alle Wünsche erfüllt werden: Funken, schwimmen, Blaubeeren essen, Sauna, Grillen.

Haparanda und dann südwärts

Nächstes Ziel ist Haparanda, ein kleines Städtchen an der Grenze zu Finnland. Wir starten unter Motor, können etwas mit dem Genacker segeln und kommen gegen 21:30 Uhr an. Ankunftszeit ist egal … wird ja nicht dunkel. Auch hier gibt es am Hafen einen WoMo-Stellplatz mit zum Teil gigantischen Gefährten, halbe Häuser werden hier bewegt. Das alte Hafengebäude ist mit Self-Checkin: schriftliche Anleitung, Buch zum Eintragen, Karten-Terminal zur Überweisung der Liegegebühr. An der Decke hängen Vereinsstander von überall her. Der Hafen (Haparanda Havn) liegt rund 20 km westlich der Stadt. Wir fahren am nächsten Tag mit dem Bus in das kleine Städtchen. Es nieselt etwas, später kommt die Sonne durch. Ein Fluss trennt Haparanda von Tornio, der etwas größeren Stadt auf finnischer Seite. Beim ersten Grenzübertritt merken wir gar nicht, dass wir bereits drüben sind. Wir schlendern vor allem durch den finnischen Teil der Altstadt, ich besuche das Regionalmuseum, später treffen wir uns alle an der Strandbar und liegen auf großen Holzstühlen in der Sonne. Der 17:15 Uhr Bus bringt uns zurück zum Hafen. Der Plan, noch einen Ankerplatz anzulaufen wird verworfen. Wir verbringen einen gemütlichen Abend an Bord.

Am nächsten Morgen geht es früh los und wir segeln zurück bis kurz vor Luleå. Unsere angepeilte Bucht ist voll und zu eng, wir fahren daher weiter bis Junkön und finden einen guten Ankerplatz an der NE-Ecke. Auch hier war mir der Hafen bei 5-6 Bft zu voll und eng, um reinzufahren.

In den nächsten zwei Tagen machen wir einen großen Schlag gen Süden. Am ersten Tag müssen wir leider viel motoren, nachts erfreut uns der Sonnenuntergang mit großartigem Spektakel in verschiedensten Rottönen. Es sieht aus, als wenn der Himmel brennt. Danach frischt es auf und wir können mit gereffter Genua zügig segeln. Nach 188 sm erreichen wir Trysunda.

Im Norden

Die Crew für Etappe 5 reist auf unterschiedlichsten Wegen an und kommt nach und nach an Bord. Gunter und Carola sind schon ab Mittwoch Mittag da, erkunden Luleå und Umgebung. An diesem Wochenende findet ein Festival statt: Schon die Crew der Etappe 4 kam in den Genuss von verschiedensten Fahrgeschäften, Musik auf mehreren Bühnen und Ständen mit … Zeug, vor allem Fußball-Trikots.

Die ersten an Bord helfen die Deckwaschanlage in Betrieb zu nehmen, säubern die Ankerkette und ersetzen fehlende Markierungen. Später werden Lebensmittel und Getränke besorgt und verstaut. Montag sind wir startklar. Nach der Einweisung steuern wir erstmal die Tankstelle an und füllen den halbleeren Dieseltank auf. Auch wenn wir unbedingt viel Segeln wollen, ist es besser den Tank voll zu haben.

Ziel für den ersten Tag ist Töre. Bei Sonne und leichtem Wind segeln wir durch die Inselwelt. Ein toller erster Tag, bestes Eingewöhnungswetter. Rasmus bekommt den obligatorischen Schluck Rum und wir schließen den Gutwetterpakt. Den nördlichsten Punkt der Ostsee erreichen wir gegen 22:30. Für ein Selfie klettern alle auf die Tonne und jede/r posiert noch einzeln. ANUK wartet kurz angebunden geduldig und kurz nach 23 Uhr liegen wir dann am Steg außen an. Fast Mitternacht ist es hier, kurz unterhalb des Polarkreises noch immer taghell. Der Himmel leicht rosa eingefärbt.

Wie in vielen Häfen hier oben, ist der Töre Havn an einem Campingplatz gekoppelt. Am nächsten Morgen spricht Gunter mit einer Camperin, die ihm verwundert erzählte, „Am Abend zuvor hatte ein Schiff an so’ner großen Boje festgemacht hatte, und dann haben die da 20 Min Foto-Session gemacht. Leude gibt’s!“ 😉

Der Norden gefällt uns allen super. Schon nach kurzer Zeit bin ich wehmütig, denn von jetzt ab wird es nur noch südwärts gehen. Ich werde die hohen Breiten, die Landschaft, die entspannten Menschen hier vermissen.

Wie kommt man als Freiburger (Breisgau) zum Segeln?

E4: Örnsköldsvik – Lulea
Skipper: Christian
Crew: Michael und Konrad

Die Crew der E4 bestand aus drei Freiburgern, aus dem tiefsten Süden Deutschlands. Leider konnten wir für diese Etappe keine weiteren Mitglieder gewinnen, ob wegen Krankheit, Urlaubssperre oder anderweitigen Verpflichtungen, blieben wir zu dritt.
Christian als Skipper, Konrad (Papa des Skippers) und Michael, ein Freund seit der Grundschule.
Die Titelfrage wurde uns so oft, im immer gleichen Wortlaut, gestellt, wir beantworten diese gerne am Ende.

Am Sonntag, den 28.06., fanden wir die Anuk sehr gut vertäut im Hafen von Örnsköldsvik. Die Crew, zum ersten Mal auf der Anuk, erfreute sich an dem üppigen Platzangebot und den
„Einzelkabinen“. Aufgrund von Gewittervorhersage und gleichzeitig fehlendem Wind, verbrachten wir den Montag noch mit Stadterkundung und einkaufen, sowie der Creweinweisung. Das vorhergesagte Gewitter entpuppte sich dann als „hohe Luftfeuchtigkeit“ und zweimal rumpeln am Abend.
Dienstag früh ging es dann endlich los Richtung Küste. In einer Bucht bei Längholmen warfen wir den Anker. Hier konnten wir uns bereits auf die langen, bunten Sonnenuntergänge einstimmen, welche uns die ganze Reise begleiten sollten. Da die Wetterdienste nur sehr wenig Wind für die nächsten Tage vorhersagten, entschieden wir die Überfahrt nach Vasa nicht anzutreten und stattdessen an der schwedischen Küste gen Norden zu fahren.

Im nördlichen Hafen von Norrbyskär machten wir fest und erkundeten die Insel. Hier stand bereits ab 1750 ein Sägewerk. 1890 wurde dieses von F. Kempe übernommen, er vergrößerte das Sägewerk und erweiterte es um Kraftwerke und Wohnanlagen, welche die komplette Insel vereinnahmten und deren Überreste noch heute zu sehen sind. Die Wohnanlagen sind heute Ferienhäuser und eines der alten Kohlekraftwerke wurde zu einem kleinen Museum umgebaut.

Auf dem Weg nach Ratan machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp in Holmsund um unsere Vorräte aufzustocken, da wir für längere Zeit keine küstennahen Einkaufsmöglichkeiten ausfindig machen konnten. So mussten wir nur 1,4 km zum nächsten Coop marschieren. Der Hafen an sich war funktional und gut ausgestattet, das angrenzende Industriegebiet und die Bundesstraße waren dem Charme des Hafens aber nicht zuträglich.

Die Fahrt von Holmsund nach Ratan gestaltete sich als herrlicher Segeltag, wenn auch gegen den Wind. Mit einer kleinen Crew wurde der Tag, auf der Kreuz, zu einem ordentlichen Workout. Abends erreichten wir den wunderschön (einer der Schönsten) gelegenen Naturhafen von Ratan. Der Ort selbst zählt keine 100 Einwohner. Ca. 10 Yachten finden Platz am Pier des Hafens, wenn der Tankstellenbereich mitgenutzt wird.
Mit dem Dingi setzten wir auf Rataskär, die vorgelagerte Insel, über. Ein Rundweg führte uns an den Überresten der alten Zollstation (Keller von 1770) , Steinkreisen und dem Leuchtturm vorbei. Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit der Crew der SY Baluu, welche auf dem Weg Richtung Süden waren. Im Gespräch über unser Ziel Törehamn und den Wetterbericht, empfahlen sie uns, direkt loszufahren und nicht den Wind am übernächsten Tag abzuwarten, da die Wettervorhersagen auch aus der Glaskugel stammen könnten. Die nächste Etappe sollte also ein großer Schlag inkl. Nachtfahrt nach Törehamn werden.
Wenig Wind zum Start, auffrischend in der Nacht auf 13kt, drehend auf Ost, ließ auf einen angenehmen Abschnitt schließen, bei dem auch eine Nachtfahrt zu dritt gut möglich sein sollte.

Der Montag begrüßte uns um 01:00 noch mit einem schönen Sonnenaufgang bei gemütlichen 8-10kt Wind. Während er gegen 03:00h für 30min einschlief, frischte er danach merklich auf. Als der Skipper gerade 15min Schlaf hatte, wurde er nach oben gerufen. Es lagen 17kt Wind, steigend, an. Wir nahmen die Genua teilweise weg, holten sie kurz darauf ganz ein, als die ersten Böen >20kt eintrafen. Bei 18kt+ Wind und Böen bis 23kt wurde gegen 06:00h entschieden Richtung Lulea abzudrehen. Fehlende Wetterinformationen und die kleine Crew machten dies leider nötig. In der Bucht von Sandön vor Lulea ließen wir den Anker fallen und holten die verpasste Nachtruhe nach.
Nach langem Abwägen entschieden wir uns, den Weg Richtung Törehamn und der gelben Posttonne am nächsten Tag, bei wenig Wind und mit der Aussicht auf viel motoren, anzutreten.
Nach einer entspannten und ruhigen (abgesehen von der Maschine) Überfahrt nach Töre, rundeten wir gegen 16:30 die gelbe Posttonne in Törehamn 65°54.080‘N;022°39.087‘E. Glücklich und etwas wehleidig legten wir am Pier an. Glücklich unser, nördlichstes, Ziel erreicht zu haben – wehleidig, da ab hier nun jeder Kurs wieder Richtung Heimat zeigte. Kurzer Pulsanstieg wurde bei dem Skipper registriert, als das Echolot beim Anlegemanöver deutlich unter 2m fiel… Dank teils aufgeholtem Schwert und Jo’s üppig eingstellter Reserve auf dem Lot, bestand aber keine Gefahr einer Grundberührung.

Im Bistro des Campingplatzes gönnten wir uns ein Abendessen und erhielten unser Zertifikat für die Rundung der Tonne. Den Abend verbrachten wir mit der Crew der SY Raija bei gekühlten Getränken. Die erste Bemerkung, an Bord der Anuk lässt uns heute noch schmunzeln: „Erstaunlich wenig Katzenstreu hier…“, sie hatten zwei Katzen auf Ihrem Boot dabei. Törehamn bezauberte uns noch einmal mit einem herrlichen Sonnenuntergang im spiegelnden Wasser.

Für die Rückreise nach Lulea freuten wir uns auf angesagte 13kt raumen Windes.
Wir verließen Törehamn mit gesetzter Genua und ließen uns flott Richtung Süden schieben. Die Vorhersage, zeigte uns dann wieder, wie genau sie hier oben ist – gar nicht. Wieder gab es 18kt, Böen bis 24kt. Gerade zwischen den Inseln gab es ordentliche Düseneffekte. Auch bekamen wir zum Abschluss unseren ersten Regentag und schlechte Sicht. Kurz vor der Einfahrt in das Fahrwasser Richtung Lulea beruhigte sich die Wetterlage wieder und wir konnten trocken im Hafen festmachen. Das letzte Mal die Fender ausbringen, festmachen, die Maschine stoppen.

Die letzten Tage in Lulea verbrachten wir mit einem Ausflug nach Gammelstad / Church Town und genossen das gerade stattfindende Stadtfest „Under Solen“ mit Livemusik und Tanz auf den Straßen der Innenstadt.

Um die Titelfrage nun zu beantworten: Auch wir im Süden haben (kleine) Wasserflächen (Rhein, Schluchsee oder auch den Bodensee) welche reichen sich mit Fernweh und dem Seglervirus zu infizieren.
Der Wunsch nach mehr Meer ist wohl umso größer, je weiter es von der eigenen Haustüre entfernt liegt.

Michael:
Ich habe nur wenig Segelerfahrung und habe natürlich sofort zugesagt als Chris mich gefragt hatte. Wenn man zu dritt unterwegs ist, ist das Platzangebot echt verschwenderisch. Der Aufwand bei Manövern ist dafür umso größer. Trotz unseren „Workouts“ bei Manövern oder im Hafen hatte ich eine unglaubliche gute Zeit. Die Atmosphäre, die Natur, die kitschigen Sonnenuntergänge, die Wolken undundund waren einfach unvergesslich und haben mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Christian:
Ich selbst war nun schon einige Male mit an Bord der Anuk, sowohl zum Segeln als auch zum Basteln. Es war für mich das erste Mal als Skipper im Salzwasser überhaupt, und ich danke Astrid und Uli für die Möglichkeit und das entgegengebrachte Vertrauen von Herzen.

Konrad:
Vater und Sohn zum 1. Mal auf großer Fahrt.

Segeln gehört in unserer Familie seit über 40 Jahren zum Leben. Viele Jahre war ich auf Jollen und Yachten unterwegs. In diesem Jahr habe ich meine kleine Hanse aus Alters- und Gesundheitsgründen verkauft. Ursprünglich sollte Christian das Boot übernehmen, doch seine Pläne gehen weit über die heimischen Gewässer hinaus – sein Traum ist das weltweite Segeln.

Für mich als Vater erscheint das wie ein großer Schritt. Nach unserem ersten gemeinsamen Törn kann ich jedoch mit voller Überzeugung sagen, dass ich ihn mir als Kapitän bestens vorstellen kann und traue es ihm zu. Sein seglerisches Können, sein Organisationstalent und seine Umsicht haben mich beeindruckt. Er hat meinen Segen – und ich beneide ihn ein wenig um die Möglichkeiten, die noch vor ihm liegen. Er sollte seinen Traum verwirklichen, solange er jung ist.

Viele Jahre mit der DHH-Kameradschaft Freiburg sowie zahlreiche Törns – von der Ostsee bis ins Mittelmeer – und die erworbenen Segelscheine, einschließlich des BK, haben mir die notwendige Erfahrung vermittelt. Deshalb fiel mir der Abschied vom aktiven Segeln besonders schwer.

Als Christian mich fragte, ob ich ihn auf einem Ostseetörn begleiten würde, war ich sofort begeistert. Mit 80 Jahren einmal mit meinem Sohn auf einer 47-Fuß-Yacht unterwegs zu sein, war etwas ganz Besonderes. Früher hatte ich selbst den Plan, die Ostsee links herum zu umrunden. Wegen Corona und gesundheitlicher Einschränkungen ließ sich dieser Plan nicht mehr umsetzen.

Nun gemeinsam mit Christian auf einer vertrauenserweckenden, sicheren und hervorragend ausgerüsteten Yacht unterwegs zu sein, begeisterte mich. Ich konnte gar nicht Nein sagen – zumal ich mich von seinen Fähigkeiten überzeugen wollte. Vertrauen und Stolz wuchsen.

Natürlich wünsche ich ihm nur das Allerbeste, und allzeit gute Fahrt bei der Verwirklichung seiner Ziele, verbunden mit einer guten Heimkehr.
Papa

Mjältön – Örnsköldsvik

Mjältön ist die Insel mit dem höchsten Berg in Schweden und da mussten wir natürlich rauf. Entlang des Wegs zur Sauna liefen wir erst mal in der falschen Richtung auf die andere Seite der Insel, sammelten alle einen Stein ein und stiegen gemeinsam mit ein paar Mücken auf die Spitze des Berges. Wir folgten damit der Tradition, auf diesen Berg zu steigen und dort einen Stein abzulegen. Raufgestiegen, getan. Ein weiterer schöner Segeltag brachte uns dann zum Höhepunkt der Reise, Schwedens schönster Insel Trysunda. Dabei folgten wir der Küstenlinie der Höga Kustan, der hohen Küste, die so heißt, weil sie – wie der Name schon verrät – direkt vom Meer hoch ansteigt. Und immer noch weiter steigt. Denn die Gegend lag in der letzten Eiszeit unter einer 3 km dicken Eisschicht und stieg an. Und steigt nach wie vor weiter, ca. 1 cm Jahr. Ein paar Häfen haben deshalb schon Probleme, in Häggvik sind seit ca. 1900 einige Meeresbuchten zu Binnenseen geworden. Die Landschaft ist geprägt durch Wälder, einzelne Ferienhäuser direkt am Meer und bewaldete Hügel mit einzelnen Wiesen. Dazu kommen viele kleine Inseln, manche bewohnt, die meisten nicht und viele Steine unter Wasser, die dank der Hebung des Landes nicht nur immer weiter auftauchen, sondern auch im Winter vom Eis versetzt werden, so dass solche Angaben auf Karten mit großer Vorsicht zu genießen sind.

Wenn Häggvik als Hafen eine 1 bekommen hat, dann hat Trysunda eine 1 mit einem halben Sternchen verdient, mit einem kleinen Abzug weil in einer der Duschen der Wasserdruck etwas niedrig ist und die Dusche sehr moderat Geld kostet. Trysunda war zur Zeit des Ersten Weltkriegs eine Abbaustätte von Vanadium, wovon man allerdings nicht mehr viel sieht, außer einer Dampfmaschine und einem Lokomobil, die mehr oder weniger an zufälligen Stellen im Wald stehen. Die Insel bietet dann noch mehrere wunderschöne Buchten, die sich theoretisch sehr gut zum Anschauen des sowieso sehr kurzen und nicht besonders dunklen Sonnenuntergangs eignen, nur leider finden das die Mücken auch. Deshalb fiel der Sundowner wieder aus, wir wären sonst zum Sundowner für die halbe Mückenpopulation der Insel geworden. Der Morgen brachte dann die Besteigung des höchsten Berges und wunderbaren Wind aus sogar halbwegs segelbarer Richtung, die allerdings nicht gereicht hat, um den Fjord vor Örnsköldsvik hineinzusegeln. Der Motor ging also noch auf See an und brachte uns zuverlässig nach Örnsköldsvik, wo unsere Reise am Samstag endet.

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang

Häggvik – Mjältön

Der Tag in Häggvik endete, blieb aber nicht der einzige. Zum einen hat der Hafen eine glatte Eins verdient – sauber, freundlich, sehr guter Standard, schöne Aussicht und dabei noch verhältnismäßig günstig. Zur 1 mit Sternchen fehlten der Sauna die Bedienungsanleitung und damit leider auch saunatypische Temperaturen. Zum anderen befindet sich dort das Freiluftmuseum Mannaminne, in dem der Künstler Anders Åberg verschiedenste Dinge aus aller Welt zusammengetragen hat. Von einer norwegischen Stabkirche über ein ungarisches Bauernhaus, mehreren Straßenbahnen, einem Trabi bis zu einem schwedischen Kampfflugzeug. Man könnte dort Stunden und vermutlich Tage verbringen, ohne alle zu durchdringen. Aber uns trieb es noch nach oben zu dem vorläufigen Höhepunkt der Reise, dem Stortorget mit einer phantastischen Aussicht über die Landschaft der Höga Kustan und die Anuk. Nach einem neuerlichen erfolglosen Versuch, die Sauna zu hohen Temperaturen zu überzeugen umrundeten Wolfgang und Susanne die Insel mit dem Schlauchboot. Am nächsten Morgen fügten wir den bisher eher spärlichen Segelstunden weitere mit dem Code Zero hinzu, der uns bei zwar schwachem und wenig stetigem Wind entlang der wunderschönen Küstenlinie auf die Insel Mjältön brachte. Dort erwartete uns eine mit Holz beheizte Sauna, die aber auch unter ihren Möglichkeiten blieb. Vielleicht, aber auch nur ganz vielleicht, hing das auch mit der Bedienung des Saunaofens zusammen, so dass die Liebe zur Sauna nicht gänzlich gegenseitig blieb. Auch diese Ankerbucht bot wunderbare Landschaft kombiniert mit perfektem Schutz vor dem sowieso nicht allzu starken Wind, so dass wir gerne länger bleiben würden. Nur würde das vermutlich die nächste Crew nicht allzu sehr schätzen…  

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang