Ablegen 5 Uhr 40, Wecker klingelt der böse Ton zum Aufstehn lieg in der Koje ganz geringelt Ich wollt, ich wär ein Ren: Dann könnt ich lassen und tun wonach mir die Sinne stehen Vielleicht eine Weile muhn oder ein bisschen gehen, die Nase in den Wind halten, zwischendurch was leckeres knabbern … so würd ich mir den Tag gestalten
Stattdessen … Augen auf, raus aus der Koje schnell in die Klamotten rein eine Person steht wie ne Boje steht mitten im Weg, kein … Durchkommen, Blockade unter Deck. Die Zeit, die Zeit rennt und rennt Mach Platz, geh endlich weg Irgendwie bin ich verklemmt wir ham doch wichtige Termine mit einem Schiffsbedarfs-Ausstatter oder ist es eine Ausstatterine? Oh, das Gendern … ratter ratter klappt zu dieser frühen Stunde auch nur so semi, Kopf noch aus Schwimmweste an, Blick in die Runde schnell auf das Deck hinaus Skipperin, was soll ich tun? Steh nutzlos in der Gegend rum und würd doch lieber weiter ruhn. Motor an, Leinen los, mach mich krum. … und wir fahren los …
6 Uhr Abgelegt Skipperin sagt, geh mal runter, mach uns Kaffee, mach uns munter Also, mach ich‘s, weil ich‘s kann den tricky Petroleum-Herd an. schau der Flamme verschlafen zu und sage leise ich zu mir „Muh!“
Unterwegs Kein Wind in Sicht, wird auch nicht kommen. Der Motor juckelt vor sich hin. Bin doch zum Segeln her gekommen, nicht, um auf ner Motoryacht zu sin! Kurs Süd-West, Autopilotin steuert halte Ausschau, gucke rum, Ob irgendwo irgendetwas läuert. Aber nix los auf dieser See, gucke dumm … … herum …
Weiter unterwegs Der Motor röhrt so vor sich hin Kühlwasser sprotzelt hinten raus Jetzt gibt’s sogar ein bisschen Wind. Zwei Segler vorn voraus. Die Briese ist nur seicht und schwach … aber … Ach … Es ist die falsche Richtung, die Segler*innen in Sichtung kommen uns entgegen sie haben – welch ein Segen – den Wind gemütlich von achtern.
Was würd ich dafür tun, führe uns der Kurs auch nordwärts Ich würd nicht mehr muhn, ohne diesen ganzen lauten Terz mit dem Motor-Geröhre … Und ick janz Berlina Göre sage wieder leise zu mir „Muh!“
Immernoch unterwegs Skipperin sagt, „wir ham Wind! Da könnten wir ja doch geschwind, das Groß befreien von der Persenning und ein, zwei Kreuzschläge probieren.“
Gesagt, getun, getan, getäten, ich strecke meine müden Gräten und bereite hoffnungsfroh, all das Nötige bevor. Als alles b‘reit war für den Wind, war der wie’n trotziges Kind wieder eingeschlafen … und weg … … wat für‘n Dreck. Und so röhrt der Motor weiter und ich überhaupt und gar nicht heiter, weiß nicht, was ich tu, sage leise zu mir „Muh!“
Hafenkino Da ham wa festgemacht an einer Pier. Und dann – oh Schreck – was sehen wir? Ein Kran! Und da kommt schon ein Boot Die letzte Lein‘ grad fest mit Knot. Wir müssen weg von hier, geschwind Und was macht jetzt der blöde Wind? Drückt die ANUK an die Pier. Wie kommen wir jetzt weg von hier? Skipperin überlegt, weiß genau, wie das jetzt geht: Um‘s Eck ist noch ein freier Steg Eine macht sich auf den Weg, mit einer laaaaaaangen Leine, um das Schiff herum zu ziehen.
Dann wird gezottelt und gezogen. Und ich sag es ungelogen, auch Rufe sind hier mit im Spiel, Gezogen wird nun wirklich viel Leinen lose, Leinen fest, Wind weiter aus Südwest Eine zweite Leine noch dazu. Und damit ist dann Flux im Nu mit Maschine und noch andern die ANUK am Wandern … zum Bestimmungssteg … bewegt
ANUK hat jetzt erstmal Pause … und Ruh! Wir sagen „Wat für ne Sause!“ … und „Puh!“
Im Reim-Rausch hatte Carola eigentlich vor, auch den Rest des Tages noch zu verdichten, aber es ging die Inspiration aus.
Als Nachtrag noch soviel: Wir konnten doch an dem Tag eine Stunde segeln (Muhn war also nicht mehr nötig!) Und am Ende des Tages fiel Ursula frisch aus der Sauna beim Übersteigen ins Wasser. Zum Glück hat sie sich dabei nicht verletzt. Der Bootsnachbar hat Ursula zum Aufwärmen zu einem Whisky eingeladen und wir anderen tranken auf den Schreck einen guten Rum von Lore und Peter, der eigens für die Reifung in Fässern über den Ozean geschippert wurde.
Anmerkung zu der Dichterei: Carola bittet im Zuge dichterischer Freiheit, zu akzeptieren, dass Rentiere zumindest Muh-ähnliche Geräusche machen könnten.
Trysunda ist eine beschauliche, wundervolle Ferieninsel. Wir lassen uns Zeit, durch den Wald zu laufen und alle Strände zu besuchen.
Tina und ich tauschen auf der ANUK an den WC-Pumpen noch die mit Urinstein zugesetzten Gummidichtungen und Ventile aus. Die Baustelle braucht mehr Zeit als gedacht. Während das WC achtern schnell wieder einsetzbar ist, wird uns das WC im vorderen Bad noch die nächsten Tage beschäftigen. Zwei Schrauben drehen durch, so dass sich die Pumpe nicht mehr befestigen und abdichten lässt. Die Baustelle muss unvollendet warten, gegen 18 Uhr legen wir ab und zwei Inseln weiter auf Mjältön in der Baggviken wieder an.
Am nächsten Tag wandern wir zum Gipfel – toller Weg, tolle Aussichten (seht euch die Bilder an!).
Nicht alle, denn Gunter läuft vor und landet woanders. Er besucht unfreiwillig noch andere Buchten, so dass wir etwas warten müssen. Ich nutze die Zeit zum Motorcheck und darf mir die Wartezeit mit Reparaturarbeiten vertreiben. Die Halterung des Dieselfilters ist gebrochen, so dass dieser unbemerkt abgefallen ist und zwischen Kabeln und Gaszug hing. Ließ sich mit Bordmitteln reparieren.
Um Ersatzteile für das Klo zu bekommen (und auch unsere Vorräte aufzufüllen) legen wir einen Zwischenstopp in Sundsvall ein. Der Einbau beschäftigt uns den ganzen nächsten Tag. Das Fußstück ist mit 4 Schrauben befestigt, von denen eine bereits abgerissen war und bei der Demontage noch eine zweite abreißt. Gegen Abend können Uta und ich Erfolg vermelden. Zwischenzeitlich war ich kurz davor, ein vermeintlich vernünftiges WC-Modell für 1800 € zu bestellen, statt mich zukünftig nochmal über ein Jabsco-WC ärgern zu müssen.
Die Höga Kusten sind wunderschön, das Wetter meint es gut mit uns. Leider fehlt uns die Zeit alle Inseln und Buchten zu besuchen. Wir verbringen noch 2 Abende mit Lore und Peter von der SY ORION. Es ist schön, sich unkompliziert zu treffen und zu plaudern. So nach und nach können fast alle Wünsche erfüllt werden: Funken, schwimmen, Blaubeeren essen, Sauna, Grillen.
Nächstes Ziel ist Haparanda, ein kleines Städtchen an der Grenze zu Finnland. Wir starten unter Motor, können etwas mit dem Genacker segeln und kommen gegen 21:30 Uhr an. Ankunftszeit ist egal … wird ja nicht dunkel. Auch hier gibt es am Hafen einen WoMo-Stellplatz mit zum Teil gigantischen Gefährten, halbe Häuser werden hier bewegt. Das alte Hafengebäude ist mit Self-Checkin: schriftliche Anleitung, Buch zum Eintragen, Karten-Terminal zur Überweisung der Liegegebühr. An der Decke hängen Vereinsstander von überall her. Der Hafen (Haparanda Havn) liegt rund 20 km westlich der Stadt. Wir fahren am nächsten Tag mit dem Bus in das kleine Städtchen. Es nieselt etwas, später kommt die Sonne durch. Ein Fluss trennt Haparanda von Tornio, der etwas größeren Stadt auf finnischer Seite. Beim ersten Grenzübertritt merken wir gar nicht, dass wir bereits drüben sind. Wir schlendern vor allem durch den finnischen Teil der Altstadt, ich besuche das Regionalmuseum, später treffen wir uns alle an der Strandbar und liegen auf großen Holzstühlen in der Sonne. Der 17:15 Uhr Bus bringt uns zurück zum Hafen. Der Plan, noch einen Ankerplatz anzulaufen wird verworfen. Wir verbringen einen gemütlichen Abend an Bord.
Am nächsten Morgen geht es früh los und wir segeln zurück bis kurz vor Luleå. Unsere angepeilte Bucht ist voll und zu eng, wir fahren daher weiter bis Junkön und finden einen guten Ankerplatz an der NE-Ecke. Auch hier war mir der Hafen bei 5-6 Bft zu voll und eng, um reinzufahren.
In den nächsten zwei Tagen machen wir einen großen Schlag gen Süden. Am ersten Tag müssen wir leider viel motoren, nachts erfreut uns der Sonnenuntergang mit großartigem Spektakel in verschiedensten Rottönen. Es sieht aus, als wenn der Himmel brennt. Danach frischt es auf und wir können mit gereffter Genua zügig segeln. Nach 188 sm erreichen wir Trysunda.
Die Crew für Etappe 5 reist auf unterschiedlichsten Wegen an und kommt nach und nach an Bord. Gunter und Carola sind schon ab Mittwoch Mittag da, erkunden Luleå und Umgebung. An diesem Wochenende findet ein Festival statt: Schon die Crew der Etappe 4 kam in den Genuss von verschiedensten Fahrgeschäften, Musik auf mehreren Bühnen und Ständen mit … Zeug, vor allem Fußball-Trikots.
Die ersten an Bord helfen die Deckwaschanlage in Betrieb zu nehmen, säubern die Ankerkette und ersetzen fehlende Markierungen. Später werden Lebensmittel und Getränke besorgt und verstaut. Montag sind wir startklar. Nach der Einweisung steuern wir erstmal die Tankstelle an und füllen den halbleeren Dieseltank auf. Auch wenn wir unbedingt viel Segeln wollen, ist es besser den Tank voll zu haben.
Ziel für den ersten Tag ist Töre. Bei Sonne und leichtem Wind segeln wir durch die Inselwelt. Ein toller erster Tag, bestes Eingewöhnungswetter. Rasmus bekommt den obligatorischen Schluck Rum und wir schließen den Gutwetterpakt. Den nördlichsten Punkt der Ostsee erreichen wir gegen 22:30. Für ein Selfie klettern alle auf die Tonne und jede/r posiert noch einzeln. ANUK wartet kurz angebunden geduldig und kurz nach 23 Uhr liegen wir dann am Steg außen an. Fast Mitternacht ist es hier, kurz unterhalb des Polarkreises noch immer taghell. Der Himmel leicht rosa eingefärbt.
Wie in vielen Häfen hier oben, ist der Töre Havn an einem Campingplatz gekoppelt. Am nächsten Morgen spricht Gunter mit einer Camperin, die ihm verwundert erzählte, „Am Abend zuvor hatte ein Schiff an so’ner großen Boje festgemacht hatte, und dann haben die da 20 Min Foto-Session gemacht. Leude gibt’s!“ 😉
Der Norden gefällt uns allen super. Schon nach kurzer Zeit bin ich wehmütig, denn von jetzt ab wird es nur noch südwärts gehen. Ich werde die hohen Breiten, die Landschaft, die entspannten Menschen hier vermissen.
E4: Örnsköldsvik – Lulea Skipper: Christian Crew: Michael und Konrad
Die Crew der E4 bestand aus drei Freiburgern, aus dem tiefsten Süden Deutschlands. Leider konnten wir für diese Etappe keine weiteren Mitglieder gewinnen, ob wegen Krankheit, Urlaubssperre oder anderweitigen Verpflichtungen, blieben wir zu dritt. Christian als Skipper, Konrad (Papa des Skippers) und Michael, ein Freund seit der Grundschule. Die Titelfrage wurde uns so oft, im immer gleichen Wortlaut, gestellt, wir beantworten diese gerne am Ende.
Am Sonntag, den 28.06., fanden wir die Anuk sehr gut vertäut im Hafen von Örnsköldsvik. Die Crew, zum ersten Mal auf der Anuk, erfreute sich an dem üppigen Platzangebot und den „Einzelkabinen“. Aufgrund von Gewittervorhersage und gleichzeitig fehlendem Wind, verbrachten wir den Montag noch mit Stadterkundung und einkaufen, sowie der Creweinweisung. Das vorhergesagte Gewitter entpuppte sich dann als „hohe Luftfeuchtigkeit“ und zweimal rumpeln am Abend. Dienstag früh ging es dann endlich los Richtung Küste. In einer Bucht bei Längholmen warfen wir den Anker. Hier konnten wir uns bereits auf die langen, bunten Sonnenuntergänge einstimmen, welche uns die ganze Reise begleiten sollten. Da die Wetterdienste nur sehr wenig Wind für die nächsten Tage vorhersagten, entschieden wir die Überfahrt nach Vasa nicht anzutreten und stattdessen an der schwedischen Küste gen Norden zu fahren.
Im nördlichen Hafen von Norrbyskär machten wir fest und erkundeten die Insel. Hier stand bereits ab 1750 ein Sägewerk. 1890 wurde dieses von F. Kempe übernommen, er vergrößerte das Sägewerk und erweiterte es um Kraftwerke und Wohnanlagen, welche die komplette Insel vereinnahmten und deren Überreste noch heute zu sehen sind. Die Wohnanlagen sind heute Ferienhäuser und eines der alten Kohlekraftwerke wurde zu einem kleinen Museum umgebaut.
Auf dem Weg nach Ratan machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp in Holmsund um unsere Vorräte aufzustocken, da wir für längere Zeit keine küstennahen Einkaufsmöglichkeiten ausfindig machen konnten. So mussten wir nur 1,4 km zum nächsten Coop marschieren. Der Hafen an sich war funktional und gut ausgestattet, das angrenzende Industriegebiet und die Bundesstraße waren dem Charme des Hafens aber nicht zuträglich.
Die Fahrt von Holmsund nach Ratan gestaltete sich als herrlicher Segeltag, wenn auch gegen den Wind. Mit einer kleinen Crew wurde der Tag, auf der Kreuz, zu einem ordentlichen Workout. Abends erreichten wir den wunderschön (einer der Schönsten) gelegenen Naturhafen von Ratan. Der Ort selbst zählt keine 100 Einwohner. Ca. 10 Yachten finden Platz am Pier des Hafens, wenn der Tankstellenbereich mitgenutzt wird. Mit dem Dingi setzten wir auf Rataskär, die vorgelagerte Insel, über. Ein Rundweg führte uns an den Überresten der alten Zollstation (Keller von 1770) , Steinkreisen und dem Leuchtturm vorbei. Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit der Crew der SY Baluu, welche auf dem Weg Richtung Süden waren. Im Gespräch über unser Ziel Törehamn und den Wetterbericht, empfahlen sie uns, direkt loszufahren und nicht den Wind am übernächsten Tag abzuwarten, da die Wettervorhersagen auch aus der Glaskugel stammen könnten. Die nächste Etappe sollte also ein großer Schlag inkl. Nachtfahrt nach Törehamn werden. Wenig Wind zum Start, auffrischend in der Nacht auf 13kt, drehend auf Ost, ließ auf einen angenehmen Abschnitt schließen, bei dem auch eine Nachtfahrt zu dritt gut möglich sein sollte.
Der Montag begrüßte uns um 01:00 noch mit einem schönen Sonnenaufgang bei gemütlichen 8-10kt Wind. Während er gegen 03:00h für 30min einschlief, frischte er danach merklich auf. Als der Skipper gerade 15min Schlaf hatte, wurde er nach oben gerufen. Es lagen 17kt Wind, steigend, an. Wir nahmen die Genua teilweise weg, holten sie kurz darauf ganz ein, als die ersten Böen >20kt eintrafen. Bei 18kt+ Wind und Böen bis 23kt wurde gegen 06:00h entschieden Richtung Lulea abzudrehen. Fehlende Wetterinformationen und die kleine Crew machten dies leider nötig. In der Bucht von Sandön vor Lulea ließen wir den Anker fallen und holten die verpasste Nachtruhe nach. Nach langem Abwägen entschieden wir uns, den Weg Richtung Törehamn und der gelben Posttonne am nächsten Tag, bei wenig Wind und mit der Aussicht auf viel motoren, anzutreten. Nach einer entspannten und ruhigen (abgesehen von der Maschine) Überfahrt nach Töre, rundeten wir gegen 16:30 die gelbe Posttonne in Törehamn 65°54.080‘N;022°39.087‘E. Glücklich und etwas wehleidig legten wir am Pier an. Glücklich unser, nördlichstes, Ziel erreicht zu haben – wehleidig, da ab hier nun jeder Kurs wieder Richtung Heimat zeigte. Kurzer Pulsanstieg wurde bei dem Skipper registriert, als das Echolot beim Anlegemanöver deutlich unter 2m fiel… Dank teils aufgeholtem Schwert und Jo’s üppig eingstellter Reserve auf dem Lot, bestand aber keine Gefahr einer Grundberührung.
Im Bistro des Campingplatzes gönnten wir uns ein Abendessen und erhielten unser Zertifikat für die Rundung der Tonne. Den Abend verbrachten wir mit der Crew der SY Raija bei gekühlten Getränken. Die erste Bemerkung, an Bord der Anuk lässt uns heute noch schmunzeln: „Erstaunlich wenig Katzenstreu hier…“, sie hatten zwei Katzen auf Ihrem Boot dabei. Törehamn bezauberte uns noch einmal mit einem herrlichen Sonnenuntergang im spiegelnden Wasser.
Für die Rückreise nach Lulea freuten wir uns auf angesagte 13kt raumen Windes. Wir verließen Törehamn mit gesetzter Genua und ließen uns flott Richtung Süden schieben. Die Vorhersage, zeigte uns dann wieder, wie genau sie hier oben ist – gar nicht. Wieder gab es 18kt, Böen bis 24kt. Gerade zwischen den Inseln gab es ordentliche Düseneffekte. Auch bekamen wir zum Abschluss unseren ersten Regentag und schlechte Sicht. Kurz vor der Einfahrt in das Fahrwasser Richtung Lulea beruhigte sich die Wetterlage wieder und wir konnten trocken im Hafen festmachen. Das letzte Mal die Fender ausbringen, festmachen, die Maschine stoppen.
Die letzten Tage in Lulea verbrachten wir mit einem Ausflug nach Gammelstad / Church Town und genossen das gerade stattfindende Stadtfest „Under Solen“ mit Livemusik und Tanz auf den Straßen der Innenstadt.
Um die Titelfrage nun zu beantworten: Auch wir im Süden haben (kleine) Wasserflächen (Rhein, Schluchsee oder auch den Bodensee) welche reichen sich mit Fernweh und dem Seglervirus zu infizieren. Der Wunsch nach mehr Meer ist wohl umso größer, je weiter es von der eigenen Haustüre entfernt liegt.
Michael: Ich habe nur wenig Segelerfahrung und habe natürlich sofort zugesagt als Chris mich gefragt hatte. Wenn man zu dritt unterwegs ist, ist das Platzangebot echt verschwenderisch. Der Aufwand bei Manövern ist dafür umso größer. Trotz unseren „Workouts“ bei Manövern oder im Hafen hatte ich eine unglaubliche gute Zeit. Die Atmosphäre, die Natur, die kitschigen Sonnenuntergänge, die Wolken undundund waren einfach unvergesslich und haben mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Christian: Ich selbst war nun schon einige Male mit an Bord der Anuk, sowohl zum Segeln als auch zum Basteln. Es war für mich das erste Mal als Skipper im Salzwasser überhaupt, und ich danke Astrid und Uli für die Möglichkeit und das entgegengebrachte Vertrauen von Herzen.
Konrad: Vater und Sohn zum 1. Mal auf großer Fahrt.
Segeln gehört in unserer Familie seit über 40 Jahren zum Leben. Viele Jahre war ich auf Jollen und Yachten unterwegs. In diesem Jahr habe ich meine kleine Hanse aus Alters- und Gesundheitsgründen verkauft. Ursprünglich sollte Christian das Boot übernehmen, doch seine Pläne gehen weit über die heimischen Gewässer hinaus – sein Traum ist das weltweite Segeln.
Für mich als Vater erscheint das wie ein großer Schritt. Nach unserem ersten gemeinsamen Törn kann ich jedoch mit voller Überzeugung sagen, dass ich ihn mir als Kapitän bestens vorstellen kann und traue es ihm zu. Sein seglerisches Können, sein Organisationstalent und seine Umsicht haben mich beeindruckt. Er hat meinen Segen – und ich beneide ihn ein wenig um die Möglichkeiten, die noch vor ihm liegen. Er sollte seinen Traum verwirklichen, solange er jung ist.
Viele Jahre mit der DHH-Kameradschaft Freiburg sowie zahlreiche Törns – von der Ostsee bis ins Mittelmeer – und die erworbenen Segelscheine, einschließlich des BK, haben mir die notwendige Erfahrung vermittelt. Deshalb fiel mir der Abschied vom aktiven Segeln besonders schwer.
Als Christian mich fragte, ob ich ihn auf einem Ostseetörn begleiten würde, war ich sofort begeistert. Mit 80 Jahren einmal mit meinem Sohn auf einer 47-Fuß-Yacht unterwegs zu sein, war etwas ganz Besonderes. Früher hatte ich selbst den Plan, die Ostsee links herum zu umrunden. Wegen Corona und gesundheitlicher Einschränkungen ließ sich dieser Plan nicht mehr umsetzen.
Nun gemeinsam mit Christian auf einer vertrauenserweckenden, sicheren und hervorragend ausgerüsteten Yacht unterwegs zu sein, begeisterte mich. Ich konnte gar nicht Nein sagen – zumal ich mich von seinen Fähigkeiten überzeugen wollte. Vertrauen und Stolz wuchsen.
Natürlich wünsche ich ihm nur das Allerbeste, und allzeit gute Fahrt bei der Verwirklichung seiner Ziele, verbunden mit einer guten Heimkehr. Papa
Mjältön ist die Insel mit dem höchsten Berg in Schweden und da mussten wir natürlich rauf. Entlang des Wegs zur Sauna liefen wir erst mal in der falschen Richtung auf die andere Seite der Insel, sammelten alle einen Stein ein und stiegen gemeinsam mit ein paar Mücken auf die Spitze des Berges. Wir folgten damit der Tradition, auf diesen Berg zu steigen und dort einen Stein abzulegen. Raufgestiegen, getan. Ein weiterer schöner Segeltag brachte uns dann zum Höhepunkt der Reise, Schwedens schönster Insel Trysunda. Dabei folgten wir der Küstenlinie der Höga Kustan, der hohen Küste, die so heißt, weil sie – wie der Name schon verrät – direkt vom Meer hoch ansteigt. Und immer noch weiter steigt. Denn die Gegend lag in der letzten Eiszeit unter einer 3 km dicken Eisschicht und stieg an. Und steigt nach wie vor weiter, ca. 1 cm Jahr. Ein paar Häfen haben deshalb schon Probleme, in Häggvik sind seit ca. 1900 einige Meeresbuchten zu Binnenseen geworden. Die Landschaft ist geprägt durch Wälder, einzelne Ferienhäuser direkt am Meer und bewaldete Hügel mit einzelnen Wiesen. Dazu kommen viele kleine Inseln, manche bewohnt, die meisten nicht und viele Steine unter Wasser, die dank der Hebung des Landes nicht nur immer weiter auftauchen, sondern auch im Winter vom Eis versetzt werden, so dass solche Angaben auf Karten mit großer Vorsicht zu genießen sind.
Wenn Häggvik als Hafen eine 1 bekommen hat, dann hat Trysunda eine 1 mit einem halben Sternchen verdient, mit einem kleinen Abzug weil in einer der Duschen der Wasserdruck etwas niedrig ist und die Dusche sehr moderat Geld kostet. Trysunda war zur Zeit des Ersten Weltkriegs eine Abbaustätte von Vanadium, wovon man allerdings nicht mehr viel sieht, außer einer Dampfmaschine und einem Lokomobil, die mehr oder weniger an zufälligen Stellen im Wald stehen. Die Insel bietet dann noch mehrere wunderschöne Buchten, die sich theoretisch sehr gut zum Anschauen des sowieso sehr kurzen und nicht besonders dunklen Sonnenuntergangs eignen, nur leider finden das die Mücken auch. Deshalb fiel der Sundowner wieder aus, wir wären sonst zum Sundowner für die halbe Mückenpopulation der Insel geworden. Der Morgen brachte dann die Besteigung des höchsten Berges und wunderbaren Wind aus sogar halbwegs segelbarer Richtung, die allerdings nicht gereicht hat, um den Fjord vor Örnsköldsvik hineinzusegeln. Der Motor ging also noch auf See an und brachte uns zuverlässig nach Örnsköldsvik, wo unsere Reise am Samstag endet.
Der Tag in Häggvik endete, blieb aber nicht der einzige. Zum einen hat der Hafen eine glatte Eins verdient – sauber, freundlich, sehr guter Standard, schöne Aussicht und dabei noch verhältnismäßig günstig. Zur 1 mit Sternchen fehlten der Sauna die Bedienungsanleitung und damit leider auch saunatypische Temperaturen. Zum anderen befindet sich dort das Freiluftmuseum Mannaminne, in dem der Künstler Anders Åberg verschiedenste Dinge aus aller Welt zusammengetragen hat. Von einer norwegischen Stabkirche über ein ungarisches Bauernhaus, mehreren Straßenbahnen, einem Trabi bis zu einem schwedischen Kampfflugzeug. Man könnte dort Stunden und vermutlich Tage verbringen, ohne alle zu durchdringen. Aber uns trieb es noch nach oben zu dem vorläufigen Höhepunkt der Reise, dem Stortorget mit einer phantastischen Aussicht über die Landschaft der Höga Kustan und die Anuk. Nach einem neuerlichen erfolglosen Versuch, die Sauna zu hohen Temperaturen zu überzeugen umrundeten Wolfgang und Susanne die Insel mit dem Schlauchboot. Am nächsten Morgen fügten wir den bisher eher spärlichen Segelstunden weitere mit dem Code Zero hinzu, der uns bei zwar schwachem und wenig stetigem Wind entlang der wunderschönen Küstenlinie auf die Insel Mjältön brachte. Dort erwartete uns eine mit Holz beheizte Sauna, die aber auch unter ihren Möglichkeiten blieb. Vielleicht, aber auch nur ganz vielleicht, hing das auch mit der Bedienung des Saunaofens zusammen, so dass die Liebe zur Sauna nicht gänzlich gegenseitig blieb. Auch diese Ankerbucht bot wunderbare Landschaft kombiniert mit perfektem Schutz vor dem sowieso nicht allzu starken Wind, so dass wir gerne länger bleiben würden. Nur würde das vermutlich die nächste Crew nicht allzu sehr schätzen…
Midsommar näherte sich schnell und so rasten wir dem in Aussicht genommenen Ziel Sundsvall, der nächsten größeren Stadt, entgegen. Dass wir diese nie erreichen würden war uns da noch nicht klar. Ein schöner Motortag bei Nordwind lag vor uns, die Sonne schien und am späten Nachmittag erreichten wir Galtström. Eine alte Eisenverarbeitungsfabrik, deren Kai mit Mitteln der EU zum Wohnmobilstellplatz und Anlegeplatz umgebaut wurde. Wir trafen dort auf einen Kanadier, der unsere Pläne, Midsommar in Sundsvall zu verbringen, zum Einsturz brachte – so toll sollte das nicht sein. Er musste es wissen, er kam schließlich von da und seine Frau war gerade erst für Midsommar mit dem Rennrad von Sundsvall nach Galtström gefahren. Also blieben wir auch noch den nächsten Tag. In Galtström gibt es nicht nur den alten Anleger, sondern die Eisenhütte war zu einem Freiluftmuseum umgebaut worden, mit gar nicht so kleinem Restaurant. Dort wurde Musik gespielt, getanzt und so blieben wir an Midsommar dort und schauten uns das bunte Treiben der aufgeputzten Schwedinnen und Schweden an. Mittanzen wollte dann aber doch niemand von uns. Am Nachmittag brachen wir noch mit dem Schlauchboot zum benachbarten Hafen des Svenska Kryssarklubben auf einer kleinen Insel auf, wo sich schwedische Segler aus der Umgebung zu Midsommar treffen. Ein ortsansässiger Schwede gab uns dann noch Tips für die besten Häfen und Ankerbuchten bis nach Örnsköldsvik – diese deckten sich auffällig mit unseren Plänen nach Lektüre des Hafenführers. Nach Midsommar kam dann nicht nur Wind auf, sondern dieser kam auch noch aus der richtigen Richtung, so dass wir endlich mal einen Tag bei Vorwind und angenehmen Temperaturen an den falschen Ort segeln konnten. Härnösand stand – vollkommen zu recht, wie sich herausstellte – nicht auf der Liste der empfohlenen Orte, konnte aber mit frischem Essen und frischem Brot glänzen. Das konnten die übrigen Buchten der nächsten Zeit leider nicht und unsere Vorräte gaben das auch nicht mehr her. Nicht glänzen konnten wir mit dem Anlegemanöver mit Heckboje bei stark böigem Seitenwind – nach ungefähr 7 Versuchen mit einem dreimal an der Boje gebliebenen Bojenhaken vor vielen neugierigen Zuschauern haben wir es dann doch geschafft. Ansonsten haben wir dort Astrid getroffen (siehe Foto) und so schnell wie möglich am nächsten Morgen die Flucht ergriffen. Die führte uns über die sehr schöne Bucht von Lustholmen und die ebenso schöne und geschützte Bucht von Lövvik in das in alle Richtungen geschützte Häggvik. Die einzige ungeschützte Richtung erwischte uns dann mit einem heftigen Schauer von oben. Der Tag endete mit einem längeren Besuch in der Hafensauna, die wir ganz für uns allein hatten.
Die Crew (Karin, Susanne, Norbert und Bernhard) und der Skipper (Wolfgang) trafen sich zwar auf dem gleichen Weg, aber am Sonntag und Montag zu unterschiedlichen Zeiten in Hudiksvall. Susanne und Karin wurden in Stockholm Zeuginnen des 50. Hochzeitstags des schwedischen Königspaars, inklusive vieler Soldaten in Paradeuniformen und eines Konzerts. In Hudiksvall empfing uns einerseits die Anuk, andererseits aber schlechtes Wetter, so dass wir am Dienstag noch mal die Metropole erkundet und die Vorräte aufgefüllt haben. Am Mittwoch schien endlich die Sonne, Wind blies zumindest anfänglich ein bisschen und so hieß es schließlich Leinen lösen, Motor starten und Segel setzen. Bis uns nach nicht mal einer Stunde eine Kiesbank nach der ersten Halse unerwartet bremste und den Schwenkkiel nach oben schob. Anuk ließ sich ohne weiteres und ohne Schäden befreien, der Kiel blieb aber oben und ließ sich weder mit freundlichen Worten noch mit Gewalt überreden, sich wieder nach unten zu bewegen. Das wirkte sich weder besonders positiv auf die Kursstabilität noch auf die Stimmung des Skippers aus, Anuk fuhr danach eher Schlangenlinien. Nachdem auch noch der Wind auf Nord drehte und langsam einschlief, sind wir ohne weitere Ereignisse bei perfektem Wetter unter Motor an der wunderschönen Küste nach Mellanfjärden gefahren.
Nach dem Anlegen machten sich Wolfgang und Norbert an die Ursachensuche und die Behebung. Susanne und Bernhard versuchten, mit der an einem Bootshaken befestigten GoPro und dem Dinghi Aufnahmen vom Unterwasserschiff zu machen, aber vergebens. Es ließ sich auf den doch eher grünen Videos nichts erkennen. Dafür konnten Wolfgang und Norbert von oben in den Kielkasten schauen und fanden die Ursache dann doch. Und diese überraschte uns doch sehr. Bei der unfreiwilligen Begegnung mit der Kiesbank hatten sich zwei Steine, jeder auf einer Seite, zwischen den Kiel und den Kielkasten geklemmt und jede Bewegung des Kiels verhindert. Mit Bordmitteln wurden die Steine wieder ins Wasser befördert (auf 4m Tiefe) und schon ließ sich der Kiel wieder einwandfrei bewegen.
Daraufhin hatten wir uns unseren Anleger auch wirklich verdient.