Die verlassenden Siedlungen Grönlands

Wenn man sich langsam entlang der Fjorde Grönlands schlängelt, entdeckt man immer wieder Siedlungen, welche scheinbar unnachvollziehbar und spontan verlassen wurden. Teilweise handelt es sich um nur sehr wenige eingestürzte und überwachsende Häuserreste. Manchmal um stabile Bauten inklusive großer Überreste der Innenausstattung, die unter anderem noch als Sommerhäuser genutzt werden. So lassen sich Öfen, Betten, Schränke und Tische finden, welche noch immer einen mehr oder weniger verlässlichen Eindruck hinterlassen.

Um den Hintergrund dieser verlassenden Siedlungen nachvollziehen zu können, muss man einen Blick in die Zeit des europäischen Kolonialismus werfen. 

Im 16. und 17. Jahrhundert beschränkten sich die Handelspartner der Inuit noch auf wenige europäische Händler. Im Jahr 1721 erreichte dann der vom Dänisch-Norwegischen König gesandte Missionar Hans Egede die West Küste Grönlands, wo er sein Lager (die heutige Hauptstadt Nuuk) errichtete und die Zeit Grönlands als Kolonie einläutete. Auch heute ist er noch bei vielen jungen Einheimischen bekannt, da seine Ankunft den Startpunkt einer Verarmung und Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung markiert. Das Handelsmonopol erlangte Dänemark schließlich mit der Gründung des Royal Greenland Trading Departments 1774. Und ab 1814 wurde Grönland formal zur dänischen Kolonie. Dabei bedienten sie sich der begehrten Waren, wie Felle und Elfenbein, missionierten die Bevölkerung und brachten Krankheiten und Alkohol. 

Die Machtverhältnisse änderten sich erst wieder im Zweiten Weltkrieg, als Dänemark 1940 von Deutschland besetzt wurde und die USA die „Versorgung“ Grönlands übernahmen. Dafür bauten diese Militärflughäfen und bereicherten sich am, für die Aluminiumproduktion wichtigen, Kryolith-Vorkommen Grönlands. Erst nach Ende des Krieges übernahm Dänemark wieder die Machtposition, gab ihre passive Regierungsweise aber schließlich unter dem Druck der UNO auf. Mit dem neuen dänischen Grundgesetz, welches 1953 verabschiedet wurde, galt Grönland nun nicht mehr als Kolonie, sondern als Teil des dänischen Staates mit Abgeordneten im Parlament. 

Dänemark befand sich nun in der Pflicht die Lebensverhältnisse anzupassen, wofür schließlich der Entwicklungsplan G-60 erlassen wurde. Der Bau neuer Schulen, Krankenhäuser und Häfen begann. Eine besonders große Veränderung durchlief dabei vor allem die Fischindustrie. 

Was auf den ersten Blick wie ein einziger Gewinn für Grönland wirkt, brachte auf der anderen Seite viele negative Effekte mit sich. Das durch Wetter und Jahreszeiten bestimmte Leben der Inuit wurde nun für viele durch einen von der Stechuhr geregelten Arbeitstag in der Fischfabrik ersetzt. Die Folgen der sich schnell änderten Lebensbedingungen der Inuit waren eine Vielzahl sozialer Probleme, wie zunehmender Alkoholismus, Gewalt sowie ein Anstieg der Selbstmordrate.

Die neuen Fischfabriken gab es oft nur in den größeren Orten, sodass immer mehr Menschen die kleineren Siedlungen verließen, um Arbeit in dem sich wechselnden System zu finden. Kleinere Siedlungen wurden auch aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben und verödeten schnell. Noch im 20 Jahrhundert schmückten rund 200 Siedlungen die Fjorde Grönlands. Heute beschränkt sich diese Zahl auf 80. 

Auf unserer Reise sahen wir beide Richtungen, in welche sich diese Veränderung bemerkbar macht. So trafen wir auf sehr kleine Siedlungen wie Kangerluq am Diskofjord, welche nur noch zwölf Einwohner zählten und wir uns fragten, wann auch dieser Ort endgültig verlassen sein wird. Auf der anderen Seite überraschte uns Søndre Upernavik. Auf unserem Rundgang machte der Ort einen lebhaften Eindruck auf uns und wir kamen mit den Einwohnern ins Gespräch. Einer der Dorflehrer erzählte uns, dass an der Dorfschule 40 Schüler und Schülerinnen von sieben Lehrern unterrichtet werden, was bei 200 Einwohnern eine beachtliche Zahl darstellt. 

Doch bei einem Blick auf die rasant wachsende Hauptstadt Nuuk, rund 1000 Menschen ziehen hier jedes Jahr dazu, können wir uns vorstellen, dass auch in Zukunft noch viele weitere Siedlungen von ihren Einwohnern verlassen werden. 

Text: Nico

Søndre Upernavik
Nuuk Bauaktivitäten

Wanderungen

Segeln ist toll. Eigentlich. In den hohen Breiten gibt es jedoch nicht immer Gelegenheit dazu. Flaute, Eis und unsichere Wassertiefen sind oft der Grund dafür, dass wir durch die großartige arktische Landschaft motoren und faul im Cockpit rumlungern, lesen oder schlafen. Oder wir (zumindest Graham und ich) klettern in Gedanken an steilen Felswänden hoch und machen Erstbesteigungen der unzähligen Gipfel. Um nicht ganz einzurosten und zu versteifen, unternehmen wir kleinere und größere Wanderungen. Üblicherweise besteige ich gerne den Hausberg einer Ankerbucht. Das geht hier nicht immer, da die Hausberge oft viel zu steil und hoch sind. In diesem Beitrag nehme ich auf drei ganz unterschiedliche Wanderungen mit:

Vom Inlandeis nach Kangerlussuaq
Den Transfer zum Point 660 (auf dem Ice Shield) habe ich schon von Berlin aus gebucht. Ein gelbes 4WD „Taxi“ bringt uns über die Schotterpiste an die Eiskante. Die Fahrt dauert rund 2 Std für 37,5 km, der Fahrer (ein junger Färinger) erzählt uns ein bisschen was über die Gegend und zeigt uns ein Flugzeugwrack. Es regnet in Strömen, nicht gerade ideal für unsere geplante Tour aber nicht zu ändern. Wir wandern und rutschen staunend über den grauen Ausläufer des Inlandeises. Wir besteigen einen Hügel und essen zum Mittag ein Snickers. Dann schultern wir die Rucksäcke und ziehen los. Am ersten Tag haben wir nach nur 6,8 km unser Tagesziel erreicht und nutzen eine Regenpause, um die Zelte aufzubauen. Nico und ich ziehen nochmal los, queren einige Bäche und besteigen Hügel mit toller Aussicht auf die Landschaft und die Eiskante. Zum Abendessen gibt es Expeditionsnahrung von LYO (echt lecker!).

Am 2. Tag regnet es kaum noch, wir sehen Rentiere und besuchen den Russel Gletscher. Bisher sind wir auf der Schotterpiste oder in der Nähe verlaufenden Pfaden gewandert. Nun wählen wir eine Route um den See Aajuisup Tasia herum. Am Abend dauert es etwas, bis wir einen halbwegs geeigneten Platz gefunden haben, um die Zelte aufzustellen. Entweder ist es zu nass, zu steil oder zu bewachsen. Bäume (Polarweise) und Krautzeug sind zwar nicht hoch, aber widerspenstig. Am Berghang ziehen Moschusochsen vorbei.
Am 3. Und 4. Tag wandern wir größtenteils entlang der eingezeichneten Routen aber ohne Wege und Pfade über die Weiten der arktischen Tundra und einige Berge. Die Anstiege sind teils super steil, später können wir lange auf dem Bergrücken auf und ab Wandern und die tolle Aussicht genießen. Meist scheint die Sonne, oft können wir im T-Shirt laufen. Die Tagesetappen sind 17,9 / 18,5 / 11,9 km lang. Insgesamt legen wir rund 55 km in 3,5 Tage zurück. Als Verpflegung hatten wir Suppen, Trockenfrüchte und Hauptgerichte von LYO sowie Müsli, Snickers, Nussmischungen, Kaffee und Tee dabei. Bäche mit Schmelzwasser gab es unterwegs immer genug. Das Essen hat gereicht, war aber knapp. Zurück im Hostel kochen Yannick und Nico eine Riesenportion Nudeln mit Tomaten-Paprika-Soße, die uns alle gut sättigt und die verlorenen Kalorien auffüllt. Dazu gibt es etwas Bier, zischt und schmeckt köstlich.


Sanderson‘s Hope
„Sanderson his Hope of a North-West Passage“ ist ein 1042 m hoher Berg, der 1587 von John Davis gesichtet und beschrieben wurde. Die Einheimischen nennen ihn Kaersorsuak. Die Erstbesteigung fand 1934 statt. In unserem Revierführer steht ganz lapidar „Temporary anchorage (…) giving access to a walking ascent of Sanderson’s Hope from the N side“. Da wir zum einen keine Kletterausrüstung dabeihaben und zum anderen alle gar nicht in der Lage wären die steile Wand hoch zu klettern, freuen wir uns auf eine hoffentlich entspannte Wanderung auf den imposanten Berggipfel (1042 m hoch). Wir erkunden den beschriebenen Ankerplatz an einer Bachmündung, ankern in einer geschützten Bucht an der Insel gegenüber und brechen am nächsten Tag halbwegs früh auf.

Graham meldet sich morgens krank, Yannick bleibt lieber mit Uli an Bord also sind wir noch zu dritt. Nico, Jörg und ich packen einen Rucksack mit reichlich Verpflegung voll, nehmen Signalmunition und UKW-Funke mit und lassen uns von Yannick am Ufer absetzen. Zum Einstieg gibt es eine kleine Kletterei, dann können wir die erste Bergkuppe über einen bewachsenem Rücken gut erreichen. Danach geht es über Geröll und Blocksteine entweder steil hinauf oder am Hang entlang. Zwei noch vereiste Bergseen kommen nacheinander in Sicht.

Wir kommen nur langsam voran, oft auf allen Vieren und blicken skeptisch nach vorne. Leider bestätigen sich die Befürchtungen. Die nächste Schneise können wir nicht überwinden, alles viel zu steil. Auf der anderen Seite sieht es zwar besser aus, aber da kommen wir ohne Ausrüstung nicht sicher hin. Sanderson‘s Hope fällt damit aus. Der benachbarte Berg auf dem wir stehen ist zwar nur knapp 500 m hoch, aber die Aussicht ist trotzdem toll. Im Norden die See, mit einzelnen Eisbergen. Im Süden ein Tal mit Seen und dahinter wieder Fjorde und Sunde. Zurück nehmen wir eine etwas andere Route. Trotzdem ist der Abstieg anstrengend. Das steinige Gelände beansprucht die Knie und verlangt ständige Konzentration. Später können wir auf die kleine ANUK hinabschauen. Um halb 4 sind wir zurück an Bord. Ich nehme ein Bad im hier doch recht kühlen Meer und trockne in der warmen Sonne. Danach motoren wir eine Insel weiter in die Bucht Torssuit auf Atiligssuaq.


Abendspaziergang
Gleich am nächsten Tag brechen Yannick, Nico und ich nach dem Abendessen zu einem (wie wir denken) kurzen Abendspaziergang auf. Wir ankern in einer sehr gut geschützten Bucht am Ende des Fjords Taserssuatsiaq. Ziel ist ein Bergkamm hinter unser Ankerbucht, von dem aus wir uns das Inlandeis aus der Ferne ansehen wollen. Die Landschaft am Ufer überrascht uns. Eine seltsame Mischung aus unnatürlich wirkenden Hügeln (sehen aus Abraumhalden), Blumenwiesen, tiefen Bachtälern und Mooswiesen mit dicken Blocksteinen. Auf den Mooswiesen läuft es sich ganz gut, aber wir kommen unserem Ziel kaum näher. Immer wenn wir eine Kuppe erreicht haben, geht es danach noch weiter hoch. Das nimmt kein Ende, folglich können wir den Kamm nicht erreichen. Wir geben auf und kehren um, ohne das Inlandeis gesehen zu haben. Das ist sehr frustrierend. Die Sicht ist unglaublich gut, so dass sich die Entfernungen nicht einschätzen lassen. Vom Schiff aus sah der Hausberg ganz nah aus, an Land dann liegt er in unerreichbarer Ferne (zumindest wenn wir ihn mit einem Abendspaziergang erreichen wollen).

Text: Astrid + Thomas (Wanderung 1)

Ankunft in Upernavik

Nach 2 Tagen mit etwas trüben Wetter freuen wir uns heute wieder über blauen Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen.

In der letzten Ankerbucht gab es wieder einen wundervollen Rundumblick. Gut ist, dass andere die Ankerbuchten erkundet haben und der Revierführer gute Beschreibungen enthält. Wir arbeiten uns mit langsamer Fahrt vorbei an Unterwassersteinen bis zum hinteren Teil, der letzten von 3 Buchten vor.
An Land gibt es wieder Angelhütten. Eine ist ziemlich zerfallen und zugemüllt, die andere noch leidlich in Ordnung. Landgangcrew Nr. 1 besteigt den Berg vor ANUK und lässt Felsblöcke wie ein Troll den Berg hinab kullern. Dass andere getroffen werden ist ausgeschlossen, da wir wirklich alleine sind, so wie bisher in allen Ankerbuchten. Mein Abendspaziergang geht hoch hinaus auf den Hausberg am Heck der ANUK. Das Erklimmen der Berge als Ersatz für Drohnenflüge macht Spaß und hält fit. Der Blick von oben belohnt!

Südseite
Nordseite

Wir feiern Olafs Geburtstag nachträglich, denn er hat uns dann doch verraten, dass er gestern seinen 59. Geburtstag hatte. Uli backt einen Schokoladenkuchen und dann gleich noch zwei Brote. Danach gibt es noch eine Runde Doppelkopf mit einem Kamikaze Sieg von Yann-Nico zum Abschluss. Die neu in das Spiel Eingeweihten blicken so langsam durch, werden mutiger und sind im Doppelpack ein ernst zu nehmender Gegner.

Heute früh sind wir kurz nach acht gestartet. Anker auf bei Nieselregen. Heißer Kaffeewärmt die klammen Finger, später gibt es Frühstück mit selbstgebackenem Brot von Uli. Dann klart der Tag auf und entwickelt sich prächtig. Wir machen einen kleinen Umweg am Vogelfelsen „Agparssuit“ an der Südseite von Qaersorssuaq vorbei. Der Felsen ist beeindruckend, die steil aufragenden Felsen sind überall wo dies möglich ist mit Dickschnabellummen und Eissturmvögeln besetzt.

Unser Tagesziel, eine Ankerbucht gegenüber von Upernavik, erreichen wir gegen 17 Uhr. Der Anker fällt bei rund 10 m Wassertiefe, der Grund ist noch so eben zu sehen. Achteraus mit etwas Abstand liegt ein dicker Stein unter der Wasseroberfläche. Ich schicke Yannick und Nico mit dem Dinghy los, um unsere Schwojkreis auszuloten und zu angeln. Bisher hatten wir kein Glück, aber diesmal klappt es auf Anhieb. Nach wenigen Minuten wird der erste Dorsch angelandet. Die beiden kündigen an, dass sie noch einen zweiten holen und erledigen dies auch sofort. Dorsch Nr. 2 ist noch dicker, beiden zusammen reichen für‘s Abendessen.

Während ich hier schreibe, gibt es erst als Vorspeise Poisson Cru (roher Fisch mit Kokos, Limette und Zwiebel, diesmal ohne Knoblauch) und der Fisch wird gleich gebraten. Für Thomas und Olaf ist es heute der letzte Abend an Bord. Zum Abschluss springt Olaf ins Wasser, immerhin 3,5°C, und trinkt dort sein Ankerbier.

Text: Astrid

Endlich wieder Grönland – der erste Eisberg

Seit sechs Tagen sind wir unterwegs. Das Warten hat sich gelohnt, wir haben gute Wetterbedingungen. Die erste Nacht war die kälteste mit 2° C. Ansonsten viel Sonne, selten Regen. Das Thermometer im Doghouse zeigt bis zu 14° C an.
Eine Nacht mit Südwind 7 Bft. laufen wir bequem unter Fock. 
Immer wieder sehen wir Wale und Delfine. 
Heute ist es wieder sonnig mit guter Sicht. ANUK gleitet mit raumen Wind unter Genua dahin. 
Und Bernd sichtet am Horizont den ersten Eisberg der Saison. Weit weg aber zu erkennen.

Morgen werden wir vor der Küste mit mehr Eis rechnen müssen. Leider ist Nebel angesagt. Immerhin wird es nachts nicht mehr richtig dunkel.  
Ansonsten hat sich das Bordleben und Rhythmus eingespielt in der dreier Crew. 
Wir freuen uns über die entspannte Fahrt unter guten Bedingungen und hoffen es bleibt die letzten 1,5 Tage weiter so. 

Text: ULI

Golfstrom – zum Zweiten

Montag sind wir morgens nach dem Ausklarieren zu Zweit gestartet. Für Corinna wird es zeitlich zu knapp. Sie fliegt nach Deutschland zurück.
Pünktlich zum Ablegen hört es auf zu regnen und die Sonne scheint. Wir freuen uns noch einmal über das türkis blaue Wasser zu gleiten.

Heute ist Tag vier. Die nächste Nacht wird spannend werden. Ein neues Tief zieht von Cap Hatteras nach E bzw. NE und bringt viel Wind mit. Wir sind seit dem Start am Wetterberichte verfolgen und am Überlegen auf welcher Route wir am wenigsten abbekommen.
Till und ich haben uns für ein Ausweichen Richtung Norden entschieden. Und wir versuchen so schnell wie möglich zu sein. Die letzten 1,5 Tage motoren wir viel, es ist schwachwindig. Zum Glück waren die letzten Nächte sehr ruhig, so konnten wir ausreichend schlafen. Der blutige Vollmund bot dabei ausreichend Licht in der Nacht und ein zusätzlich schönes Bild. 

Was für ein Kontrast: Schwacher Wind, Temperaturen von 25° C. In der nächsten Nacht wird der Wind innerhalb weniger Stunden auf 30-35 kn zunehmen (hoffentlich nicht noch mehr) und die Temperaturen werden auf unter 10° C fallen. Dazu natürlich ordentlich Regen. Fühlt sich so an als wenn man von Sommer direkt auf Winter wechselt.

Bei mir kommen Erinnerungen an April 2005 hoch. Meine erste Golfstrom Erfahrung mit Astrid zusammen. Wir waren damals auf den Bahamas gestartet und hatten es nicht rechtzeitig vor dem nächsten Tief geschafft, dass sich an Cap Hatteras gebildet hatte. Damals haben wir auf der LUNA außerhalb des Golfstroms bei bis zu 9 Bft draußen gewartet und sind erst nach demüTief durch den Golfstrom. 7 m Wellenhöhe mit Wind gegen Strom war uns zu riskant.

Auf ähnliche Bedingungen stoßen Till und ich jetzt auch.  Auf direktem Kurs drohen in Böen bis zu 50 kn Wind aus Nord, also wieder Wind gegen Strom Bedingungen. Darauf verzichte ich gerne  wieder, auch wenn er Golfstrom hier etwas schwächer ist. Diesmal klappt es hoffentlich wieder das Schlimmste zu umfahren. Auch wenn wir wenig elegant unter Segel und Motor unterwegs sind. 

Im Moment sind wir im Golfstrom: Wassertemperatur auf 24° C gestiegen, wechselnde Strömung, zurzeit reduziert der Strom unsere Fahrt um über einen Knoten.
Morgen Abend ist das Spektakel hoffentlich vorbei.

Text: Uli

Alltag auf See

Wir sind jetzt seit neun Tagen unterwegs. Gestern irgendwann haben wir die halbe Strecke geschafft, gut 1200 nm.
Langweilig ist es uns bisher nicht. Nur kurz beschlich Helga ein Anflug von Langeweile. Das hatte sich aber schnell erledigt, nachdem sie Werkzeug putzen und pflegen durfte. Vermutlich wird es auch nicht wieder vorkommen.

Captain ULI vertreibt sich die Zeit mit Klopumpe (jetzt ist sie wieder dicht und es steht kein Wasser mehr in der Schüssel). Der Petroleum-Herd ist auch immer gut zum Zeit vertreiben.
Nach zwei Jahren Nutzung war das Fahrradventil am Tank zum Aufpumpen des Drucks abgebrochen. Ersatz ist an Bord, also theoretisch kein Problem. Leider verliert der Tank zügig den Druck, das Abendessen wird mit Dauerpumpen gekocht. Heute früh mit Tageslicht versucht ULI es weiter. Den Fehler findet sie dann immerhin. Das Ventil sitzt korrekt und ist dicht. Nur schließt es nicht, sobald der Pumpenschlauch angeschlossen ist. Warum auch immer. Jetzt muss halt einer immer den Schlauch halten und ein Zweiter pumpen. 
Zur Belohnung gibt es frischen Kaffee und Porridge.

Wir freuen uns auch über Regenschauer, die ihren Namen verdienen. ANUK wird etwas vom Saharasand befreit. Braune Brühe verschwindet in der See. Bis das Rigg sauber ist, braucht es aber noch deutlich mehr Nass von oben. Noch immer ist es 28° C warm.

Und jetzt warten wir auf Wind und Till freut sich auf hohe Wellen. Vielleicht gibt es heute Abend endlich selbst gefangenen Fisch.

Text: alle

Die Tage gleiten dahin

Mittlerweile laufen wir seit sechs Tagen mit NE Wind auf direktem Kurs Richtung Bermudas. Wind und Wellen sind etwas weniger geworden, unsere Tages-Etmale liegen zwischen 140 und 150 nm. Die Crew hat sich an das Schaukeln und den Wachrhythmus gewöhnt. Schlafen, Essen, Wache gehen (mit Vollmond).
Zur Abwechslung gibt es ab und zu Frachter (einer auf Kollisionskurs, er musste ausweichen), Delfine sowie heute Wale (Die Crew und die Captain sind sich nicht einig. Die Captain tippt auf großen Delfine.).
Gelegentlich gibt es etwas Regen, eine gern genommene Abkühlung bei Temperaturen von knapp 30° C.

Die nächsten Tage soll es so bleiben, …

Text: Uli

Eine Woche Meer

Am fünften Tag auf dem Atlantik, mit allen Windrichtungen und verschiedenen Wetterbedingungen, sind wir gesund und guter Stimmung an Bord. Digitales Detox, kein Empfang, dafür umso mehr magische Naturerlebnisse. Mehrmals haben uns Delfine begleitet, spielend in der Bugwelle. Nach „stürmischer“ regnerischer Nacht sitzen wir wieder in der Sonne und schaukeln mit achterlichem Wind Richtung Süden.

Text: Christian, Gerda, Kai, Helga, Uli, Betty

Go East

Strahlend blauer Himmel, gut 20° C 
ANUK rauscht bei halbem Wind über die Wellen. Das ist Segeln vom Feinsten.
Nach der insgesamt dritten Nacht auf See hat sich der Bordrhythmus mit der neuen Crew eingespielt.
Gestern war es etwas ruppiger mit 6 Bft, die See hat sich aber schnell beruhigt.
Leider gab es bisher weder Wale noch Delphine zu sehen. Jetzt gerade passiert uns auf Gegenkurs mit 1,3 sm Abstand der Kreuzfahrer „Sky Princess“, 330 m lang mit Ziel Ponta Delgado. Gut, dass wir da weg sind. Uns überrascht wieviele Kreuzfahrtschiffe um diese Jahreszeit die Azoren ansteuern. Vielleicht sind das die Preisschnäppchen „Überführungsfahrt“.

Wir freuen uns auf weitere entspannte Tage und hoffen, dass wir nicht zu lange Motoren müssen.
Die Hoffnung auf Wale haben wir auch noch nicht aufgegeben.

Text: Uli

Ab in den Süden – Azoren voraus

Was für ein Kontrast: es ist schwül und warm, auch nachts reicht die kurze Hose. ANUK läuft unter gerefften ansegeln mit 7 kn angenehm über die Wellen. Kein Vergleich zu 8 Bft. gegenan und 7 m Wellenhöhe. Zugegeben, der Süden hat auch ein paar Vorteile. Predict Wind Weatherrouting gibt noch
24 h Motorunterstützung an. Etwas Schwachwind werden wir noch bekommen. Die letzte Flaute wurde begeistert für ein Bad im tief blauen ca. 4000 m tiefen Atlantik genutzt. Dafür sind wir zurzeit wieder zu schnell. 

Irgendwann heute haben wir Bergfest, dann ist die Hälfte der Strecke geschafft. 

Text: Uli 

Es ist Samstag, der Sommer in Hamburg nimmt sein Ende und es erreicht mich die Nachricht von meiner lieben Cousine Ulrike, ob ich Zeit und Lust habe in 5 Tagen in La Coruña zu sein und als vierte Kraft an Bord Richtung Azoren zu segeln. Freudig bejahe ich das und bin tatsächlich fünf Tage später in dieser netten Stadt an der spanischen Atlantikküste und nach weiteren 14 Stunden auch schon auf dem Atlantik, meine erste Blauwasser-Segelerfahrung steht früher als erhofft an. Im Morgengrauen verlassen wir im Nebel das Hafenbecken der Marina Coruña, ein Delfin begleitet uns, es ist sehr ruhig. Etwa die ersten beiden Tage schippern wir mit Motor rum. Der Sprung in die atlantische Badewanne erweckt immer mehr den Eindruck einer sehr exklusiven Kreuzfahrt – natürlich frei von der moralischen Qual der Umweltverschmutzung, damit wir auch weiterhin verächtlich auf die Aida oder die „mein Schiffs“ dieser Welt blicken können. Am Samstag ist es dann aber auch endlich mit dem Rest Umweltverschmutzung vorbei und die ANUK sprintet unter Segeln Richtung Azoren. Der Atlantik Zeigt sich jetzt von der erhofften schönen Seite. 

Text: Till