Es ist schwül und warm hier. Immerhin verdrängt die Sonne morgens recht schnell den Dunst und Nebel.
Wir kommen pünktlich nach 4 Tagen Fahrt am 05.10. in Spanien an. Kurz tanken, Liegeplatz zugewiesen bekommen und einchecken in der Marina Office. Leider müssen wir auch zur Polizei in der Nähe der Kreuzfahrtschiffe zum Einklarieren. Mike mit gepackter Tasche und Uli machen sich zügig auf den Weg.
Die Polizei teilt uns dann leider mit, dass wir bis zum nächsten Vormittag warten müssen. Eigentlich keine Option für Mike und die ANUK Crew.
Meine Laune sinkt in den Keller, dazu noch Stadtluft und Landkrank. Der Tag fängt ja gut an, man merkt mir glaube ich an, wie genervt ich bin. Immerhin taucht eine Beamtin auf und ist bereit uns doch abzufertigen. Anscheinend hat sie gleich Feierabend und gibt uns 10 min Zeit die restliche Crew hierherzuschaffen. Pässe reichen nicht, sie will alle sehen. Wir sparen es uns, uns über Schengen und EU und die hiesigen Verfahren zu wundern und fordern Uta und Peter auf in das nächste Taxi zu springen und hierher zu eilen.
10 min später sind sie da, die nette Beamtin gleicht alle kurz mit den Pässen ab, verschwindet für 10 min mit den Pässen und Einklarierungsformular mit Crewliste. Sie möchte noch Papiere aus Irland sehen (gab keine, dort war kein Einklarieren nötig, da wir alle aus der EU waren), ersatzweise prüft sie das Ausklarierungspapier aus Island und wundert sich, dass keine Crewliste dabei ist.
Till taucht auch noch zeitgleich auf (direkt aus Hamburg per Flugzeug).
Ausklarieren müssen wir nicht. Irgend etwas Schriftliches oder einen Stempel im Pass bekommen wir auch nicht. Keine weiteren Fragen dazu.
Egal, die Capitain Uli ist glücklich, dass doch noch alles geklappt hat und Mike eilt offiziell eingereist zum Bahnhof.
Heute liegen drei sehr große Kreuzfahrtschiffe hier, zwei davon sind mit uns eingelaufen. Wie werden deren mindestens 6000 Crewmitglieder und Passagiere einklariert. 😉
Die neue Crew kehrt entspannt zu Fuß durch die schöne Altstadt mit Stopp für einen Drink zum Boot zurück.
Es folgen Einkauf, Wartungsarbeiten am Schiff, und der Tag ist schon wieder um.
Alle fallen „früh“ ins Bett, um 05:00 UTC +1 klingelt der Wecker, um 06:15 Uhr legen wir nach 18 h in Spanien wieder ab.
Alle freuen sich auf die Überfahrt, endlich wieder auf See. Till nutzt gerade vorbildlich seine Standby Wache zum Masterarbeit schreiben. Wenn er das durchhält (drei Crewmitglieder können ihn motivieren) kommt er auf 6 h Arbeitszeit pro Tag 😉
Leider schmeckt der gestern gekaufte Serano Schinken allen so gut, dass er gleich weggegessen ist. Wir genießen frisches Brot und Tomaten. Und endlich wieder bezahlbare Lebensmittelpreise.
Vor uns liegen knapp 1000 sm, wenn der Wetterbericht recht behält, kommen wir entspannt, wenn auch mit viel Motornutzung wie jetzt gerade, zu den Azoren.
Wir werden zur Abwechslung verwöhnt. Sonne, guter Segelwind und es ist angenehm warm. Letzte Nacht bei halben Wind W 5-6 Bft. rauscht ANUK mit bis zu 9 kn dahin. Wir kommen also entspannt über die berüchtigte Biscaya. Weiter nördlich tobt sich schon wieder ein Tief über dem Nordatlantik aus.
Kaum vorstellbar, dass es in Spanien richtig warm wird. Irland war schon angenehm mild und unter Deck hatten wir zum Teil 20° C, ohne Heizung.
ANUK wird den Winter bei sommerlichen Temperaturen verbringen. Bevor es wieder in die Kälte geht.
Seit Irland sehen wir viele Delphine. Sie besuchen uns regelmäßig und spielen in der Bugwelle. Selbst in der letzten Ankerbucht kamen sie mehrfach vorbei. Einige sind flink, klein und dunkel, andere elegante, größere Springer (keine Chance auf gute Fotos, einfach zu schnell). Sie werden in den nächsten Monaten ANUKs ständige Begleiter sein.
Seit heute früh liegt die Celtic Sea hinter uns und wir sind um tiefen Wasser der Biscaya. Wir hoffen auf weitere Delphine und vielleicht auch mal einen Fisch an der Angel. Von meiner letzten Biscaya Überquerung erinnere ich mich an kristallklares, blaues Wasser und sehr viele Delphine.
Die Bordroutine ist gut eingespielt. Wache zu gehen bei ruhigen Bedingungen ist entspannt, auch wenn uns hier mehr Verkehr und viele Fischer beschäftigen.
Wir arbeiten uns Schritt für Schritt oder besser gesagt Kreuzschlag für Kreuzschlag die irische Westküste entlang nach Süden.
Von Ballyglass sind wir aufgebrochen, sobald das Tief Richtung Norden gezogen ist und der Wind etwas abnahm. Start mit dem ersten Morgenlicht 06:30 Uhr. Bevor das nächste Sturmtief kommt, wollen wir es bis Galway schaffen. Wir kreuzen 22 h, teilweise mit Motorunterstützung um etwas mehr Höhe zu schaffen.
Der Hafen von Galway hat einen Nachteil. Um den Wasserstand zu halten, wird er durch ein Gate verschlossen, dass nur jeweils für 2 Stunden vor Hochwasser geöffnet wird. In unserem Fall morgens von 02:15 bis 04:15 Uhr oder erst nachmittags um 14:30 bis 16:30 Uhr. Also geben wir alles, um die frühen Termin früh zu schaffen, denn nachmittags soll es schon wieder heftig wehen. Mit gereffter Genua und Groß plus Motor sind wir mit gut 7 kn unterwegs die Galway Bay hinein. Um 23:30 Uhr flattert die Genua. Der Schäkel am Kopf hat sich gelöst (wie wir später feststellen). Die Genua rutscht aus der Furlerschiene und landet im Wasser. Zu Dritt bergen wir sie zum Glück unbeschädigt. Nachdem alles gesichert, ist geht es mit Fock und Motor weiter. Es wird knapp.
Wir kündigen uns per Funk beim Hafen Galway Pilot an. „When you are here 04:15 am, you are fine.” Kaum zu schaffen, vor uns geht noch ein Frachter rein. 04:30 Uhr sind wir da, das Gate noch offen, es wird direkt nach uns geschlossen.
Wir können also das mit Wind bis zu 10 Bft. aqngekündigte Tief entspannt abwettern.
Alle fallen nochmal müde in die Koje.
Nach dem Einschecken beim Hafenmeister und irish breakfast für Mike und Uli an Land, (Peter und Uta genießen es später an Bord) wird erst einmal geputzt und aufgeräumt. Für den Nachmittag erwarten wir Gäste. Freunde von Mike wohnen in der Nähe und wollen vorbeikommen. Es wird ein interessanter Nachmittag. Z.B. Jarlath Cunnane, er hat die Northabout 2000 gebaut. Beinahe hätten wir sie 2019 gekauft. Northabout ist nicht sein einziges Projekt. Er hat noch weitere Boote gebaut und extreme Touren gemacht. Z.B. die legendäre Shackleton Tour in der Antarktis nachgefahren. Ähnlich Arved Fuchs, nur mit einem offenen Nachbau des Original Rettungsbootes von damals. Damit hat er einige Kenterungen ausgehalten, bevor sie sich haben abbergen lassen und das Boot aufgegeben haben. Auch die Passage Weißmeer-Ostsee hat er gemacht, wie wir mit LUNA auch. Uns ist damals Dank der Organisation durch die Petr 1 Crew viel bürokratischer Aufwand erspart geblieben von dem Jarlath berichtet.
Tom, Mechaniker der Northabout, bringt uns leckere lokale Delikatessen und selbstgemachten, extrem leckeren Honig mit. ANUK wird natürlich von allen Gästen ausführlich besichtigt und die Vorzüge einer Centerboard Yacht diskutiert.
Der Tag wird mit Fish & Chips und einem Bier im Pub abgeschlossen.
Donnerstag ist es ruhiger. Wir machen den Furler für die Genua wieder gängig und schlagen sie in einer Windpause wieder an. Mit Motorcheck, Bastelarbeiten, Wäsche und Einkaufen ist der Tag schnell um. Diesel wird mit Tankwagen geliefert.
Das ungenießbare isländische Trinkwasser (zu viele Mineralien) wird für Dusche (Alle außer Captain Uli, die bleibt konsequent bei ihrer Haltung einer Borddusche gegenüber.) und Wäsche waschen verbraucht. Diesmal wird das Wasser auch probiert bevor wir es einfüllen. Es schmeckt zu unserer Erleichterung gut.
In der Marina liegt noch eine Garcia, etwas kleiner. Sie ist Alu Natur, also ohne Farbe am Rumpf und sieht sehr gut aus. Der Eigner hat die Lackierung entfernt. So gut wie der Rumpf aussieht spricht nichts dagegen auch ANUK irgendwann ohne Rumpflackierung zu fahren.
Heute (Freitag) haben wir wieder die frühe Öffnungszeit des Gate genutzt und sind seit 04:00 Uhr unterwegs. Wir kreuzen weiter nach Süden, um irgendwo nördlich Dingle das nächste Tief kurz abzuwarten.
Danach geht es dann hoffentlich endlich entspannt über die Biscaya, der Wetterbericht sieht gut aus.
Mitte September hieß es Abschied nehmen von ANUK und Crew. Während Uli, Uta, Peter und Mike weiter gen Süden segeln, bleiben wir zu viert noch etwas auf Island. Gunter, Carola, Thomas und Astrid haben ein Auto gemietet, Zelt und Wanderschuhe eingepackt und verlassen Reykjavik mit einem Tag Verspätung bei Dauerregen, aufkommenden Starkwind und mieser Sicht. Dank an die ANUK-Crew, dass wir noch eine Nacht an Bord verbringen konnten. So richtig los wollten wir nicht, da erstmal nur graues Schmuddelwetter lockte.
Trotzdem wurde alles gut und es war alles dabei. Wir wussten in etwa was im September auf Island zu erwarten und zu erhoffen ist und so isses auch gekommen. Viel Sonnenschein, grandiose Aussichten, Hot Pots, Geothermalbäder, tief hängende Wolken und Nebel, Sturm gepeitschte Küsten, ein kollabiertes Zelt, nasse Schlafsäcke, nasse Klamotten, warme Stuben mit Kaffee und Tee umsonst, meist warme aber auch mal kalte Camping-Küchen. Fast immer nette Leute und meist nur wenige Tourist*innen. Auf der Fähre zu den Färöer, auf der ich schreibe, ist es auch recht leer.
Unsere erste Nacht verbringen wir in einer kleinen warmen Lagerhalle und müssen nicht im Regen das Zelt aufschlagen. Die zweite Nacht ist okay, für die dritte Nacht ziehen wir in eine kleine Hütte um. Als wir bei Regen und Sturm von unserer Wanderung mit Aufwärmen im heißen Strandschwimmbad Krossnes zurück kommen, ist Carolas Zelt kollabiert. Die Stangen sind an vier Stellen gebrochen, das Zelt samt Inhalt wird durch die Heringe am davonfliegen gehindert. Astrid’s Iglu-Zelt steht zwar noch, wird aber in den Böen nahezu platt gerückt und innen ist es schon bedenklich nass. Wir sind heilfroh, dass wir eine Hütte mieten und alles trocknen können. Danach läuft alles glatt und wir können auf sehr schönen und manchmal weniger schönen Campingplätzen zelten und in geheißten Küchen kochen, essen, lesen. Auf mehrtägige Touren verzichten wir…
Die meiste Zeit verbringen wir in den Westfjorden, danach geht es an die Nordküste (Grettislaug) und zum Myvatn. Wir geben acht darauf, keine Highlights und keinen Wasserfall auszulassen. An der Ostküste dann wieder Regen nonstop und tief hängende Wolken. Die geplante Bergtour von Bakkergerdi aus wird gestrichen. In Seydisfjordür, unserem letzten Stopp am Fährhafen, können wir bei milden Temperaturen und etwas Sonne noch eine tolle Wanderung machen. Vom Berg aus sehen wir schon die Fähre, die uns nach Dänemark bringt.
Astrid (einmal Skipperin, immer Skipperin) guckt an Bord Wetter und checkt die Windverhältnisse (ja, die Bordansage stimmt 🙂 und der Kapitän fährt auch richtig aus dem Fjord raus. Es ist ein komisches Gefühl nach langer Zeit wieder nach Hause zu fahren. Gunter und Carola sind seit zwei Monaten unterwegs, Astrid seit drei Monaten und Thomas fünf Wochen.
Text: Carola und Astrid
Westfjorde bei SonneKunst in Djupavikwolkenverhangene Küste – WestfjordeNorderfjördur bei SturmHochplateau – WestfjordeWanderung HeydalurWanderung BolafjallBolafjallCamping Isafjordürtypische LandschaftWanderung durch die Schlucht PennaGodafossHafragilsfossSelfossAbschied / Seydisfjordüe
Kannten wir vorher auch nicht. Es liegt an der Westküste Irlands, relativ weit oben im Norden kurz hinter Erris Head.
Seit wir in Island gestartet sind, erhalten wir täglich „gale warnings“ oder „strong gale warnings“. Den jetzigen Starkwind wettern wir hier vor Anker ab, wesentlich komfortabler als draußen auf See. Wir genießen die Ruhe und ruhen uns aus. Es gibt frisch gebackenes Brot mit full-english-breakfast, Mittagsschlaf und ein leckeres Abendessen. Mittlerweile weht es mit über 30 kn, der Anker hält gut.
Wie war die Überfahrt:
Für Uta und Peter die erste richtige Offshore Strecke, mit gleich etwas rauheren Bedingungen. 6 Tage auf See, davon 5 Tage mit teilweise oder ganztägig 6 bis 8 Beaufort und einer Wellenhöhe von bis zu 7 m. Zum Glück, für Segler die aus Grönland kommen, ist es dabei angenehm warm. Uli steuert ab und zu selbst, ansonsten übernimmt der Autopilot die Arbeit zuverlässig. ANUK läuft gut nur unter Fock oder Groß mit Reff III und Fock. Die letzte Nacht müssen wir bei bis zu 40 kn so viel Höhe wie möglich laufen, um rechtzeitig am Sonntag anzukommen.
Irland war nicht wirklich geplant, allerdings eine Option. Island erst im September zu verlassen ist recht spät. Wie entscheidet man sich, wenn der Wetterbericht ein bzw. zwei Tiefdruckgebiete ankündigt, die quasi von Grönland bis Irland reichen:
Warten mit dem Risiko, dass es immer schwieriger wird.
Mit westlich verlaufendem Kurs irgendwie durchkommen. Unklar ist die genaue Route der Tiefs, so dass die Wetternavigation risikoreich ist. Navtex Warnungen melden bis zu Windstärke 10. Das Risiko da reinzugeraten besteht.
Ausweichen mit Umweg und dem Risiko ggf. unterwegs warten zu müssen.
Für letzteres haben wir uns entschieden und deshalb sind wir jetzt in Irland.
Bisher konnten wir ANUK unter harten Bedingungen nicht testen. Vor Abfahrt haben wir die Sturmfock vorbereitet, ein Jordan Series Drogue (Treibanker) ist an Bord.
ANUK besteht den Test gut. Es bleibt komfortabel für die Crew. Wenn nicht gerade das Essen durch die Kajüte fliegt. Auch Peter und Uta werden nicht traumatisiert und genießen die Überfahrt.
Und jetzt ist eine Pause schön, leckeres Essen entspannt zusammen am Tisch.
Morgen sind noch 8 Beaufort angesagt, am Dienstag können wir ein Stück weiter. Dann entscheidet der Wetterbericht, wann es über die Biscaya nach Süden geht. Planungen sind schwierig, zurzeit ändern sich die Vorhersagen täglich.
Die schönsten Momente:
ULI: ANUK gleitet wie von selbst durch die aufgewühlte See, läuft der brechenden See davon. Bordroutine stellt sich ein, dieser ganz eigene Rhythmus, das Zeitgefühl schaltet um.
Uta: Der Moment als die Furcht vor den Bedingungen der Faszination für diese unglaubliche Naturgewalt wich. Die majestätische Schönheit dieser Berge aus Wasser. Die – wenn sie es erlauben – uns ganz behutsam mitsichtragen können. Mit treibender Musik auf den Ohren ein wahres Gänsehaut-Erlebnis (Danke an Michael und Dirk für die Playlists).
Mike: Having joined the boat in Reykjavik I was very pleased to meet old friend Captain Astrid, Carola and Gunter from a previous Greenland voyage. We had a few great days together before heading out into the Atlantic with Captain Uli, first mate Uta and co deck hand and master food chopper with myself as ships cook. Big seas, high winds and the safe ship ANUK for 6 days was a wonderful experience with my good friends and very capable captain Uli. We decided to head to Ireland because of a storm forecast, in the Atlantic, and now we sit here in Broadhaven near Ballyglass, relaxing, telling stories and enjoying each other company on anchor. Good friends’ good food and great atmosphere. Thankyou captain Uli, lovely Uta and my Amigo sou chef Peter.
Peter: Bei den Tagwachen waren die fantastischen Flugkünste der uns umrundenden Möwen zu bewundern, die schönste Ablenkung neben den schon beschriebenen gigantischen Wellenbergen für mich. Die Crew ist angenehm klein und sehr achtsam im Umgang mit dem Schiff aber auch einander gegenüber, so dass ich mich trotz der harten Wetterbedingungen außerordentlich geborgen und gut fühlte.
Wir sitzen gut gelaunt bei Sonne im Cockpit. ANUK reitet souverän durch die noch hohe See. Raumer Wind 25-30 kn, gereffte Genua … Es soll weiter abflauen bis pünktlich vor dem voraussichtlichen Zwischenstopp Irland am Samstag das nächste Tief kommt. Man merkt, dass es Herbst wird auf dem Nordatlantik und ein Tief folgt dem nächsten. Für uns Grönlandfahrer ist es allerdings sommerlich warm, eine erste Ahnung vom Süden.
Die letzte Nacht war die unruhigste. Wir hatten abends noch versucht Halbwind Kurs zu laufen, pünktlich zum Abendessen servieren erwischte uns dann der erste Brecher. Die kurz abgestellt Schüssel mit Rote Beete Orangen Salat schoss zielsicher in die Nawiecke. Statt etwas auf die Mütze Salat im Gesicht. Jedenfalls für Peter, der daneben saß. Schäden keine. Segel verkleinert, etwas abgefallen und gut durch die Nacht gekommen, mit morgens 35-40 kn , in Böen gut 45 kn Wind. ANUK macht sich gut, der Autopilot steuert sicher und der Windgenerator liefert genug Energie.
Im Vergleich mit der LUNA alles entspannt im gut geschützten Cockpit. Rollreffanlagen sind auch was feines.
Die Wetternavigation wird uns weiterhin fordern. Irgendwie wollen wir ja weiter zu den Azoren. Astrid und Reinhard unterstützen mit Infos von Land.
Es ist soweit. ANUK hat ausklariert und ist bei Sonne und leichter Brise gestartet. Hier oben im. Nordatlantik wird es ungemütlich. Ein Tiefdruck Gebiet nach dem anderen passiert die Denmark Strait und Island.
Wenn alles klappt bekommen wir zwar viel Wind, aber überwiegend von achtern. Es kann also ein schneller Tripp werden. ANUK ist gut vorbereitet, die Crew (Uta, Peter, Mike und Uli) kennen das Boot und sind fit.
Die Tage in Reykjavik sind wie im Fluge vergangen. Abreise der alten Crew, Einkaufen, Schiff vorbereiten, …
Gestern legte noch die „Ocean Explorer“ an, gerade aktuell sehr bekannt geworden. Es ist das kleine Kreuzfahrtzschiff, dass in einem Fjord in Ostgrönland auf einem Stein hängen geblieben ist. Die Gegend ist mehr oder weniger nicht vermessen, so dass man sehr vorsichtig navigieren muss. Wir kennen das Problem.
Wir wünschen der alten Crew noch schöne Wandertage auf Island und uns eine nicht zu windige Überfahrt.
Donnerstagnachmittag (07.09.2023) lichten wir den Anker. Zuvor Wacheinteilung. Dinghy einpacken. Alles Seefest machen. Am Tag vorher noch schönster Sonnenschein, jetzt ist es bedeckt und nieselt. 3 Windstärken aus West, später auf NW drehend. Nach 1 ½ Stunden Segeln, Motor wieder an. Thomas: „Ich dachte, es ist ein Segelboot und kein Motorboot!“ Im Laufe der Nacht dreht der Wind auf SüdOst, am Tag weiter auf Ost. Nach Ost wollen wir! Wir passieren Eisberge, nachts auf dem Radar gut zu erkennen. Die ganze Zeit fliegen Möwen und Sturmvögel neben uns her. Einmal scheinen Delfine bei der Jagd zu sein. Wir sehen ein paar Flossen. Am Rand des grönländischen Schelfs tauchen Wale auf. Erst Freitagabend können wir den Motor endlich ausmachen. Endlich Segeln, wenn auch mit Wind aus OstSüdOst und 4-5 Windstärken. Wir kreuzen. Zwischendurch entfernen wir uns eher von Island. ANUK steuert sich hoch am Wind selber trotz Welle gegen an (ganz ohne Autopiloten). Nur hin und wieder braucht das Ruder einen Schupps in die richtige Richtung. Vereinzelt noch Eisberge. Und: Endlich Sonne. Verschiedene Vorhersagen prognostizieren früher oder später kommt der Wind nördlicher. Samstagabend dreht er langsam. Freude, der Kurs wird besser. Sonntag früh endlich Nord-Wind. Wir können direkten Kurs auf Island nehmen. Es gibt Sonntagsfrühstück: Spiegeleier mit selbstgebackenem Brot, und später Sonntagsbraten: Lammkeule mit Bohnen, Kartoffeln an Sahnesauce. Die Nacht ist sternenklar. Wir sehen Polarlichter. Uta: „Sieht aus wie ein Theatervorhang, der sich öffnet und die ANUK auf den Wellen darf Teil der Vorstellung sein. Und die Sterne… sind das Publikum!“ Irgendwann taucht ein Licht auf. Ein anderes Schiff? Ein Stern? Die Venus geht auf! Und laut Sternen-App ist sie zurzeit nicht der einzige Planet: Auch Uranus und Pluto sollen zu sehen sein. Montag Nachmittag lässt der Wind – wie vorhergesagt – wieder nach. Zwei Knoten Fahrt. Genau die richtige Geschwindigkeit für Manni (aufmerksame Blog-Leser*innen kennen Manni. Siehe Blog Etappe Norwegen – Jan Mayen). Zusammengebaut. Zu Wasser gelassen. Für Manni ändern wir eine halbe Stunde den Kurs, um die richtige Mess-Geschwindigkeit zu haben. Erfreulicherweise ist fast kein Plastik zu finden. Wieder auf Kurs. Motor an. Nach Island sind es noch ca. 45sm. Lichter sind schon lange zu sehen. Nach fünf Tagen kommen wir nachts um Zwei in Reykjavik an.
Unter Hunden… endlich (18.08.2023) Weiterflug nach Grönland. Im Landeanflug die ersten Eisberge. Sonne scheint. Krasse Landschaft. Überwältigt. Der Flugplatz mitten im Nirgendwo, ursprünglich von den Amis im Zweiten Weltkrieg gebaut, wie viele Flugplätze auf Grönland. Gepäck bringt der Trekker vom Flugzeug ums Haus rum (vor die „Abflughalle“) -> Kannste Dir selber raussuchen. 20min zu Fuß zum Dorf Kulusuk, vorbei am Hotel Kulusuk, wo die meisten Touris absteigen, die erstmal in hierbleiben. Unser erster Anlauf-Punkt: Pilersuisoq (der Supermarkt). Gepäck abstellen. Rundgang durchs Dorf auf der Suche nach den Guesthouses. Wir finden nichts! Fragen in der Verwaltung: „Call, Bent. I give you the number.“ Nach hin und her telefonieren – Bent ist unterwegs –, stellen wir unser Zelt in der Nähe seines Guesthouses auf mit der Option, am nächsten Tag ins Haus zu wechseln. Später ruft er uns von weitem zu. „Are you looking for Bent? I’m Bent.“ Auch in der zweiten Nacht bleiben wir im Zelt. Liegen weich auf Gras. Wasser vom Wasserhäuschen. Als Toilette die 5min entfernte Müllhalde. Jedes Dorf hat einen Ort – etwas abseits -, wo der Müll hin gekippt wird. Alles! Aber auch in den Siedlungen liegt einiges: Plastik, Glasscherben und Dosen, Leinen, Paletten, kaputte Außenborder und Snowmobile. In Tasiilaq sehen wir alle paar Tage, wie Müll angeliefert wird und dann auf die Halde gebracht wird. An anderen Orten gibt oder gab es Müllverbrennungsanalagen.
Kulusuk wirkt irgendwie traurig. Ein Einheimischer erzählt: „Alle, meine Verwandten sind Alkoholiker, ich nicht!“ Einmal sehe ich einen Mann rücklinks auf der Straße liegen. Voll breit. Beim Aufrichten muss ich ihn stützen, damit er nicht sofort wieder umkippt. Kommunikation schwierig. Laufe mit ihm in die Richtung, in die er zeigt. Eine Frau reicht ihm ein Paket, entschuldigt sich fünfmal bei mir. „Sorry, he is drunk!“ Nach ein paar Minuten kann er wieder alleine torkeln. Später hebt ihn nochmal jemand auf. Kinder fahren mit dem Fahrrad durch die Gegend, kicken auf dem Fußballfeld oder ärgern Hunde-Welpen. Leute laufen hin und her, aus dem Pilersuisoq werden palettenweise Bierdosen abgeschleppt, die nur hinter dem Tresen stehen. Hunde bellen, jaulen. Drumherum Wahnsinns-Landschaft: Hohe Berge mit Gletschern; Spaziergang zum Aussichtspunkt, zwei junge Hunde begleiten uns; Blick auf den Atlantik und Fjord mit Eisbergen. Alles ist ‚irgendwie‘ farbiger, klarer.
Nachmittags kommt ANUK. Juchu! Wir werden zum Abendessen eingeladen, bekommen für die nächsten zehn Tage Gaskartuschen (im Pilersuisoq/Kulusuk gab’s keine) und weiteres Outdoor-Food. Können schon mal die ANUK streicheln 😊, unser Törn beginnt erst Ende August. Am nächsten Tag Crew-Wechsel auf der ANUK: Axel, Jens und Peter steigen aus, Uta, Lucia und Henri kommen an Bord. Gunter und ich können am Tag darauf bis Tasiilaq mitfahren, sind dann an Land unterwegs.
Tasiilag, die größte Siedlung in Ost-Grönland. Sehr hügelig, durch das Dorf geht’s rauf und runter. (müssen die hier fit sein!) Irgendwie sind hier alle busy. Das Versorgungsschiff – die Royal Artic – kommt alle paar Tage. Container werden verladen. Kommen und Gehen im Pilersuisoq. Viele Tourist*innen. Erstaunlich viele Autos, viel schweres Gerät (Bagger, etc.), sogar ein Taxi! Später beobachten wir, dass es im Minutentakt Leute mit ihren Einkäufen abholt.
Wir zelten im Basecamp vom Red House mit Blick auf den Fjord, neben dem Heli-Point. Viele Leute, die in Kulusuk ankommen (Gepäck vom Trecker runter zuppeln, zurück übers Rollfeld zum Helikopter), fliegen gleich weiter nach Tasiilaq. Flugdauer ca. 10min, mit dem Schiff halbe/dreiviertel Stunde, mit der ANUK drei Stunden. Mehrmals am Tag hören wir die Rotoren. Zwei Tage war Ruhe. Da war Nebel. Blöd für die Leute, die einen Flieger in Kulusuk kriegen wollen, wie unsere Zeltnachbarn (zwei Franzosen) und auch andere. Hektisches Hin- und Hergerenne- und gefahre. Das Boot will Bargeld, Geldautomaten gibt’s nur beim großen, weiter entfernten Pilersuisoq. Und die funktionieren öfter mal nicht. Internet weg -> kein Bargeld! Schlange vor den Automaten. Geht er wieder? Sie haben Glück. In Grönland musst du immer mit Luft planen. Das wurde ja schon mehrfach im Blog beschrieben.
Die ANUK legt in Tasiilaq einen Waschtag ein, fährt irgendwann weiter. Der Plan: die Insel Angmagssalik umrunden, den vorhergesagten Stark-Wind bei Tiniteqilâq abwettern. 9 Tagen später holen sie uns wieder ab, zurück nach Kulusuk für den nächsten Crew-Wechsel.
Gunter und ich machen uns auf die Suche nach dem Red House. Es liegt im oberen Teil vom Dorf. Robert Peroni, der Betreiber, ist gerade einkaufen, erfahren wir. Vier Wiener zurück von einer 14-Tages-Tour warten auch auf ihn für Abrechnung und Nachbesprechung. Eisbären? Sie hätten keine gesehen, auch keine Spuren, aber Gewehr hatten sie dabei. Einer behauptet, hier gäbe es keine! Er wäre schon ein paar Mal hier gewesen und hätte nie welche gesehen!… Hm! Später sagt Robert, im Umkreis von 3-4km um Tasiilaq seid ihr sicher. Bin trotzdem nervös. Wer weiß schon, ob sich Eisbären an Umkreise halten? Deshalb leihen wir uns ein Gewehr. Einweisung: „DER BÄR… greift nie von vorne an, es sei denn…ja, es denn, er ist wütend, krank oder sonst irgendwie komisch drauf.“… Hm!… „Auf gar keinen Fall mit Schrot auf den Bär zielen. Dann wird er sauer! Du musst mit dem In-die-Luft-Schießen warten, bis sich der Bär auf 10m genähert hat!“ Ach, du Scheiße: 10 Meter! Warum? „DER BÄR hört nicht so gut!“ Wir bekommen noch einen wasserdichten Sack dazu. Gibt’s nicht was mit Riemen? Ein Gewehr länger auf der Schulter zu tragen, sieht nur cool aus, ist aber sehr unbequem, sagt er lächelnd. Ja, die Touris… nur die rennen in Tasiilaq mit Gewehr rum. Und nur die Touris – vor allem die Neuangekommenen – laufen mit großen Augen rum und grüßen niemanden, allen voran die Gäste der Kreuzfahrtschiffe. Und davon gibt’s viele. Fast jeden Tag ankert ein anderes in der Bucht, bringt die Leute für ein paar Stunden an Land und fährt dann weiter. Einen Tag sehen wir ein komisches Kreuzfahrtschiff. Gunter nennt es ‚obszöne‘: Etwas kleiner als die anderen; spuckt schwarze Schlauchboote aus, die ums Schiff kreisen; eines auf der anderen Seite vom Fjord, wollen die angeln? Irgendwann fährt ein Schlauchboot mit mehrere Seekajaks im Schlepp an uns vorbei, ein paar Stunde später wieder zurück. Ein Hubschrauber startet von dem Schiff, dreht ein paar Runden. Kein Landgang. Irgendwann sehen wir eine Drohne und hören Schüsse, die wir dem ‚obszönen‘ Schiff zu ordnen. Wir vermuten, Oligarchen-Jacht.
Mit Gewehr im Gepäck machen wir uns in den Tagen in verschiedene Richtungen auf. Stellen immer wieder fest, unsere Ziele/Wegmarken sehen näher aus als sie tatsächlich sind. Sind oft länger unterwegs als angenommen, bewundern die Landschaft: viele Seen, überall Wasserläufe und Wasserfälle, Gletscherzungen in der Ferne.
Um Tasiilaq herum – wie um alle Dörfer – sind Hunde an Ketten. Auch in der Nähe von unserem Zelt liegen 10-15 an Ketten und ein ‚Freigänger’, hat sich scheinbar losgerissen, lässt sich nicht einfangen, bleibt trotzdem bei seinem Rudel, kam hin und wieder an unserem Zelt vorbei. Welpen haben es besser: können frei rumlaufen, sind zutraulich, lassen sich streicheln, knabbern an den Klamotten, laufen manchmal ein Stück mit. Wir haben uns oft in den einen oder anderen verguckt. Die toten Robben, die in Bündeln im Wasser lagern, sind für die Hunde. Wenn sie denken, es könnte gleich was geben, Gejaule und Gebell, aufgeregtes Gezerre an den Ketten. Die Hunde kommen im Winter zum Einsatz, als Schlittenhunde. Im Sommer liegen sie scheinbar nur rum, haben nichts zu tun.
Nachricht von Thomas: Er hängt krank in Reykjavik rum. Das Hotel in Tasiilaq kann er nicht stornieren. Wenn Gunter und ich wollen, können wir es nutzen. 15min Fußweg vom Zeltplatz liegt es am höchsten Punkt von Tasiilaq. In der Hotel-Lobby fühlen wir uns sofort fehl am Platz: Schicke Bar, Sessel mit Robbenfell überzogen, schöne Bilder an den Wänden, ein Souvenir-Shop. Alles sauber. Und wir ungewaschen mit unseren Dreckklamotten. Auf der Terrasse ein paar aufgedrehte US-Amerikaner*innen, gerade angekommen, bewundern die Aussicht. „Where are you from? You are here for trekking? Nice!“ Sie waren mit dem Heli angekommen, mit dem Auto abgeholt, samt Gepäck zum Hotel gefahren worden, vermutlich noch keine drei Schritte im Ort gemacht. Wir reden mit dem Manager. Nein, stornieren ist nicht möglich. Ist via booking.com ohne Rücktritt gebucht. „We have the work, they take the money!“ Aber ihr könnt das Zimmer nutzen. Cool: Zwei Nächte ohne Wärmflasche ins Bett und… warm duschen!
Am Tag als wir auf die ANUK wechseln, aufräumen, lüften, zusammenpacken und vor allen Dingen: Wäsche waschen! Gunter zieht los zum dörflichen Waschhaus. Hier regiert Sie: Die Hüterin des Waschhauses. (s. Exkurs: Die Hüterin des Waschhauses)
Ich gebe im Red House das Gewehr zurück. „Habt Ihr es gebraucht? Besser ist nicht!“ Begleiche unsere Camping-Rechnung. Im Red House scheint die Hauptsaison vorbei zu sein. Wenig los. Im Basecamp wurden schon Bierbänke und Küchenzelt eingepackt. Mit uns zeltet nur noch eine Gruppe, die vom Kajak fahren zurück kamen.
Nachmittags kommt die ANUK, liegt wieder vor Anker. Diesel tanken. Wir beziehen unsere Kojen und erzählen uns von den letzten Tagen. Plötzlich kommt ein Schiff vorbei: „I have something for you!“ Henri bekommt sein Gewehr geliefert. Früh am nächsten Morgen holt er seinen Hund ab: Dumbo, eine Hündin. Beide fahren mit bis nach Kuummiit, wo er mit seiner Wanderung starten will.
Gunter, Thomas und ich starten unsere Reise mit der ANUK.
Text: Carola
Exkurs: Die Hüterin des Waschhauses
Sie ist Mitte fünfzig, ca. 1m55 groß, etwas gedrungen.
Sie sitzt sie auf ihrem Bürostuhl, die Waden auf der Kante des Schreibtisches, die Füße hängen in der Luft. Sie häkelt, rechts von Ihr steht Ihre Kasse.
Sie ist die Hüterin über die Dusche, mehrere Waschmaschinen und Trockner.
Ich komme zum Duschen und Wäsche waschen.
Ganz selbstverständlich betrete ich das Waschhaus, ist doch ein öffentliches Gebäude, Sie schmeißt mich raus.
Sie wird deutlich: Sie wischt gerade den Boden und ich muss die Schuhe ausziehen, bevor ich eintreten darf.
„You next“ begrüßt sie mich dann und ich begreife, die ältere Frau auf dem Rollator vor dem Haus will duschen und ist vor mir dran.
Nachdem ich Anweisung erhalten habe, wo ich meine Schuhe hinstellen soll, darf ich auf Strümpfen das Haus betreten. Sie weist mir eine Waschmaschine zu, fragt, ob ich Waschpulver habe und holt, als ich verneine, Pulver. Sie fragt „Normal“, die Maschine zeigt 40 oder 60 Grad, ich zeige auf 40, Sie sagt nochmal „Normal“ und nickt.
Nun möchte ich eine rauchen und setze mich vor´s Waschhaus auf die Treppe. Sie schickt mich auf die andere Straßenseite. Schuhe anziehen, zu einem Stein laufen, rauchen. Wieder rüber zum Haus, Schuhe ausziehen, eintreten.
Jetzt entdecke ich das Schild: Kaffee 8 Kronen. Ich bin begeistert und bestelle einen. Als Ich sehe, wie Sie die Kaffeemaschine bedient versinke ich in Depressionen: Zwei Esslöffel Kaffeepulver auf eine ganze Kanne? Ich bin entsetzt. Dann ist der Kaffee durchgelaufen und ich bin glücklich: Zwei Esslöffel Pulver für zwei Tassen Kaffee.
Kaffee einschenken, Schuhe anziehen, zum Stein laufen, frischen, guten Kaffee trinken, noch eine rauchen. Zurück zum Haus, Schuhe ausziehen, in den Wartebereich setzen. Wieder sagt Sie: „You next“ und fängt an die ältere Frau in der Dusche zu drängeln. Mittlerweile habe ich das Schild entdeckt, dass die Duschzeit auf 15 Minuten beschränkt.
Nach dem Duschen hänge ich mein Handtuch über einen Stuhl zum trocknen und gehe noch eine rauchen. Als ich zurückkomme und die Schuhe ausziehen will wehrt Sie dies ab. Ich verstehe, der Boden ist getrocknet, der Schuhabstreifer an seinem Platz.
Das benutzte Handtuch hat Sie zwischenzeitlich zur Wäsche in den Trockner geworfen.
Zwischenzeitlich kommt ein Wagen der örtlichen Feuerwehr, Sie geht an das Seitenfenster, empfängt einen Beutel Dreckwäsche und wirft ihn in eine Maschine.
Die zweite Tasse Kaffee spendiert Sie mir.
Sie ruft mich zu sich, zu Ihrer Kasse, trägt mich als Nummer 2 des Tages ein und addiert: Duschen, Waschpulver, Wäschewaschen, dieselbe trocknen, einen Kaffee: 102 Kronen. Ich reiche Ihr 200 Kronen. Sie zeigt mir Münzen, um mich zu fragen, ob ich Kleingeld habe. Als ich verneine holt sie zwei Kronen aus ihrem Geldbeutel, die Kasse muss ja stimmen und reicht mir 100 Kronen wieder zurück. Ich bedanke mich, Sie fragt noch in gebrochenem Englisch, ob ich Kinder habe. Wir verabschieden wir uns herzlich voneinander.
Heute ist Sonntag und die Sonne scheint. Es läuft prächtig. Zum Frühstück gab es gebratene Sonntagseier. Der Sonntagsbraten (Lammkeule) schmort auf dem Herd. Im Cockpit läuft eine Podcastfolge von „Weird Crime“.
Wir sind gut durch‘s Eis gekommen. In den ersten beiden Tagen zogen noch ständig riesige Eisgiganten an uns vorbei. Nachts unter Radar kam zum Glück keiner zu nahe und auch kleinere Growler blieben uns fern. Walen mussten wir nur einmal bei Tageslicht ausweichen.
Die ersten Tage waren weniger schön. Zuerst kein Wind, hoher Schwell und ewig lang Motoren. Dann etwas Wind, wie immer gegenan und fieser Seegang. Nach 2 Tagen und Nächten mühsamen kreuzen dann heute Nacht endlich die ersehnte Winddrehung. Wir rauschen nun bei 5 Windstärken und halben Wind mit 8 kn Richtung Island. Die Sonne verwöhnt uns von oben. So macht Segeln Freude!
ANUK macht sich gut. Beim Kreuzen am Wind konnten wir sie so trimmen, dass sie von alleine geradeaus fährt. Stundenlang, ohne Autopilot fast ohne Korrektur blieb sie auf Kurs.