Mjältön – Örnsköldsvik

Mjältön ist die Insel mit dem höchsten Berg in Schweden und da mussten wir natürlich rauf. Entlang des Wegs zur Sauna liefen wir erst mal in der falschen Richtung auf die andere Seite der Insel, sammelten alle einen Stein ein und stiegen gemeinsam mit ein paar Mücken auf die Spitze des Berges. Wir folgten damit der Tradition, auf diesen Berg zu steigen und dort einen Stein abzulegen. Raufgestiegen, getan. Ein weiterer schöner Segeltag brachte uns dann zum Höhepunkt der Reise, Schwedens schönster Insel Trysunda. Dabei folgten wir der Küstenlinie der Höga Kustan, der hohen Küste, die so heißt, weil sie – wie der Name schon verrät – direkt vom Meer hoch ansteigt. Und immer noch weiter steigt. Denn die Gegend lag in der letzten Eiszeit unter einer 3 km dicken Eisschicht und stieg an. Und steigt nach wie vor weiter, ca. 1 cm Jahr. Ein paar Häfen haben deshalb schon Probleme, in Häggvik sind seit ca. 1900 einige Meeresbuchten zu Binnenseen geworden. Die Landschaft ist geprägt durch Wälder, einzelne Ferienhäuser direkt am Meer und bewaldete Hügel mit einzelnen Wiesen. Dazu kommen viele kleine Inseln, manche bewohnt, die meisten nicht und viele Steine unter Wasser, die dank der Hebung des Landes nicht nur immer weiter auftauchen, sondern auch im Winter vom Eis versetzt werden, so dass solche Angaben auf Karten mit großer Vorsicht zu genießen sind.

Wenn Häggvik als Hafen eine 1 bekommen hat, dann hat Trysunda eine 1 mit einem halben Sternchen verdient, mit einem kleinen Abzug weil in einer der Duschen der Wasserdruck etwas niedrig ist und die Dusche sehr moderat Geld kostet. Trysunda war zur Zeit des Ersten Weltkriegs eine Abbaustätte von Vanadium, wovon man allerdings nicht mehr viel sieht, außer einer Dampfmaschine und einem Lokomobil, die mehr oder weniger an zufälligen Stellen im Wald stehen. Die Insel bietet dann noch mehrere wunderschöne Buchten, die sich theoretisch sehr gut zum Anschauen des sowieso sehr kurzen und nicht besonders dunklen Sonnenuntergangs eignen, nur leider finden das die Mücken auch. Deshalb fiel der Sundowner wieder aus, wir wären sonst zum Sundowner für die halbe Mückenpopulation der Insel geworden. Der Morgen brachte dann die Besteigung des höchsten Berges und wunderbaren Wind aus sogar halbwegs segelbarer Richtung, die allerdings nicht gereicht hat, um den Fjord vor Örnsköldsvik hineinzusegeln. Der Motor ging also noch auf See an und brachte uns zuverlässig nach Örnsköldsvik, wo unsere Reise am Samstag endet.

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang

Häggvik – Mjältön

Der Tag in Häggvik endete, blieb aber nicht der einzige. Zum einen hat der Hafen eine glatte Eins verdient – sauber, freundlich, sehr guter Standard, schöne Aussicht und dabei noch verhältnismäßig günstig. Zur 1 mit Sternchen fehlten der Sauna die Bedienungsanleitung und damit leider auch saunatypische Temperaturen. Zum anderen befindet sich dort das Freiluftmuseum Mannaminne, in dem der Künstler Anders Åberg verschiedenste Dinge aus aller Welt zusammengetragen hat. Von einer norwegischen Stabkirche über ein ungarisches Bauernhaus, mehreren Straßenbahnen, einem Trabi bis zu einem schwedischen Kampfflugzeug. Man könnte dort Stunden und vermutlich Tage verbringen, ohne alle zu durchdringen. Aber uns trieb es noch nach oben zu dem vorläufigen Höhepunkt der Reise, dem Stortorget mit einer phantastischen Aussicht über die Landschaft der Höga Kustan und die Anuk. Nach einem neuerlichen erfolglosen Versuch, die Sauna zu hohen Temperaturen zu überzeugen umrundeten Wolfgang und Susanne die Insel mit dem Schlauchboot. Am nächsten Morgen fügten wir den bisher eher spärlichen Segelstunden weitere mit dem Code Zero hinzu, der uns bei zwar schwachem und wenig stetigem Wind entlang der wunderschönen Küstenlinie auf die Insel Mjältön brachte. Dort erwartete uns eine mit Holz beheizte Sauna, die aber auch unter ihren Möglichkeiten blieb. Vielleicht, aber auch nur ganz vielleicht, hing das auch mit der Bedienung des Saunaofens zusammen, so dass die Liebe zur Sauna nicht gänzlich gegenseitig blieb. Auch diese Ankerbucht bot wunderbare Landschaft kombiniert mit perfektem Schutz vor dem sowieso nicht allzu starken Wind, so dass wir gerne länger bleiben würden. Nur würde das vermutlich die nächste Crew nicht allzu sehr schätzen…  

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang

Mellanfjärden – Häggvik

Midsommar näherte sich schnell und so rasten wir dem in Aussicht genommenen Ziel Sundsvall, der nächsten größeren Stadt, entgegen. Dass wir diese nie erreichen würden war uns da noch nicht klar. Ein schöner Motortag bei Nordwind lag vor uns, die Sonne schien und am späten Nachmittag erreichten wir Galtström. Eine alte Eisenverarbeitungsfabrik, deren Kai mit Mitteln der EU zum Wohnmobilstellplatz und Anlegeplatz umgebaut wurde. Wir trafen dort auf einen Kanadier, der unsere Pläne, Midsommar in Sundsvall zu verbringen, zum Einsturz brachte – so toll sollte das nicht sein. Er musste es wissen, er kam schließlich von da und seine Frau war gerade erst für Midsommar mit dem Rennrad von Sundsvall nach Galtström gefahren. Also blieben wir auch noch den nächsten Tag. In Galtström gibt es nicht nur den alten Anleger, sondern die Eisenhütte war zu einem Freiluftmuseum umgebaut worden, mit gar nicht so kleinem Restaurant. Dort wurde Musik gespielt, getanzt und so blieben wir an Midsommar dort und schauten uns das bunte Treiben der aufgeputzten Schwedinnen und Schweden an. Mittanzen wollte dann aber doch niemand von uns. Am Nachmittag brachen wir noch mit dem Schlauchboot zum benachbarten Hafen des Svenska Kryssarklubben auf einer kleinen Insel auf, wo sich schwedische Segler aus der Umgebung zu Midsommar treffen. Ein ortsansässiger Schwede gab uns dann noch Tips für die besten Häfen und Ankerbuchten bis nach Örnsköldsvik – diese deckten sich auffällig mit unseren Plänen nach Lektüre des Hafenführers. Nach Midsommar kam dann nicht nur Wind auf, sondern dieser kam auch noch aus der richtigen Richtung, so dass wir endlich mal einen Tag bei Vorwind und angenehmen Temperaturen an den falschen Ort segeln konnten. Härnösand stand – vollkommen zu recht, wie sich herausstellte – nicht auf der Liste der empfohlenen Orte, konnte aber mit frischem Essen und frischem Brot glänzen. Das konnten die übrigen Buchten der nächsten Zeit leider nicht und unsere Vorräte gaben das auch nicht mehr her. Nicht glänzen konnten wir mit dem Anlegemanöver mit Heckboje bei stark böigem Seitenwind – nach ungefähr 7 Versuchen mit einem dreimal an der Boje gebliebenen Bojenhaken vor vielen neugierigen Zuschauern haben wir es dann doch geschafft. Ansonsten haben wir dort Astrid getroffen (siehe Foto) und so schnell wie möglich am nächsten Morgen die Flucht ergriffen. Die führte uns über die sehr schöne Bucht von Lustholmen und die ebenso schöne und geschützte Bucht von Lövvik in das in alle Richtungen geschützte Häggvik. Die einzige ungeschützte Richtung erwischte uns dann mit einem heftigen Schauer von oben. Der Tag endete mit einem längeren Besuch in der Hafensauna, die wir ganz für uns allein hatten.   

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang

Steine im Kielkasten

Die Crew (Karin, Susanne, Norbert und Bernhard) und der Skipper (Wolfgang) trafen sich zwar auf dem gleichen Weg, aber am Sonntag und Montag zu unterschiedlichen Zeiten in Hudiksvall. Susanne und Karin wurden in Stockholm Zeuginnen des 50. Hochzeitstags des schwedischen Königspaars, inklusive vieler Soldaten in Paradeuniformen und eines Konzerts. In Hudiksvall empfing uns einerseits die Anuk, andererseits aber schlechtes Wetter, so dass wir am Dienstag noch mal die Metropole erkundet und die Vorräte aufgefüllt haben. Am Mittwoch schien endlich die Sonne, Wind blies zumindest anfänglich ein bisschen und so hieß es schließlich Leinen lösen, Motor starten und Segel setzen. Bis uns nach nicht mal einer Stunde eine Kiesbank nach der ersten Halse unerwartet bremste und den Schwenkkiel nach oben schob. Anuk ließ sich ohne weiteres und ohne Schäden befreien, der Kiel blieb aber oben und ließ sich weder mit freundlichen Worten noch mit Gewalt überreden, sich wieder nach unten zu bewegen. Das wirkte sich weder besonders positiv auf die Kursstabilität noch auf die Stimmung des Skippers aus, Anuk fuhr danach eher Schlangenlinien. Nachdem auch noch der Wind auf Nord drehte und langsam einschlief, sind wir ohne weitere Ereignisse bei perfektem Wetter unter Motor an der wunderschönen Küste nach Mellanfjärden gefahren. 

Nach dem Anlegen machten sich Wolfgang und Norbert an die Ursachensuche und die Behebung. Susanne und Bernhard versuchten, mit der an einem Bootshaken befestigten GoPro und dem Dinghi Aufnahmen vom Unterwasserschiff zu machen, aber vergebens. Es ließ sich auf den doch eher grünen Videos nichts erkennen. Dafür konnten Wolfgang und Norbert von oben in den Kielkasten schauen und fanden die Ursache dann doch. Und diese überraschte uns doch sehr. Bei der unfreiwilligen Begegnung mit der Kiesbank hatten sich zwei Steine, jeder auf einer Seite, zwischen den Kiel und den Kielkasten geklemmt und jede Bewegung des Kiels verhindert. Mit Bordmitteln wurden die Steine wieder ins Wasser befördert (auf 4m Tiefe) und schon ließ sich der Kiel wieder einwandfrei bewegen. 

Daraufhin hatten wir uns unseren Anleger auch wirklich verdient. 

Text: Bernhard, Karin, Norbert, Suse, Wolfgang

Männer in den besten (??) Jahren suchen Harmonie und Abenteuer auf seglerischem Weg von Stockholm nach Hudiksvall

Gruß von der E2 Tour: wir sind unterwegs!

Letzter Einkauf beim ICA in Stockholm, der ICA, der so eng ist (siehe Web Bewertungen), dass wir glauben mit unseren vollen Körben in den Gängen stecken zu bleiben. Käse, Käse und frische Sachen stehen auf der Liste, ein-zwei Brote vielleicht, Frischmilch, schon ist der Einkauf beendet. Das eine Brot überlebt nicht einmal den Weg in seinen angestammten Lagerort, was die Brotsituation erneut verschärft. Mirko kündigt somit jetzt bereits das allseits befürwortete Brotbacken an.

Die Kabinensituation ist zu klären, wer schnarcht wie, wer raucht und wenn ja wieviel, wer muss viel Pippi: wir lernen dazu was die ANUK ausmacht. Es gibt 83 Staufächer auf der ANUK, sie teilen sich in Dinge die wir suchen und Dinge die wir hoffentlich nicht benötigen. Werkzeug benötigen wir natürlich sofort, Ersatzteile bewundern wie ehrfurchtsvoll in Menge und Ausführung.

Wir wollen Segeln, einheitlich stürmt die Crew zum ersten Segelmanöver an den Mast, Reffs raus und hoch mit den Segeln. Das klappt nur der mäßig, der Skipper erkennt die Vorzüge, Schwächen und Erfahrung der Crew. Lessons learnt, es darf losgehen.

Es gibt viel zu sehen auf der Fahrt nach Gällnö, wie gerne wären wir doch Schweden mit gefülltem Konto und einem Häuschen samt Boot in den Schären. Doch was ist eigentlich im Winter. Träumen kann jeder, der Wind schiebt uns derweil Richtung Waxholm.

Waxhom wird ne enge Sache, Fähren über Fähren und ein Veteransegler (dt. Traditionssegler) vom Treffen derselben im Wasahamn, der mit seinem Wrack Sponsoren gesucht hatte. Wir kommen uns sehr nah, der ANUK Skipper wird nervös, die Tonnen kaum zu halten, Kapitän Veterani lächelt freundlich und beschleunigt mit Motor der mächtig qualmt, uns beschleunigt der Wind. Ein Kopf an Kopf Rennen also. Bremsen ist für uns keine Alternative unter Segeln und böigem Wind. An der letzten Enge stoppt ein anderes schwedisches Motorboot, dort waltet schwedische Besonnenheit, unser roter Kamikaze-Veterani rundet vor uns, dann folgen wir, danach lässt der Wind uns den traurigen Träumer achteraus verschwinden.

Gällno teilen wir mit einer weiteren schwedischen Yacht und einem Motorboot. Noch keine Saison, wir verdrücken Mengen von Gnoccis und Tortellinies mit einer formidablen Gorgonzola Sauce vom Skipper. Doch unser Koch ist natürlich Mirko, der bereits am ersten Tag einen Kartoffeln-Käse-Auflauf erschaffen hat, der dem Salon ein eigenes Flair verpasst hatte. Der Skipper war zunächst im Cockpit verwundert über den Geruch, der über der ANUK lag. Doch die Lösung lag später auf unserem Gaumen und vermittelte uns, was aus wenigen Zutaten mit versierter Hand geschaffen werden kann. 10 Points an dieser Stelle, doch Restaurant fähig erschien unser Gericht nicht zu sein.

Gällno war für Günter eine schwere Enttäuschung da er nicht angeln durfte. Die Fische sprangen und ohne Ausrüstung schien der Urlaub nun in trister Schwermut zu versinken. Niemand verspürte den Wunsch das Festland zu betreten, die Kneipe war nur am Samstag und Sonntag laut Google zwischen 12:00und 16:00 geöffnet, kein Burner im Sinne von hier tanzt ein Bär, es musste irgendwas mit Saison zu tun haben.

Die Crew will Segeln und ankern, Skipper sucht also entsprechende Orte aus seinem Erfahrungsschatz und den Guides, Navily und einem Vortrag vom TO-Leiter Stockholm aus. Der nächste Tag führt uns somit nach Björkskär. In Björkskär liegen wir mit Heckleinen und 45 Meter Kette im klaren grünen Wasser des Stockholmer äußeren Schärengürtels. In zwei kleinen Etappen von rund 22 sm sind wir dem Stockholmer Rummel nun entflohen. Das die 45 Meter Kette keine gute Idee war lernen wir, als diese am nächsten Morgen, da schlammverklebt, mühsam mit der Pütz gereinigt werden muss. (Nachtrag; es gibt eine Deckswaschpumpe, die mit kleinem Aufwand in Betrieb genommen werden kann)

Die Nächte an Bord enden regelmäßig gegen 4:30. Längst ist die Sonne am Himmel erschienen, alle Bretter sind gesägt und ein kleiner Teil der Crew hat somit kaum oder wenig geschlafen. Für Günter haben wir nun auch das Leesegel gefunden und seine „Absturzangst“ wird sich hoffentlich in weiteren therapeutischen Gesprächen bändigen lassen. Ja die Kabinensituation erfordert Toleranz und am besten ein intensives eigenes Schnarchen. Wer selbst schnarcht schläft schneller ein, sagt ja auch der Volksmund. Eine erste Konvertierung in die Glaubensgemeinschaft der Schnarcher erfolgte bereit. Das Verhältnis 3:2 ist nun auf 4:1 gesunken. Es ist klar, auch Bernd M. wird noch sein Brett (Bau-Projekt) finden.

Erste aggressive Mücken umschwirren uns im Salon, Skipper überrascht eine Bestie mit erbarmungslosen Handschlag, dieselbe färbt sich leider menschenblutrot. Günter kann mit seinem in unzähligen Outdoor-Expeditionen erprobten Spezialgerät sofort die Eiweißstrukturen, die für den Juckreiz verantwortlich sind, mittels Hitze zerstören. Die Mücken des Nordens sind also gewarnt doch  Skipper fragt sich was noch alles in seinem Körper zerstört wurde.

Wir brauchen weitere Frischmilch, ein guter Grund nach Redlöga zu fahren, dort lockt laut Navily das Symbol eines Einkaufswagens. Doch in Rodlöga beginnt die Saison am 16.6.26 und die Hinweisschilder sind am Anschlagbrett von 2025. Die Frischmilchlage entwickelt sich also prekärer. Skipper überrascht auf der ausgestorbenen Insel eine Hirschkuh auf der Suche nach einem willigen Paarungspartner (Blödsinn), oder war es ein Rentier, das auf einer Eisscholle hier gestrandet ist, die übrige Crew jedenfalls bezweifelt dies einhellig, dabei hat doch der Skipper immer recht. Eine Regenfront wird am Donnerstag den Nachmittag in Mittelschweden versauen und wir benötigen weiterhin dringend Frischmilch. Somit darf nun ein Hafen angelaufen werden, obwohl die Crew ja eigentlich nur Segeln und Ankern möchte. Somit muss nun Norrtäjle herhalten für einen Aufenthalt am Steg. Duschen sind auch ein guter Grund für eine Hafenstop. Unsere Starterbatterie wird beim Segeln nicht geladen, Motorstunden haben wir bisher 3,3 geschafft und die Motivation der Crew liegt eindeutig dabei, diesen Wert nicht wesentlich zu steigern. Landstrom von den schwedischen Atomis sind somit auch sehr willkommen.

Der Fjord bis Norrtälje ist über 10 Seemeilen lang und begleitet uns mit kräftigen Böen bis 18 Knoten Wind sowie völliger Windstille in denen die 16 Tonnen der ANUK uns ausreichend Restfahrt ermöglichen, um danach erneut in neuer Bö auf der Backe zu liegen. Der Hafen ist noch nicht im Betrieb, der Code ist wirkungslos, das Restaurant nebenbei gibt uns einen anderen Code, der aber am nächsten Tag schon nicht mehr funktioniert, das Restaurant ist geschlossen, keiner erreichbar (muss was mit Saison zu tun haben). Wir ergänzen Vorräte, laden die Batterien und haken Norrtälje als nicht wert für zusätzliche 20 Seemeilen ab. Per Dockspot drücken wir 200 SEK ab inkl. Strom, wäre aber auch ohne gegangen.

Arholma lockt, wieder Segeln bis an den Liegeplatz mit Heckanker. 4 Schweden sind dabei die Sauna aufzuheizen, 2 Schweizer Segler haben dieselbe zwischen 17.00 und 18:00 gebucht, wir sind bei beiden Sitzungen eingeladen. Punktlandung am schönsten Ort auf Arholma wie Harald vom TO Stützpunt Stockholm empfahl. Derweil das Brot sich im Ofen entwickelt ist bereits der Teig für einen Marmorkuchen zubereitet. Halbzeit unserer Reise steht an, wir geben uns alle Mühe.

Arholma hält uns einen ganzen weiteren Tag fest umschlungen. Es regnet aus Eimern, wir belaufen trotzdem die Insel mit Regenschirm und Ölzeug. Am Nachmittag klart es auf, nur um dann nach einigen Stunden noch ein weiteres Mal mit Sturzbächen seine Naturgewalt zu zeigen. Die jungen Schweden sind auch wieder da, haben die Sauna gemietet und Skipper kann in derselbigen seine Stories loswerden. 4 Ärzte aus Uppsala, wenn die nicht mal Studenten waren. Das Ostseewasser hat hier 13 Grad und schmeckt ziemlich süß. Die Ärzte meinen es würde von dem Verzehr der Fische abgeraten werden, durch den hohen Quecksilber Gehalt, ein Schild mahnte bereits das Fischfangverbot von April bis 15. Juni an, alles schlechte Nachrichten für Günter. Skipper fragt sich warum Quecksilber süß schmeckt.

Sonntag sausen wir mit blauem Himmel und bis zu 5 Windstärken aus Südwest nach Öregrund. Ein netter Ort mit alten Holzhäusern und Restaurant. Wir bestellen alle Fisch und bekommen, ja was genau, eingepackt in einen fettigen Bierteig. Kommt leider nicht an den Backfisch auf der Kieler Woche ran moniert der Kieler Teil der Crew. Von der Hafenmeisterin lernen wir: in Schweden fragt man am Morgen: „wie hast Du geschlafen“? Das erwähnte schlafverhindernde Verhältnis ist stabil bei 4:1, keine weiteren Bauprojekte nachts.

Öregrund können wir uneingeschränkt (dies muss im Verhältnis zu den Alternativen gesehen werden) empfehlen, eine schöne Wanderung in Pinienwälder ist möglich und sehr alte Holzhäuser bieten sich als Fotomotiv an. Und es muss ja nicht immer gleich Fisch sein im Restaurant.

Skipper lässt sich den Sonnenuntergang um 22:06 nicht entgehen und ist beeindruckt wir lange die Sonne braucht zu verschwinden. Kein Vergleich zu einem Sonnenuntergang in der Karibik, wie schön kann Natur eben sein.

Nun wird es schwachwindig und nach Sikjälma wird der Motor zeitweise bemüht. Dann in der Enge zwischen Västerkian und Känningen, ein kieloben treibendes rotes Kajak. Der Skipper ruft den maritimen Notstand aus, die Crew ist hellwach und unentschlossen in trauriger Stille angesichts der Tragödie und andererseits freudiger Erregung angesichts des Besitzes eines roten Kajaks für spätere Erkundungen. Erste Stimmen mahnen einen Mayday Ruf an, Skipper beschließt in die Nähe des Objektes zu manövrieren für bessere „Inaugenscheinnahme“. Werden wir eine Seeleiche bergen müssen? Skipper antwortet nein, in dem Fall rufen wir dann um Hilfe. Fachliches Halbwissen zu aufgeblasenen Wasserleichen und deren gefürchteten Explosionen, ob Timmy oder nicht, werden kommuniziert. Da das Kajak ja verkauft werden und der Erlös in die Kasse der ANUK fließen kann, sind die Jäger und Sammler der ANUK nun kurz davor das Dinghi zu wassern. Der Skipper fordert weitere Bildnachweise, denen mit einem zweiten Fernglas folge geleistet wird. Bei genauerer Beobachtung durch die Ferngläser gleicht das Rot des Kajaks zunehmend dem einer roten Fahrwassertonne, die für alle überraschend platt auf dem Wasser liegt. ANUK dreht erleichtert aber auch enttäuscht ab. Wäre ja auch ne dolle Story geworden, vom finanziellen Reichtum mal abgesehen.

Sikjälma ist ausgestorben, wie bereits erwähnt diese Sache mit dem Saisonstart hier oben. Erster Versuch mit eine Heckboje zweifelhaften Aussehens wird in Folge einer fetten Böenwalze und heftigen Fallwinden gegen einen Ankerplatz mit ausreichend Schwoi Radius eingetauscht. Nach dem Durchzug der Front ist das Wetter bis zum Morgen so ruhig, da hätte auch diese wursthafte Boje gehalten. Das Dinghi wird nun für die Landeroberung gewassert. Die Sauna kostet 100 SEK kann aber nur mit SWISH bezahlt werden. Später gibt es Weißkohl in Kokossauce mit Kartoffeln, Süßkartoffeln, Nachtisch mit Creme Fresh und Nüssen und anschließend Hosenwind. Jo öffnet daraufhin die Flasche 700 ml RE:FORM Kräuter Likör 35 U/min, die dank den Gewürzen, wie auch u.a. Pappelknospe und Lorbeerblatt, das innere Gleichgewicht wieder einigermaßen auspendelt und das Hosenwind-Hoch neutralisiert (Fachleute sprechen hier von vakuumisieren).

Nach ruhiger Nacht zieht es uns wieder hinaus, leider in pottendicken Nebel. Das Nebelsignal wird aktiviert, das Radar gestartet. Schon sind wir auf Kollisionskurs mit einem der nicht tutet und ohne AIS fährt. Wir „erlernen“ mal eben das Radar. Er kommt von rechts, wir reduzieren den Speed, weiter gehts es. Nun kommt segelbarer Wind, mit Segeln stimmt das Schallsignal nicht mehr. Jo drückt das Signal an der Box für Segelboote im Nebel, lang-kurz-kurz, und siehe da, die Box wiederholt das Signal automatisch. Hammer, Jo ist wieder begeistert, was für großartige Technik an Bord der ANUK sich befindet. Nun wird die Sicht besser, Jo will das Signal abstellen, das geht aber nicht, da meint Mirko man müsse Bernd P. über Bord werfen. Jo steht auf dem Schlauch, am Ende hat man Jo ziemlich verladen, indem Bernd draußen immer die Signaltaste entsprechend gedrückt hatte. Schön verladen, gutes Zeichen für die Crew.

Wir erreichen Skatön nach schöner Backstagsbrise. Eine SXK-Boje bietet sich an, später hören wir die sind nur für bis zu 8 Tonnen ausgelegt. Es bleibt ruhig die Nacht, doch die Insel bietet rein gar nix.

So auch Innerstön mit der Bucht Fläsvik, die wir für das ursprüngliche Ziel Ajön eintauschen. Ajön hätte noch eine Sauna bieten können, doch der Ankerplatz etwas unruhig und die Crew somit verunsichert. In Fläsvik ist, außer einem harten Unwetter, welches ein größeres Stück des Waldes flach gelegt hat, nix eingefallen. Uns fällt auch nix zu diesem Flecken ein. Ein Holländer liegt an einer der beiden blauen SXK-Boje, wir bevorzugen den Anker. (ANUKchen bringt es auf 16 Tonnen) Ein schwedisches Paar übernachtet in ihrem kleinen Motorboot an einem kleinen Steg ohne Wassertiefe. Wir vertiefen uns lieber wieder in UNO.

Die letzten 13 Seemeilen nach Hudiksvall sind schnell gesegelt, der Rückenwind hat uns die 2 Wochen nie wirklich im Stich gelassen. Der mega sympathische Hafenmeister Lasse lässt uns parallel an einen Steg, das erleichtert die folgende Tage. Wir waschen und säubern. Am Freitag gibt es ein letztes Mal gemeinsames Essen im Restaurant. Am Samstag gehts nach Stockholm und im Nachzug nach Hamburg.

Ende gut alles gut. Es ist der 12.6.2026, 17:07, die Sonne scheint wieder, wir wünschen allen Folgecrew Fair Winds und die Handbreit.

Jo, Bernd P., Mirko, Bernd M., Günter

E2, Stockholm-Hudiksvall, 253 Seemeilen in 2 Wochen

„Hoffentlich hamwa alles…“

Orth — Stockholm
Skipperin: Astrid
Crew: Jo, Johannes, Christian, Bernd, Betty

Nach zahlreichen Arbeitseinsätzen, komplexen Crewplanungen, langen To-Do- und Einkaufslisten entschied sich Nanni noch kurz vor Törnstart für eine neue Dämpferplatte. Eine Recherche ergab, dass es auf konventionellem Weg bis zu zwei Wochen dauern kann, bis das Teil eintreffen würde. Mit Hilfe von einer Freundin von Mike, die spontan mit einer Dämpferplatte von London nach Amsterdam reiste und Mike, der das wertvolle Stück dort in Empfang nahm, wurde das Transportproblem gelöst. Wenige Stunden später begannen dann Uli, Christian und Jo den zerlegten Motor wieder zusammenzubauen, samt nagelneuer Dämpferplatte. Kopfüber im Motorraum, in einigermaßen akrobatischer Haltung wurde gebastelt, bis dann am Abend endlich wieder der satte Klang des alten Nanni erschallte. Währenddessen kümmerten sich die anderen Crewmitglieder um den restlichen Einkauf, bunkerten Diesel und Trinkwasser. Das entspannte Abendessen im Garten des Cafés die Villa nutzen wir für Wacheinteilung und Absprachen für den kommenden Tag.

Sonntag, gegen 8.45 Uhr legte die ANUK in Orth ab. Mike und Uli begleiteten uns noch ein Stück auf der Tai Chi. Nach kurzem Bangen, ob der Mast auch wirklich nicht an den neuen Gerüsten der Fehmarnsundbrücke hängen bleiben würde, segelten wir unter Genua und Groß bei 3-4 Bft. auf die offene Ostsee. Wind und Wetter waren uns hold. Zur Sicherheit wurde noch mit Rasmus ein Schluck Rum geteilt. Und bisher hat uns Rasmus nicht im Stich gelassen.

Die Vorhersage-Modelle waren sich zwar alle nicht einig, aber für die Überfahrt hatten wir gütigen West bis Nordwest, in schwankender Stärke. Beste Bedingungen, um gleich ein paar Manöver zu üben, wie z.B. Ein -und Ausreffen. Diejenigen, die schon öfter auf der ANUK waren, kramten in ihrer Erinnerung, andere teilten ihre reiche Erfahrung und gemeinsam kamen wir nach kurzem Üben mit Astrids Hinweisen zu einem ganz ansehnlichen Ergebnis.

In den folgenden Stunden hatten wir Zeit uns kennenzulernen. Denn obwohl unsere Wacheinteilung immer zwei an Deck und für den Rest Freiwache bzw. Standby vorsahen, saßen wir erstaunlich oft zusammen in der Plicht und plauderten. Schnell waren dann auch die jeweils vierstündigen Wachen um.

Die erwähnte Uneinigkeit der Wettermodelle führte dann auch zu regelmäßigen Trimm- und Segelmanövern. Wir fanden u.a. heraus, dass die Kombination 50% Genua und Fock mit zweifach gerefften Groß eine sehr stabile Kombi ist, um bei 15-20 kn am Wind zu segeln. Bei Böen von 30 kn funktioniert das Ganze mit 25% Genua genauso gut. Neben ein paar kurzen Flautenlöchern erfreuten wir uns an kräftigem West bis Nordwest, der uns mit bis zu 8 kn Fahrt über die Ostsee blies. Die kurzen steilen Wellen machten einigen von uns etwas zu schaffen, aber so richtig seekrank wurde zum Glück niemand. Nur der Schlaf war etwas getrübt durch das unregelmäßige Aufstampfen der ANUK. Anekdoten aus der Kotzfibel trieben uns später die Lachtränen in die Augen.

Mittwoch gegen 15 Uhr erreichten wir den Ankerplatz an der Insel Huvudholmen südöstlich von Stockholm. Auch wenn der Nordwind mitunter kalt hier in die Bucht bläst, haben wir entschieden, hier zu bleiben. Nach einem Bad am Heck nebst warmer Open Air Dusche machte sich die Crew an verschiedene kleine Aufgaben: diverse kleine Reparaturen, kochen, Stauliste vervollständigen. Es wartet ein sonniger Abend und vor allem eine hoffentlich durchschlafene Nacht auf uns.

Durch die Schären nähern wir uns Stockholm. Immer dichter mit immer urbaneren Häusern sind die Ufer besiedelt. Der Schiffsverkehr nimmt zu. Sollen wir nicht besser den Hafen anfunken? Was, wenn wir keinen Platz kriegen? Nachdem wir uns längsseits an die Pier des Wasa-Hafens legen, gibt uns die sehr entspannte Hafenmeisterin die Antwort: sucht Euch einen Platz aus!

Ganz in Ruhe besprechen wir das Ablegemanöver, diskutieren verschiedene Möglichkeiten, bei leicht auflandigem Wind von der Pier wegzukommen: geschickt eine drehende Bö nutzen? Vom Steg den Bug durch den Wind drücken? Oder doch lieber eindampfen in die Achterspring? Auch hier hat Rasmus ein gütiges Auge auf uns: im richtigen Moment dreht der Wind. Nun muss in eine Box mit starkem Seitenwind angelegt werden. Auch das haben wir vor dem Ablegen ausführlich erörtert, schließlich haben wir keinen Zeitdruck. Und entsprechend klappt es dann auch ganz geschmeidig. Christian am Steuer ist zufrieden.

Stockholm empfängt uns mit Sonne, milden Temperaturen und vielen aufgekratzten Menschen. Es ist Ende Mai, der Sommer in Sicht. Alle scheinen den langen dunklen Winter abzuschütteln mit Musik, glitzernden Kleidern, Drinks und Gelächter. Am Liegeplatz saugen wir die Atmosphäre auf, bevor wir uns wieder ans Arbeiten machen. Die gute ANUK hat noch ein paar Wünsche, bevor sie unter Skipper Jo weitersegeln will. Also wird an der Genua geflickt, die Hydraulik entlüftet, der Motor nochmals gecheckt und dabei ein Riesenstapel Bedienungsanleitungen durchforstet.

Bei Rotwein in der Abendsonne beobachten wir eine elegante Holzyacht nach der anderen: es ist Bootsveteranentreff. Also werden historische Schönheiten von nah und fern in den Wasa-Hafen geschippert, unter Segeln oder Motor. Manche glänzend von herrlich gepflegtem Holz, manche schon etwas mehr von Erfahrung gezeichnet – aber jede ein Schmuckstück.

Wir nutzen das Beisammensein in der Plicht auch zum Austausch. Ein schönes Ritual: reih um erzählen wir uns, wie der erste Eindruck voneinander war und wie der sich im Laufe der Woche verändert hat. Natürlich schweifen wir immer wieder in vergnügliche Anekdoten ab. Am Ende sind wir uns einig: wir haben uns gut miteinander eingeruckelt, Schwierigkeiten gemeistert, voneinander gelernt und vor allem: viel miteinander gelacht.

Text: Betty

Backoffice

Am Sonntag 25. August verlassen ULI und Crew Grönland. Die Wetterprognose sieht ganz okay aus und so gibt es keinen Grund länger zu warten. Ich stelle mich darauf ein, täglich die Wettervorhersagen (DWD und Predict Wind) anzusehen und zu warnen, falls etwas Bedrohliches aufzieht. Doch Starkwind wird bei dieser Überfahrt nicht das Problem sein.

Ärger bereitet mal wieder die Technik, diesmal ist es der Motor. Am 28. August schreibt Uli:
„Unser Motor erstaunt mich immer wieder (….).“

Was war passiert? Der Air Cooler hängt etwas tiefer. Nach längerem Suchen ist die Ursache klar, überrascht aber. Die massive Halterung ist komplett durchgerissen. Der Riss ist seitlich versteckt und durch Leitungen und Kabel verdeckt. An der Halterung fehlt eine Schraube. Das passt zu einer Schraube, die Uli Mitte Juni schon im Motorraum gefunden hat. Wir haben hatten allerdings nie die Stelle gefunden, wo die Schraube hin gehört.

In der täglichen Positionsmeldung schreibt ULI:
„Wir hängen im Schwachwind Loch und kommen mit gut 2 kn Fahrt mühsam voran. Motor will ich zurzeit nur nutzen wenn möglich (gebrochene Halterung für Luft- und Ölkühler, provisorisch heute Nacht fixiert).
@ Astrid and Mike: maybe Mike can organize the spare part in UK and/or bring it to Falmouth“

Das ist der Startschuss für ein unerwartetes Programm für die nächste Woche. Mike und ich chatten ständig, stöbern in Onlineshops, telefonieren mit Ersatzteillieferanten. Wir verzweifeln, lachen, wundern uns. Hier die chronologische Zusammenfassung:

–       28.8. abends Internet durchsucht. Kein Händler in UK hat das Teil vorrätig. Yach-supply24.com (Onlineshop in den Niederlanden) hat alle Teile, liefert weltweit, laut Webseite Lieferzeit 1-2 Wochen.

–       29.8. Peachment in UK (größter Ersatzteillieferant dort) bietet Lieferung in 2-4 Wochen an. Artikelnummer für die Halterung hat hinten ein A, Peachment bietet Teil mit gleicher Nr. aber hinten ein B an.

–       30.8. Frage bei Yacht-Supply nach den genauen Lieferzeiten Westport (Irland), Falmouth (England) und Calais (Frankreich).  

–       30.8. Bukh-Bremen hat die Halterung nicht auf Lager. Anfrage bei Nanni in Frankreich läuft, bisher keine Antwort.

–       30.8. Beschließen erst Montag über die Bestellung bei Peachment zu entscheiden.

–       Wir versuchen, eine Lieferung nach Calais zu organisieren. Mike ist bei seinem Schiff in Dover und bietet an, das Teil dort abzuholen.

–       2.9. Bukh-Bremen setzt alle Hebel in Bewegung und organisiert eine direkte Lieferung von Nanni (Zentrallager) nach Calais.

–       2.9. Wir stornieren die Bestellung bei Peachment.

–       3.9. Bukh-Bremen stellt Lieferung nach Calais in Aussicht, dann die Absage. Direktlieferung von Nanni innerhalb von Frankreich ist nicht möglich.

–       Ich kontaktiere MECA Diesel in Frankreich. Verständigung schwierig, da ich kein Französisch spreche.

–       4.9. Gerda ruft mit Unterstützung ihrer Schwiegertochter (Französischlehrerin) bei MECA Diesel an. Diverse eMails gehen hin und her. Mit Übersetzung oder in Englisch. Um 15:18 habe ich ein Angebot. Lieferung direkt zu einer Werkstatt in Caen.

–       4.9. Antwort von Yacht-Supply: Lieferzeit Irland 3 Wochen, England 3 Wochen. Ich bedanke mich und sage ab.

–       5.9. Konnte inzwischen klären, dass die Teile nach Calais geliefert werden. Sofortüberweisung klappt. Laut Tracking soll das Paket zwischen 8:00 und 13:00 ankommen, Adressat ist die Marina in Dover. 

–       6.9. Es wird nochmal spannend. Hier der Bericht von Mike (Originaltext):

0600 Mike drives to dover from job  3 hours. 
1000 Waits for news regarding parts 
1130 Courier says „refused“ 
1230 start the investigation by phone 
1300 discover Richard refused in port authority 
1400 Mike calls Richard and almost starts ww3 about to say you are a complete French asshole 
1401 Richard says the package is here 
1402 Mike says thankyou 
1530 ferry to France, walk 30 mins find out no foot passengers next ferry 1730 arrive 2000
Tild if you had a bike you can get any ferry 
1415 RUN yes RUN back to yacht get the bike, cycle back to ferry terminal 
1445 check in last person for ferry 
1520 depart UK for calais 
1522 office with package closes 1800
Ferries arrives 1800 
Problem! 
Solution ask manager Thomas in Calais marina to put the fucking part in the bar above the marina 
1523 Thomas agrees 
1524 all well. WE SAIL FOR FRANCE 

–       6.9. 18:00 schließt das Büro der Marina und die Fähre kommt an. Das passt zeitlich nicht. Mike bittet darum, dass das Paket in einer Bar deponiert wird, wo Mike es tatsächlich wenig später in Empfang nimmt. Gefeiert wird mit Bier und Essen. Dann geht es mit Fahrrad und Abendfähre zurück nach Dover.

–       7.9. Mike erreicht Falmouth gegen Mittag und nimmt um 16 Uhr die Leinen an. 16:28 kommt die Nachricht „Job done“!!!

–       8.9. Uli verbringt den Tag im Motorraum und wechselt die Halterung. Nicht alle Schraubenlöscher passen, also muss neu gebohrt werden.

–       9.9. Testlauf – alles okay!

Es bleiben die Fragen, warum die Halterung gerissen ist, warum zuvor die Schraube sich gelöst hat, warum sich früher schon anderen Schrauben gelöst haben bzw. abgerissen sind und ob bzw. wann der Ärger aufhören wird. Trotzdem ist es schön und das Wichtigste, dass ANUK, nach gut 16 Monaten wieder zurück in Europa ist und ULI es geschafft hat, alle Schäden zu reparieren.

Herzlich willkommen zurück!

Text: Astrid

Zwischen den Welten

Wir zitieren Bernhards Tagebucheintrag von gestern: „grauer Tag, immer noch hart am Wind. Es passierte: nichts.“

Heute hat der Wind nochmal zugelegt und wir mussten weiter hoch am Wind gegenan. Richtung Schottland, nicht ganz unser Ziel. Immerhin hat er gegen Abend wie vorhergesagt endlich auf SW gedreht und wir laufen jetzt unter Vollzeug bequem mit am Wind Kurs Scilly Island.
Was passierte: die Sonne zeigte sich kurz.

Wir sind jetzt 6 Tage unterwegs. Letzten Sonntag ging es um 05:30 Uhr mit dem ersten Licht los und wir hatten traumhaft schönes Wetter im Prins-Christian-Sund. Es blieb die ersten Tage sonnig, leider oft auch nur schwachwindig. Da wir den Motor nicht nutzen wollen, heißt es mit 2-3 kn Fahrt langsam Richtung Europa schaukeln.

Das Bordleben hat sich eingespielt, das Zeitgefühl ist dahin, alle haben sich an die Schiffsbewegungen und Wachrhythmus gewöhnt. 

Schiffe haben wir nur zwei Frachter gesehen. Beide haben uns per Funk kontaktiert, sich erkundigt, ob alles ok ist und ihre Verwunderung geäußert uns hier so weit draußen zu sehen.  Ansonsten hat die Morgenwache heute einen Delphin gesichtet. 
Der Wetterbericht sieht gut aus, wir freuen uns auf weitere entspannte See Tage.

Text: alle

Fata Morgana

In den letzten Tagen haben wir wiederholt Fata Morganen gesehen. Diese aus Wüsten bekannten Luftspiegelungen lassen sich auch in der Arktis beobachten. Am Übergang zwischen kalten und warmen Luftmassen werden Inseln und Eisberge gespiegelt. Hier ein paar Bilder dieses hübschen und irritierenden Phänomens.

Und weil es so schön ist, noch ein paar Eisbilder aus den letzten Tagen. Bei Abenddämmerung, bei Nebel und bei Sonne.

Marrak Point / Bluie West Four

Am Freitag verlassen wir nach dem Frühstück die Hauptstadt Nuuk. Wie zu befürchten war ist kaum Wind, sodass wir dieseln müssen. Wir arbeiten uns küstennah durch das Inselgewirr nach Süden vor. Das Fahrwasser ist durch Baken auf den Inseln gekennzeichnet. Teils sind weite Bereiche vermessen, teils gibt es nur eine aus wenigen Tiefenangaben bestehende Lotreihe. Überall sind zeitweise trockenfallende Felsen und unter Wasser liegende Steine verzeichnet. Die elektronischen Karten sind ein Segen, Navionics und C-Map sind gleichermaßen genau und zeigen unsere GPS-Position richtig an. Trotzdem sind wir vorsichtig, bei Tiefen unter 10 m fahren wir langsamer, wenn es gar unter 5 m sind versucht eine Person am Bug die Untiefen rechtzeitig zu erkennen. Den Kiel holen wir halb hoch und lassen die Leine, die ihn unten hält offen. So kann der Schwenkkiel bei Grundberührung einfach hoch schwenken. Kritisch würde es werden, wenn es flacher als 1,20 m ist. Das gab es hier noch nicht. Bisher sind wir ohne Grundberührung durchgekommen.

Am Nachmittag wird das Wasser immer milchiger, die Durchfahrten werden enger, die Tiefenangaben auf den Karten spärlicher. Wir fahren durch eine karibisch anmutende Inselwelt mit milchig-blauem Wasser, Sandstränden, flachen Schäreninseln. Am Abend ankern wir in einer großen Bucht an der Halbinsel Marraq (Übersetzung: Clay bzw. Lehm) mit langem Sandstrand und sehr großen Dünen.

Durch das Fernglas wird erkundet, ob irgendwo Handtücher ausliegen, so einladend sieht es aus. Doch wie fast immer sind wir auch hier wieder allein.

Nach einer ruhigen Nacht ist es morgens diesig und es regnet. Wir drehen uns nochmal um. Als es etwas freundlicher ist, wird aufgestanden. Kurzes, erfrischendes Morgenbad am Heck; Heizung an, Kaffee kochen, Frühstück. Dann Landgang zu viert, Uli und Yannick bleiben an Bord.

Aus unserem Revierführer wissen wir, dass es hier im 2. Weltkrieg ein Flugfeld mit Radio- und Wetterstation gab. Die flache Ebene wurde 1942 zufällig von einem Piloten entdeckt, der sich verirrt hatte und dem der Treibstoff ausging. Bei den sonst allgegenwärtigen Bergen und Felsen war das ein Glücksfall. Die natürliche Schotterebene eignete sich gut als Landebahn und wurde von 1942 – 1948 als Teil der US Militärbasis „Bluie West Four (BW-4)“ genutzt. Später hatte niemand mehr Verwendung für diese entlegene Landemöglichkeit und alles verfiel. Die Landebahn war noch lange auf Flugkarten zu finden, da sie für Notlandungen gut nutzbar ist (z. B. hier: <https://metar-taf.com/de/airport/BMKA-marrak-point>). In Die Aufräumarbeiten wurden von Grönland und Dänemark bezahlt. Der Ort wirkt aufgeräumt, wir finden nur noch wenige Überreste wie verrostete Fässer und Holz.

Bei unserem Landgang finden wir Fußspuren. Offensichtlich sind wir an einer auch von anderen genutzten Stelle angelandet. Später entdecken wir ein noch recht frische Rentiergeweih und zwei abgetrennte Beine. Offensichtlich war ein Jäger hier. Von den Grönländern wissen wir, dass jetzt Jagdsaison ist und dass es im Hinterland viele Rentiere gibt. Wir als Touristen sehen meist keines davon, vor uns sind sie sicher.

Zurück an Bord wird der Anker gelichtet und wir fahren weiter. Heute und auch morgen ist es verregnet, kühl, unwirtlich. Vorbei an auch bei Nieselwetter wunderschönen Eisbergen geht es weiter gen Süden.